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Pünktlich zum Duell gegen Paris und Tuchel: Dortmund entdeckt die Defensive

Pünktlich zum Duell gegen Paris und Tuchel: Dortmund entdeckt die Defensive

15/02/2020 um 11:28

Borussia Dortmund geht nach dem deutlichen 4:0-Erfolg über Eintracht Frankfurt mit viel Zuversicht in das Champions-League-Spiel gegen Paris Saint-Germain. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen das französische Starensemble sehen sich die Schwarz-Gelben keinesfalls in der Außenseiterrolle. Insbesondere die konzentrierte Defensivleistung macht dem BVB Mut für das Duell mit Ex-Coach Thomas Tuchel.

Als die Sprache zum wiederholten Male auf Paris Saint-Germain und Thomas Tuchel kam, bat Lucien Favre um eine kleine Korrektur im Programm. "En franςais“, sagte Dortmunds Cheftrainer, entsprach seinem Wunsch dann als Erster und redete auf Französisch weiter.

Über das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag – gegen den amtierenden Meister und erneut völlig unangefochtenen Spitzenreiter der Ligue 1, seit eineinhalb Jahren gecoacht von seinem Vorvorgänger beim BVB.

Erkenntnis: Weniger ist mehr

Inhaltlich änderte sich an Favres Aussagen durch den Sprachenwechsel freilich nichts. "Wir spielen gegen Paris. Thomas Tuchel hat zwei Jahre hier gearbeitet. Wir haben gegeneinander gespielt, als er in Mainz war. Aber jetzt ist er in Paris“, erwähnte der 62-jährige Schweizer auf Deutsch – auf die Frage, wie viel Einfluss Tuchels Dortmunder Wirken auf das aktuelle BVB-Team noch habe. Und auf Französisch gab er dann bekannt:

"Ich spreche nicht über Kollegen, ich spreche über Paris."
Raphaël Guerreiro traf zum 4:0 für den BVB gegen Frankfurt

Raphaël Guerreiro traf zum 4:0 für den BVB gegen FrankfurtGetty Images

Den taktischen Grundsatzgedanken dahinter erklärte allerdings nicht der Trainer, sondern der Abwehrchef. "Bei unserer offensiven Qualität müssen wir gar nicht voll ins Risiko gehen“, betonte Mats Hummels und erläuterte weiter: "Das ist wichtig zu wissen – dass die Jungs vorne so gut sind, dass wir auch so zu Chancen kommen.“ Sprachs und schob mit einem leidvollen Lächeln hinterher:

"Außer in München."

Einschränkung: Paris ist nicht Frankfurt

Gegen Paris aber schon, konnte man da hineininterpretieren. Auch wenn den Westfalen bewusst ist, mit wem sie es in drei Tagen zu tun bekommen. Dann stürmen nicht mehr die wackeren, aber wenig überzeugenden Eintracht-Angreifer André Silva und Bas Dost auf die Defensive der Borussia zu. Sondern Kylian Mbappé, Edinson Cavani und Neymar.

Pariser Traumduo: Neymar (links) und Kylian Mbappé

Pariser Traumduo: Neymar (links) und Kylian MbappéGetty Images

In der französischen Liga kommt Tuchels Team auf einen Schnitt von 2,63 Treffern pro Partie, in der Gruppenphase der Königsklasse lag die Quote gar bei 2,83. "Das ist ein anderes Kaliber“, kommentierte der Pole Piszczek knapp. Etwas versteckter, aber trotzdem ähnlich klar formulierte Frankfurts österreichischer Übungsleiter Adi Hütter die Ausgangslage für Dienstag, als er zur Partie vom Freitag sagte:

"Dortmund hatte am Anfang schon einige einfache Ballverluste, aber die konnten wir nicht nutzen. Wir haben sie vorher analysiert und wussten, wo wir ihnen wehtun können. Aber letztlich haben wir ihrer Dreierkette überhaupt keine Probleme bereitet."

Erwartung: Zeichen der Zuversicht

So federleicht über die Runden werden die Schwarz-Gelben gegen Paris nicht kommen. Doch seit dem fast perfekt umgesetzten Plan ihres Trainers gegen die Eintracht sehen sie sich für die große Aufgabe zumindest gewappnet. Bezeichnend: Als Hummels ("Das war kein zu Null der Abwehr, das war ein zu Null der Mannschaft“) beim Stand von 3:0 einen seiner weiten Pässe nach vorne spielen wollte, drückte Favre an der Seitenauslinie beide Handflächen vehement nach unten – und signalisierte damit: Wir spielen heute bis zur letzten Sekunde andante statt forte.

"Wir wussten, dass wir uns verbessern müssen. Diesmal waren wir von Anfang an sehr konzentriert, haben wenig zugelassen. Das 4:0 ist schon ein gutes Zeichen“, blickte Piszczek dem Duell gegen Paris ebenso zuversichtlich entgegen wie Defensivkollege Hummels:

"Mit der Konzentration und Aktivität wie gegen Frankfurt – und dazu mit unseren Fans im Rücken – werden wir gute Chancen haben."

Der 31-Jährige versetzte sich anschließend noch kurz in die Köpfe der PSG-Akteure: "Die wissen auch, was sie hier erwartet“, – ehe er sich dezent korrigierte: "Sie wissen, was sie hier erwarten kann.“

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