FC Bayern: Auftakt in die Wochen der Wahrheit - London als Brustlöser?

Der FC Bayern München geht ein wenig verunsichert ins Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea. Wie gut sind die Bayern wirklich im internationalen Vergleich, wie stabil die zuletzt anfällige Defensive? London, zuletzt immer ein gutes Pflaster für die Münchner, wird nun zur Standortbestimmung - und im besten Fall zum Booster für die Bayern.

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Am Sonntag gab's erstmal Applaus. "Javi ist zurück auf dem Platz", verkündete Trainer Hans-Dieter Flick zu Beginn des Trainings und die Kollegen klatschten artig.
Pünktlich zur heißen Phase der Saison hat sich Javi Martínez beim FC Bayern München nach zweimonatiger Verletzungspause zumindest zum Mannschaftstraining zurückgemeldet.
Und auch, wenn der Spanier, den die Fans gerne ehrfürchtig "Maschinez" nennen, für das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Dienstag beim FC Chelsea (21:00 Uhr im Liveticker) nach seinem Muskelbündelriss noch keine ernsthafte Option ist - der Blick auf die Kaderliste schmerzt die Bayern längst nicht mehr so wie zu Rückrundenauftakt.

FC Bayern: London als gutes Pflaster

Was sich ganz gut trifft, geht es doch ab jetzt ums Eingemachte. Sprich: Titel. "Wir müssen zu hundert Prozent konzentriert und motiviert sein und unsere beste Leistung abrufen", fordert Kapitän Manuel Neuer deshalb von seinen Mitspielern mit Blick auf Dienstag.
London war in den vergangenen Jahren stets ein gutes Pflaster für die Bayern, gerade im Achtelfinale; gleich viermal setzten sie sich zwischen 2005 und 2018 in eben dieser Runde gegen ein und denselben Gegner, nämlich den FC Arsenal durch.
In der Gruppenphase dieser Saison gab es außerdem ein beeindruckendes 7:2 bei Tottenham Hotspur. Und beim Gedanken ans Finale von Wembley 2013 gegen Borussia Dortmund wird nach wie vor jedem Bayern-Fan warm ums Herz.

Bayern noch in der Findungsphase

"London liegt uns. Wir sind auf jeden Fall gerüstet", sagt Neuer deshalb optimistisch und glaubt nach 18 Punkten aus sechs Gruppenspielen auch an eine gewisse Ehrfurcht beim Gegner:
Eine Ergebniskrise hatten die Bayern zuletzt wahrlich nicht: zehn Siege gab es aus den vergangenen elf Pflichtspielen, nur das 0:0 gegen RB Leipzig vor zwei Wochen sticht negativ heraus.
Spielerisch sind die Bayern allerdings weiterhin in der Findungsphase, auf der Suche nach Balance. Und irgendwie auch nach einem dominanten Spiel als Aha-Erlebnis.

Chelsea als Standortbestimmung

Gegen Mainz (3:1), Hoffenheim im Pokal (4:3), Leipzig (0:0) und Köln (4:1) misslang jedenfalls zuletzt jeweils nach gutem Beginn die zweite Hälfte. Beim 3:2 gegen Paderborn überzeugte Bayern dagegen nur in der Schlussphase, nachdem man sich vom Bundesliga-18. zweimal den Ausgleich hatte einschenken lassen.
"Fehler werden auch in der Bundesliga knallhart bestraft", musste Joshua Kimmich entsprechend feststellen: "Wenn wir nicht an unser Limit rankommen, können wir gegen jeden Gegner Probleme bekommen – auch wenn es der Tabellenletzte der Bundesliga ist."
Wovon der FC Chelsea dann doch ein gutes Stück entfernt ist. London dient also nun als Standortbestimmung.
In allen drei Wettbewerben trachten die Bayern nach Titeln, realistisch sind wie so oft Meisterschaft und DFB-Pokal - aber wie steht's in der Champions League? Sind die Bayern dort noch zum Äußersten fähig? Titelkandidat? Aktuell eher nur im erweiterten Kreis.

Chelsea nur mittelprächtig in Form

"Es wird ein schwieriges Spiel", meint Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der als Bayern-Spieler 2004/05 im Viertelfinale an den Blues gescheitert war (2:4, 3:2). "Es ist eine heiße Atmosphäre, wenn die Zuschauer kommen", sagte er aus Erfahrung.
Kimmich hob derweil den "guten Mix" im Kader der Londoner hervor. Trainer Frank Lampard, 2005 übrigens mit zwei Treffern im Hinspiel in einem im Rückspiel tatkräftig am Bayern-Aus beteiligt und Kapitän der 2012er "Finale-dahoma"-Partycrasher, habe "ein paar junge und auch ein paar gestandene Spieler", in Summe mit einem "ganz guten Tempo nach vorne".
Der FC Chelsea befindet sich allerdings auch im Umbruch, ist in der Premier League kein Titelkandidat. Die Pflichtspielbilanz der vergangenen Monate ist mit zehn Siegen, fünf Remis und acht Niederlagen höchst durchwachsen.

Intensives Spiel erwartet

So gab's in der Gruppenphase auch nur Platz zwei hinter dem FC Valencia - ausschlaggebend, dass Chelsea nicht schon scheiterte, war letztlich ein verrücktes 4:4 zuhause gegen Ajax Amsterdam.
Respekt schwingt bei den Bayern schon mit, wenn David Alaba sagt, dass er ein "sehr intensives Spiel zwischen zwei Mannschaften mit hoher Qualität" erwartet: "Es wird mit Sicherheit interessant."
Etwas ungewöhnlich ist, dass die Bayern am Montag aufs Abschlusstraining an der Stamford Bridge verzichten. Stattdessen wird vormittags noch an der Säbener Straße trainiert, der Bayern-Flieger hebt erst um 15 Uhr gen London ab.
Gehaust wird diesmal nahe am Trafalgar Square, wo die Nelsonsäule an den Sieg in der Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 erinnert: Vizeadmiral Horatio Nelson fiel damals in der Seeschlacht - sein Sieg vereitelte jedoch Napoleons Pläne für eine Invasion der britischen Inseln.
Ob das ein gutes Omen ist?
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