Min-Jae Kim: Vom Militär zum FC Bayern - neues Abwehr-"Monster" macht Tuchel und Dreesen froh
Min-Jae Kim verstärkt den FC Bayern München in der Abwehr. Für Trainer Thomas Tuchel war der 26 Jahre alte Südkoreaner vom SSC Neapel der Wunschkandidat als Ersatz für den zu Paris Saint-Germain gewechselten Lucas Hernández. Auch Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen ist froh über den Transfercoup des Innenverteidigers, der vor allem Dayot Upamecano unter Druck setzt.
Beeindruckende Zahlen bei Napoli: Min-Jae Kim im Profil
Quelle: Perform
Während seine Kollegen vom FC Bayern gerade die Amateurkicker vom FC Rottach-Egern nach allen Regeln der Kunst sezierten (27:0), hob Min-Jae Kim im Fitnesszelt nebenan auf dem Ergometer schüchtern seinen Daumen und signalisierte damit: alles top hier.
Ein bisschen zögerlich wirkte der 1,90-Meter-Hüne nach seiner Ankunft im Trainingslager der Bayern noch, fast ehrfürchtig, so als ob das alles für ihn noch ein unwirklicher Traum sei.
"Ich bin sehr aufgeregt, jetzt hier zu sein - aber auch noch ein bisschen schüchtern", sagte der 26 Jahre alte Südkoreaner, wie er da auf seinem Trainingsbike saß. Dann ließ ihn das Social-Media-Team der Bayern auch wieder in Ruhe.
Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und Trainer Thomas Tuchel grinsten derweil um die Wette. Der eine hatte Min-Jae Kim zuvor an der Säbener Straße in München die Unterschrift für fünf Jahre Vertragslaufzeit abgenommen, der andere den Innenverteidiger freudig im Trainingslager empfangen.
FC Bayern: Min-Jae Kim kommt früher als erwartet
"Ich freue mich sehr, dass er sich für uns entschieden hat - er hatte genügend Auswahlmöglichkeiten. Er ist eine Top-Verpflichtung", sagte der Bayern-Trainer nach dem Testkick und verriet, dass Min-Jae Kim schneller in Bayern ankam als ursprünglich geplant.
"Wir hätten ihm auch erlaubt, dass er erst in Asien zu uns stößt, weil das für ihn von der Flugbelastung her viel angenehmer gewesen wäre, aber er wollte so früh wie möglich zu uns kommen", sagte der Bayern-Coach.
Der deutsche Meister hebt am 24. Juli zu seiner Asien-Tour ab. "Wir hätten ihm ein paar Tage mehr Urlaub gegeben, aber er wollte das nicht. Das zeigt auch, wie fokussiert er ist und wie ernst er das nimmt. Jeder Tag ist wichtig", freute sich Tuchel: "Er ist einfach ein echter Kerl, groß, komplett austrainiert und ready to go."
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Min-Jae Kim - FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Rückennummer von Breitner, Lizarazu und Lúcio
Auch Dreesen war begeistert. "Er passt aus einem einfachen Grund ganz ausgezeichnet zum FC Bayern: Er ist einer der besten Verteidiger, die es zurzeit auf der Welt gibt", meinte der Bayern-Boss. Der 26-Jährige sei "höflich" und "einfach ein guter Typ".
Dreesen klärte gleich mal auf: "Er ist nicht ohne Grund auch ganz schnell zum Liebling der Fans in Napoli geworden, die ihn immer 'Kim, Kim, Kim' gerufen haben, aber er möchte Min-Jae genannt werden. Insofern werden wir Min-Jae zu ihm sagen."
So wird es auch unter dem Bayern-Trikot mit der Nummer drei stehen: MINJAE. Eine Rückennummer, die bei den Bayern schon die Weltmeister Breitner, Pflügler, Berthold, Lizarazu, Lúcio und Xabi Alonso trugen.
Min-Jae Kim: Steiniger Weg von Tongyeong nach München
"Der FC Bayern ist der Traum eines jeden Fußballers. Deshalb habe ich mich für den FC Bayern entschieden", sagte der Südkoreaner am Dienstag. In den Verhandlungen habe Bayern ihm "von Anfang an klar gezeigt, wie groß das Interesse an mir ist".
Sein erstes Ziel sei es nun, "viele Spiele zu machen. Darüber hinaus möchte ich so viele Titel wie möglich gewinnen."
Bis nach München liegt bereits ein langer, steiniger Weg hinter dem Südkoreaner. Aufgewachsen in der stets von Taifunen bedrohte Hafenstadt Tongyeong (knapp 135.000 Einwohner), in dem seine Eltern ein kleines Sushi-Restaurant betrieben, empfahl er sich über diverse Schulmannschaften für das Team der Yonsei Universität.
Es folgten viele Umzüge und ein Karrierestart, der sich mit dem Ausdruck Wandervogel am besten beschreiben lässt. 2016 heuerte er in seiner Heimat bei einem Drittligateam namens Gyeongju Korea Hydro & Nuclear Power an, nur zwölf Monate später folgte der Schritt zum Erstligaklub Jeonbuk Hyundai, wo er zweimal Meister wurde und zum Nationalspieler reifte. Wieder zwei Jahre später zog es ihn in die Chinese Super League zu Beijing Guoan.
