Serge Gnabry überzeugt beim FC Bayern unter Trainer Vincent Kompany: Was ihn für die Münchner so wertvoll macht
Update 16/01/2026 um 18:01 GMT+1 Uhr
Serge Gnabry sammelt nicht nur mit seinem zirkusreifen Treffer beim 3:1 des FC Bayern in Köln Argumente für eine Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus. Warum ist der Offensiv-Allrounder in der Mannschaft so beliebt und hat einen derart großen Mehrwert für Trainer Vincent Kompany - auch außerhalb des Platzes? Ein genauer Blick auf den 30-Jährigen und seine besondere Rolle im Gefüge des FCB.
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Quelle: Eurosport
Sein Grinsen, sein schelmisches Lächeln wurde immer wieder unterbrochen, weil er husten musste. Serge Gnabry, den Schalk im Nacken, versuchte vor laufender TV-Kamera, ohne ein klares Dementi aus der Nummer herauszukommen.
Die Gretchenfrage an den Offensiv-Allrounder des FC Bayern München lautete nach diesem, seinem wundersamen Treffer zum 1:1-Ausgleich während des 3:1-Erfolges beim 1. FC Köln: Absicht oder Zufall?
Der Kunstschütze selbst meinte über den verzinkten Aufsetzer: "Mein erster Kontakt, die Ballannahme, war nicht so gut. Ich habe dann irgendwie versucht, den Ball in die Mitte zu bringen. Ich habe keine Ahnung, wie er reinging. Es ging so schnell."
Absicht oder Glück? Gnabry, der mit einer Erkältung ins Spiel gegangen war und sich im Interview für seinen Husten entschuldigte, ließ das im Dunkeln. Clever.
"Unvorstellbar": Gnabry trifft spektakulär
Aus gutem Grund. Sein zuvor letztes Tor in der Bundesliga ist bereits eine Weile her. Am 1. November traf Gnabry beim 3:0 gegen Bayer Leverkusen, am 9. Spieltag. Nun kann man sich Tore vornehmen, besondere jedoch entstehen im Moment des Gefechts.
Der 30-Jährige nutzte am Mittwochabend in Köln den Zauber des Augenblicks für einen Treffer, der auch im Zirkus Roncalli nur schwierig Abend für Abend zur Aufführung gebracht werden könnte. Ein Schuss aus der Drehung, bewusst oder unbewusst direkt auf den Boden gezogen. Und so nahm der Ball als Aufsetzer eine für den Torwart diffizil zu berechnende Flugkurve.
Der Ausgleich gegen Gastgeber 1. FC Köln sah derart raffiniert erzielt aus, dass Sportvorstand Max Eberl mal wieder einen Vergleich zu seiner Profikarriere anstellte. "Wahrscheinlich ist der Ball auch besser heute als damals", meinte der 52-Jährige. Das mag sein.
"Früher hätte ich gesagt, das war irgendwie gehoppelt, aber das war schon gewollt von Serge. Heutzutage bei den Spielern sage ich, die wollen das", sagte Eberl und erklärte: "Wenn ich Serge im Training sehe, wenn ich unsere Jungs im Training sehe, dann machen die Dinge mit den Bällen." Er geriet ins Schwärmen. "Das war für uns, als ich gespielt habe, unvorstellbar. Mittlerweile nehmen sie den Ball hoch, um ihn zu pressen. Und der Ball nimmt eine ganz unorthodoxe Flughöhe."
Neuer schwärmt von Gnabry
Manuel Neuer, der Torhüter, kennt seine Pappenheimer und nannte einen Begriff für solch einen Torschussmove: "Das ist ja ein Klassiker, so ein Quetscher. Das hat man ja früher, glaube ich, auch von Mesut Özil gesehen oder Halil Altintop, damals bei Schalke."
Aus der Sicht des 39-Jährigen, der schon alles in seiner Karriere gesehen hat, zeugt dies "einfach von Cleverness. Gerade vor dem Tor, dann in den Situationen nicht einfach blind draufzuhauen." Erst denken, dann schießen. Anders als Gerd Müller, der legendäre Bomber der Nation, einst formulierte: "Wennst denkst, ist's eh zu spät." Für Neuer hat Gnabry das "wie ein starker Offensivspieler", gemacht, nämlich "super".
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Serge Gnabry liefert beim FC Bayern sportlich und menschlich Argumente
Fotocredit: Getty Images
Gnabry-Verlängerung beim FC Bayern stockt
Und damit konnte Gnabry einen dicken Pluspunkt sammeln in eigener Sache. Der Vertrag des Offensiv-Allrounders läuft zum Saisonende aus. Der gebürtige Stuttgarter will bleiben, soll bleiben. Eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre über den Sommer hinaus wird angestrebt, zu leicht reduzierten, mehr leistungsbezogenen Bezügen.
