Drei Dinge, die Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund auffielen: Nuri Sahins BVB fehlt Mentalität UND Qualität
Update 18/01/2025 um 12:07 GMT+1 Uhr
Borussia Dortmund steckt weiter tief in der Krise und steht nach der 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt am Freitagabend zum Start ins Jahr 2025 plötzlich mit drei Pleiten in Folge da. Die Top-Ränge sind weit weg und gleichzeitig brodelt es im Verein. Trainer Nuri Sahin bekam das Vertrauen ausgesprochen, doch die Diskussionen um ihn bleiben. Es mangelt an vielem. Drei Dinge, die auffielen.
Julian Brandt und Pascal Groß von Borussia Dortmund müssen den Kopf für die Niederlage in Frankfurt hinhalten.
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Nuri Sahin eilte nach der nächsten Pleite wortlos die Treppen in Richtung Kabine hinab, die mitgereisten Fans reagierten stinksauer: Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel des Jahres brennt bei Borussia Dortmund der Baum.
Das 0:2 (0:1) bei Eintracht Frankfurt lässt Sahins Trainerstuhl bedenklich wackeln, die SGE-Fans ließen sich die hämischen "Sahin raus"-Sprechchöre nicht nehmen. Sportdirektor Sebastian Kehl sprach Sahin nach der Partie jedoch sein Vertrauen aus.
Hugo Ekitiké (18.) und Oscar Höjlund (90.+2) sorgten für den verdienten Sieg der Eintracht, die auf den abwanderungswilligen Topstürmer Omar Marmoush verzichten musste. Doch der Ägypter wurde kaum vermisst, weil der BVB drei Tage nach dem peinlichen 2:4 in Kiel erneut viel zu harmlos auftrat. Als die Westfalen nach dem Spiel zu den eigenen Fans trotteten, drehten sie angesichts der wütenden Gesichter schnell wieder um.
Drei Dinge, die uns in Frankfurt auffielen.
1. Krisen-BVB: Zu wenig Mentalität UND Qualität
Das neue Jahr 2025 ist nicht mal drei Wochen alt - und Borussia Dortmund hat schon drei Niederlagen in der Bundesliga kassiert. Das ist historisch schlecht, das gab es noch nie für Schwarz-Gelb. Tabellenplatz zehn nach 18 Spielen spricht Bände. Der Rückstand auf den Dritten Frankfurt, beträgt satte elf Zähler.
Gegen die Eintracht war beim BVB die Verunsicherung in jeder Faser zu spüren. Vor allem in der ersten Hälfte. Da war keine Trotzreaktion, keine Emotion, da waren keine explosiven Läufe, keine Tiefe im Spiel. Stattdessen gab es halbherzige Halbfeld-Flanken, wenig Präzision und naives Defensivverhalten. Zu oft war das Zentrum, das eigentlich Pascal Groß und Felix Nmecha bestimmen sollten, komplett offen. Nur wenn der Ball zu Jamie Gittens kam, kam etwas Dynamik auf. Doch darauf stellte sich die Eintracht gut ein.
Okay, in der zweiten Halbzeit in Frankfurt wurde die Leistung des BVB besser, sie drückten mehr nach vorne und fanden die Tiefe mit viel Ballbesitz, vielen Aktionen im gegnerischen Strafraum. Manko: Klare Torchancen blieben trotzdem Mangelware. Die Mentalitätsfrage wurde beim BVB schon oft gestellt. Allerdings drängt sich nach den mickrigen Ergebnissen nun zusehends auch die Qualitätsfrage auf. Für einige Akteure reicht es nicht, der Widerspruch zwischen Ansprüchen und Wirklichkeit ist mittlerweile zu groß.
Die Elfmeter, die der BVB herausholen wollte, wirkten eher geschunden als eines Pfiffes würdig. Das hat kein CL-Format. Emre Can ist ein feiner Kerl, aber keine Säule als Kapitän. Nmechas Vorstellungen schwanken regelmäßig, auf Julian Brandt kann sich in Dortmund niemand verlassen, Ramy Bensebaini ist höchstens Ergänzungsspieler. Serhou Guirassy ist kein Torjäger mehr. Letztlich gibt es zu wenig von allem: Mentalität, Qualität und natürlich Punkte. Der BVB steckt tief in der Krise. "Das ist nicht gut genug. Wir sind keine Top-Mannschaft, die Tabelle lügt nicht. Aber nächste Woche geben wir wieder Gas und versuchen es wieder. Wir haben Lösungen", versprach Can.