Bayern-Trainer Tuchel spricht von "ungewöhnlichem Werdegang"
Wie ein Puzzle setzte Min-Jae Kim seine Karriere zusammen - Teil für Teil. 2021 wurden türkische Scouts auf ihn aufmerksam, im Sommer folgte für drei Millionen Euro der Wechsel zu Fenerbahce Istanbul - Minjae war im europäischen Fußball angekommen.
Nur ein Jahr später ging es wieder weiter: für den sechsfachen Preis schlug der SSC Neapel vergangenen Sommer zu und verankerte sogleich eine 50-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel in Min-Jae Kims Vertrag, die nun die Bayern zogen.
"Er hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich", sagte Tuchel am Dienstag, "aber der zeigt einfach, dass er sich durchgebissen, mit seiner Qualität durchgesetzt hat, über China und die Türkei." In Neapel gelang Min-Jae Kim vergangene Saison bekanntermaßen der große Durchbruch.
Minjae Kim: Durchbruch beim SSC Neapel
Beim italienischen Meister stand er in 44 der insgesamt 49 Pflichtspielen in der Startelf und wurde am Ende zum besten Abwehrspieler der Serie A gewählt. Eine "sensationelle Saison" sei das gewesen, bestätigte Tuchel, seiner Meinung nach "komplett fehlerfrei auf höchstem Niveau".
Was durchaus als Vermerk an Dayot Upamecano zu werten ist, dem das bei Bayern nicht gelungen war. Insofern gilt Min-Jae Kim nun auch als neben Matthijs de Ligt gesetzt, Upamecano muss um seine Einsatzzeiten bangen. In der vergangenen Saison führten laut "Opta" insgesamt 19 Abwehrfehler in der Bundesliga zu Torschüssen des Gegners - Minus-Wert der Liga.
"Er ist groß, schnell, superzuverlässig", schwärmte Tuchel weiter vom Neuzugang: "Ich bin sehr froh, dass er da ist. Das war letztlich das, was wir wollten - dass wir, wenn wir Lucas Hernández gehen lassen, Min-Jae Kim für uns als Ersatz gewinnen. Sehr gut, dass es geklappt hat."
Kopfballstärke und beidfüßiger Spielaufbau
Vor seiner Anreise nach München hatte Min-Jae Kim in Südkorea noch den obligatorischen, für Sportstars jedoch stark verkürzten Militärdienst abgeleistet.
Mit Disziplin und Demut soll er in der anlaufenden Saison nun auch den Bayern-Gegnern das Fürchten lehren. Im Vergleich mit Upamecano erhoffen sich die Münchner vor allem mehr Sicherheit bei hohen Bällen und im Spielaufbau.
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Min-Jae Kim
Fotocredit: Getty Images
"Er beeindruckt mit seiner physischen Präsenz genauso wie mit seiner Mentalität und Schnelligkeit", sagte Dreesen, der hofft, "dass er mit seiner Spielweise auch unsere Fans begeistern wird".
In der abgelaufenen Saison in Italien gewann er 92 Kopfballduelle, was unter den Abwehrspielern einzig von Alessandro Buongiorno vom FC Turin (99) übertroffen wurde. Seine beiden Saisontore erzielte er per Kopf.
Auch Spaletti lobt
Min-Jae Kim hatte in der Serie A auch durchschnittlich die meisten Ballaktionen, er spielte sogar von allen Akteuren der europäischen Top-Fünf-Ligen die meisten Vorwärtspässe (1057) und die drittmeisten angekommenen Pässe (2547) bei einer Passquote von starken 91 Prozent.
In der Kerntugend Zweikampf schnitt er mit 63 Prozent gewonnener Duelle ebenfalls stark ab. Dazu kam, dass er nur fünfmal ausgedribbelt wurde (Bestwert der Liga bei mind. 24 Einsätzen). In der Champions League wurde Min-Jae Kim sogar als einziger Verteidiger neben Reals Antonio Rüdiger nie umdribbelt (bei mindestens 550 Einsatzminuten).
"Er macht pro Spiel mindestens 20 unglaubliche Dinge", lobte in sein Trainer Luciano Spaletti während der abgelaufenen Saison: "Wenn er mit dem Ball am Fuß losläuft, ist er innerhalb von fünf Sekunden im gegnerischen Strafraum. Er ist unglaublich, immer aggressiv."
Spitzname "Monster"
Andreas Herzog, Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der südkoreanischen Nationalmannschaft, bezeichnete den Abwehrspieler bei "Sport1" als "Riesen-Verstärkung". Der ehemalige südkoreanische Nationaltrainer Uli Stielike würdigte ihn als "kopfballstark, kompromisslos in den Zweikämpfen, aber auch ruhig im Spielaufbau, mit seinen 26 Jahren und drei Stationen im Ausland ein gereifter Profi".
Hohes Verantwortungsbewusstsein, gute Entscheidungsqualität, Präsenz und Fokus während der gesamten 90 Minuten sowie Handlungsschnelligkeit und stabile Passtechnik mit beiden Füßen - all das erhofft man sich bei Bayern nun auch von Min-Jae Kim, dem der Spitzname "Monster" anhaftet.
"Ich mag ihn", sagte er mal gegenüber dem "Guardian": "Er bringt meine positiven Eigenschaften als Verteidiger auf den Punkt."
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