Doch der Prozess stockt, schon lange wird gesprochen und verhandelt. Es gibt unter den Bossen Zweifel, ob denn eine Vertragsverlängerung dem Spieler eben nicht nur eine finanzielle Sicherheit garantieren würde. In der Vergangenheit ging die Leistungskurve von Gnabry nach vollbrachter Unterschrift und Klärung der Zukunft nach unten. Warum also nicht noch etwas warten und den Spieler im Bewährungsmodus agieren lassen?
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Kompany über Musiala-Rückkehr: "Kommt aus einem dunklen Tunnel"
Quelle: Perform
Theoretisch ja. Aber man muss auch berücksichtigen, dass Gnabry selbst Anfang Oktober in einem Interview im "ZDF"-Sportstudio von einem privaten Schicksalsschlag berichtete, den er in der vergangenen Saison erlitten habe. "Es war ein hartes Jahr für mich", gestand er ohne näher darauf einzugehen.
Sich zurückziehen aus dem Fußball, weg von der Mannschaft? Aus der Öffentlichkeit? Das wollte er nicht, spürte jedoch den Druck: "Du solltest ein Roboter sein, um immer zu funktionieren." Mittlerweile, so Gnabry im Herbst, "ist der Kopf wieder ein bisschen freier".
Was man an seinen Leistungen und den Torquoten auf dem Platz ablesen konnte. Gnabry braucht für sein Spiel das absolute Vertrauen in seinen Körper und seine Stärken, das Vertrauen des Trainers, den Zuspruch der Mannschaft – hat er längst alles wieder.
Ab November erlitt Gnabry, den kleinere Blessuren etwas zurückwarfen, eine Formdelle. Das sehr hohe Gehalt (Gnabry ist einer der Top-Verdiener des Kaders) wurde wieder als Argument gegen eine Vertragsverlängerung herangezogen.
Kompanys Joker hat Argumente auf seiner Seite
Gnabrys hat viele Pro-Argumente auf seiner Seite: Er kann im 4-2-3-1-System von Trainer Vincent Kompany als Links- bzw. Rechtsaußen agieren, auf der Zehnerposition und als hängende Spitze spielen. Sitzt er mal draußen, mosert er nicht. Er sieht sich zu 100 Prozent als Teamplayer.
Bei Bayern und auch beim DFB (57 Länderspiele/25 Tore) beobachtet man seit geraumer Zeit einen gereiften, nachdenklicheren Gnabry. Er selbst sagt schmunzelnd: "Ich bin dieses Jahr 30 geworden, also erwachsen, und habe auf die Dauer der Karriere gesehen ein paar schlauere Entscheidungen getroffen als in jungen Jahren."
Gnabry ist äußerst beliebt in der Bayern-Kabine, fungiert mittlerweile als Integrationsbeauftragte der Mannschaft – als Nachfolger von David Alaba, der 2021 zu Real Madrid wechselte. Ein Beispiel: Als der Japaner Hiroki Ito im Sommer 2024 vom VfB Stuttgart nach München wechselte, zeigte er dem Verteidiger alsbald sein japanisches Lieblingsrestaurant.
Warum er diese Rolle von Alaba übernommen habe? "Ich denke, dass ich am besten Englisch spreche", antwortete Gnabry und erklärte: "Ich versuche, die Spieler, die neu kommen, gut aufzunehmen, ihnen ein gutes Gefühl zu geben im Verein und in der Kabine. Damit sie sich wohlfühlen. Das habe ich damals bei Harry Kane gemacht, jetzt bei Lucho (gemeint ist Luis Díaz, der im Sommer 2025 neu verpflichtete Kolumbianer, d.Red.) und den anderen."
Gnabry ist der Klebstoff in der Kabine
Ist er also der hauptamtliche Integrationsbeauftragte des Kaders? "Ich glaube, so ein bisschen", meinte Gnabry. Sein großes Plus: Er ist der Klebstoff in der Kabine, er kann mit allen. "Ich bin ein offener Mensch, der jeden willkommen heißt. Ich spreche ein paar Sprachen, das hilft auch, wenn neue Spieler kommen."
"Ich finde, der Teamgeist lebt davon, dass die Leute miteinander klarkommen. David Alaba hat das in einer anderen Stufe vorgelebt. Ein bisschen abgeschaut habe ich mir es von ihm. Ich fand das wirklich Wahnsinn, wie er jeden aufgenommen hat. Man hat sich sofort wohlgefühlt. Das versuche ich, einzubringen."
Gnabrys Nachteile neben seinem ziemlich üppigen Gehalt: Die steile Entwicklung von Shootingstar Lennart Karl und die Rückkehr von Spielmacher Jamal Musiala, der nach seiner schweren Verletzung in den nächsten Partien wieder Spielpraxis sammeln soll.
"Konkurrenz ist immer da, egal wer im Kader steht", sagt Gnabry selbstbewusst, "auch wenn Jamal zurückkehrt, wird sich nicht viel verändern. Solange ich meine Leistung bringe und ich fit bin, mache ich mir da keine Gedanken." Gnabrys großes Ziel trotz der Konkurrenz: Die WM-Teilnahme. Am besten mit einem neuen Bayern-Vertrag in der Tasche.
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