FC Bayern München: Neue Hierarchie dank Harry Kane - Münchner gehen ein wichtiges Problem an
Der FC Bayern München ist nach den ersten Pflichtspielen der Saison nicht wirklich schlauer. Nach einer 0:3-Packung gegen RB Leipzig im Supercup fegte der Rekordmeister Werder Bremen zum Ligastart 4:0 vom Platz. Ist die lange vermisste Souveränität wieder da? Karl-Heinz Rummenigge kennt zwar die Antwort auch (noch) nicht, hat aber eine bemerkenswerte Erklärung für die Schwäche des Teams parat.
Kanes Rolle im Bayern-Kader: Superstar hat klare Vorstellung
Quelle: Perform
Vom FC Bayern zum FC Ratlos - Deutschlands Vorzeigeklub hat in den vergangenen Monaten mit völlig untypischen Nachlässigkeiten und Niederlagen überrascht.
Selbst die "geschenkte" Meisterschaft brachte den Rhythmus nicht zurück, sodass Trainer Thomas Tuchel nach der Supercup-Pleite gegen Leipzig vor laufender TV-Kamera eingestand, "keine Ahnung" zu haben, warum sein Starensemble so wenig Durchschlagskraft entwickelt.
Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Rummenigge wiederum scheint weniger ratlos und hat die Wurzel des Übels im Machtgefüge innerhalb der Mannschaft ausgemacht. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren ein bisschen die Hierarchie verloren", erklärte der 67-Jährige am Rande der "Sport-Bild"-Awards in Hamburg.
Die gute Nachricht aus Sicht der Bayern: Das Problem wird sich nach Ansicht von Rummenigge zeitnah erledigt haben. Neuzugang Harry Kane werde "dazu beitragen, dass die Hierarchie schnell zurückkommt".
Rummenigge zieht brisanten Indianer-Häuptlinge-Vergleich
Eine These, der Rummenigge einen brisanten Nachsatz folgen ließ. "Wir haben dann ein paar wenige Häuptlinge, aber auch einige Indianer, die vorher geglaubt haben, dass sie Häuptlinge sind." Eine unverhohlene Kritik an einigen Bayern-Spielern, wenngleich keine Namen fielen.
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Matthäus kritisiert Bayern: "Man hat Spieler zu stark geschützt"
Quelle: Eurosport
Aber kann es so einfach sein, dass sich mit einer neu modulierten Hierarchie die alte sportliche Dominanz wiederherstellen lässt? Es gibt zumindest Indizien, dass Rummenigge Recht hat.
Denn: Die drei Kapitäne Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich - qua Amt in der Hackordnung ganz oben angesiedelt - haben aus unterschiedlichen Gründen einen schweren Stand.
Neuer nimmt sich raus, Müller nicht gesetzt
Torhüter Neuer nahm sich durch seinen Skiunfall samt Unterschenkelbruch selbst aus dem Spiel. Zuletzt gab es zwar positive Signale, dass der Weltmeister von 2014 bald schon wieder bereit für ein Comeback sein könnte. Der Zeitpunkt lässt sich derzeit aber nicht seriös vorhersagen.
Bayern-Urgestein Müller wiederum war schon unter Julian Nagelsmann nicht mehr gesetzt und auch in der Ära Tuchel spielt der Routinier nicht die erste Geige. Gegen Leipzig und Bremen kam der 33-Jährige nur auf sechs Einsatzminuten, was das Dirigieren und Mitreißen der Kollegen erheblich erschwert.
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Bayern-Stars Thomas Müller (li.) und Harry Kane (re.)
Fotocredit: Imago
Besonders haften blieb die Aussage, mit der Tuchel in der Vorsaison vor dem Champions-League-Hinspiel im Viertelfinale gegen Manchester City den Verzicht auf Müller in der Startelf erklärte. "Ich liebe Thomas, aber wir erwarten kein typisches Thomas-Müller-Spiel", beschied der Trainer. Die Zahl der Thomas-Müller-Spiele ist seitdem nicht merklich angestiegen, was mehr als nur ein Trend ist.
Kritik schwächt Kimmichs Position
Die Kapitänsbinde trägt derweil Kimmich, eigentlich die dritte Option nach Neuer und Müller. Das Problem: Der 28-Jährige, lange Zeit das Musterbeispiel an Konstanz und Klasse, geriet zuletzt massiv in die Kritik.
Zu viele Ballverluste, schwache Standards, heißt es immer wieder. Prominente TV-Experten wie Lothar Matthäus, Mario Basler oder Dietmar Hamann deckten den Nationalspieler geradezu mit Vorwürfen ein.
Kimmichs "Nebenleute wurden zuletzt konstant schlechter. Egal ob Goretzka, Sabitzer oder Gravenberch. Weil sie für Kimmich ungewohnte Arbeit mitmachen mussten", hielt Matthäus bei "Sky" dem Bayern-Star vor. Tuchel beschädigte Kimmichs Ansehen durch seine Forderung nach einer "Holding Six", also einem klassischen defensiven Mittelfeldspieler, zusätzlich.
Zuletzt ließ der Bayern-Trainer zudem zwischen den Zeilen durchblicken, dass Kimmich auf dem Platz zu viele Aufgaben übernehme - und dadurch, vereinfacht gesagt, manchmal in der Defensive fehle.
Kane offensiv: "Werde Führungsspieler sein"
Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass Rummenigge ein Hierarchie-Problem erkennt - und mit der spektakulären Verpflichtung von Kane auch gleich die Lösung desselben sieht. Tatsächlich betonen die Verantwortlichen an der Säbener Straße immer wieder, dass man den Angreifer nicht nur aufgrund seiner Torquote unter Vertrag genommen habe.
Es sei schließlich gelungen, den Kapitän der englischen Nationalmannschaft aus England beziehungsweise Tottenham herauszukaufen. Einen Mann also, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. Einen, der die 100 Millionen Euro Ablöse rechtfertigen soll. "Ich bin mir sicher, dass mit Kane ein Leader kommt, der seine Mitspieler besser machen kann", befand auch Matthäus.
Kane wiederum traf, gerade erst in München angekommen, die richtigen Worte, um die Bayern darin zu bestärken. "Ich werde definitiv ein Führungsspieler in diesem Team sein, das liegt in meiner Persönlichkeit", teilte der 30-Jährige mit.
Mit diesem Anspruch wird sich zwangsläufig die Struktur der Hierarchie verändern - ganz im Sinne von Rummenigge und wohl auch dem des Vereins.
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Matthäus von Kane überzeugt: "Er ist das Geld wert"
Quelle: Eurosport
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