2. Sahin eigentlich kaum noch haltbar
Die Mannschaft ist in der Pflicht, weil sie auf dem Rasen steht. Doch was sie dort zeigt, ist Sahins Verantwortung. Keiner hat ihn gezwungen, die Aufstellung so auszuwählen, wie sie am Freitagabend war. Er hat es nicht geschafft, dem Team die Unsicherheit zu nehmen. Es stagniert beim BVB in dieser Konstellation. Die Trainerdiskussion ist längst entbrannt und droht nun noch intensiver zu werden.
"Natürlich wirft das Fragen auf. Wir stehen mit leeren Händen da, das ist sehr enttäuschend. Wir haben uns das komplett anders vorgestellt. Aber wir werden weitermachen in dieser Konstellation. Nuri hat das Vertrauen", bekräftigte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl. Der Trainer bleibt also, aber die Diskussionen um ihn in den weiter anstehenden englischen Wochen sind ein großer Störfaktor. Es ist kaum vorstellbar, dass der 36-jährige Sahin unter diesen Voraussetzungen die Wende gelingt.
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Nuri Sahin und der BVB stecken in der Krise
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Zuletzt setzte er eine Aussprache zwischen Mannschaft und ihm an, jeder soll sich die Wahrheit gesagt haben, doch eine sichtbare Reaktion, ein Zusammenrücken war nicht erkennbar. Eine starke Halbzeit reicht nicht, die positiven Impulse blieben aus. "Fußball ist ein Ergebnissport. Weniger reden, mehr machen. Nur so kommen wir da raus", sagte Groß.
Viele Beobachter sehen das Experiment mit dem unerfahrenen Sahin für gescheitert. Selbst optimistische BVB-Fans zweifeln. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken hatte sich nach dem Spiel in 2:4 in Kiel noch unterstützend geäußert. In Frankfurt wurde nun ein neuer Tiefpunkt erreicht, die Situation für Sahin hat sich weiter verschlechtert.
Ein Trainerwechsel scheint die einzige Möglichkeit, doch einen notwendigen Impuls zu erzeugen. Es geht auch darum, weiteren Schaden vom BVB, der Mannschaft und dem Coach abzuwenden. "Du kannst in Selbstmitleid versinken oder sagen: 'Brust raus, ich versuche jetzt hier meinen Mann zu stehen!' Ich werde zweites machen", kündigte Sahin kämpferisch an.
3. Eintracht auch ohne Marmoush: Pragmatisch, praktisch, gut
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Omar Marmoush verabschiedete sich nach dem Franfurter Sieg gegen Dortmund von den Fans.
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Nach dem Schlusspfiff zeigte er sich nochmal - in Zivil. Sympathieträger Omar Marmoush wird die Eintracht verlassen und zu Manchester City wechseln, auch wenn noch letzte Details zu klären sind. Er wurde herzlich von den Fans und Teamkollegen gefeiert. Ein emotionaler Moment. "Wir wissen, was wir an Omar hatten. Er war ein wichtiger Spieler mit einem überragenden Charakter. Aber wir freuen uns alle für ihn", stellte Mario Götze fest.
Gegen den BVB stand der Stürmer nicht im Kader, es funktionierte auch ohne ihn. Vorne rückte Ansgar Knauff für ihn rein, er harmonierte ordentlich mit Hugo Etikité. Frankfurt zeigte das, was es in dieser Saison stark macht. Pragmatisch in der Defensive mit guter Aufteilung und regem Verschieben, praktisch mit schnellem Spiel nach vorne bei Kontern, gut und eiskalt beim Abschluss.
Sie haben gelitten in der zweiten Halbzeit, sie mussten viel laufen, viel aushalten, zusammen an den Sieg glauben. Wenn solche Phasen schadenfrei überstanden werden, schweißt das das Team nur noch weiter zusammen.
"Wir haben gut verteidigt und Räume eng gemacht. Wir haben kein Gegentor bekommen und können zufrieden sein", resümierte Götze. Die Eintracht hat auch ohne Marmoush genug Substanz, weiter oben zu bleiben.
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