Unterschiedlicher könnten die Bilder und Aussagen kaum sein.

Während die PSG-Stars nach ihrem Halbfinalsieg tanzend ins Teamhotel einzogen und ihr Trainer Thomas Tuchel von "unbeschreiblichen" Emotionen und einem "Hammer" schwärmte, war Bayern-Coach Hansi Flick "im Großen und Ganzen happy" und Party-Szenen suchte man bei den Bayern vergebens.

Champions League
Effenberg vor Finale gegen PSG: Auf diesen Bayern-Spieler kommt es an
21/08/2020 AM 06:57

Gemein ist beiden Teams aber der schier bedingungslose Wille, mit aller Kraft die Krone in Europas Fußball zu erobern. Ob es die Bayern sind, die gegen den FC Barcelona immer weiter nach Toren gieren oder Paris Saint-Germains Superstars, die noch in der Schlussphase gegen Leipzig trotz klarer Führung in der Defensivarbeit ackern - der Biss, der Hunger, der Einsatz sind in beiden Fällen beeindruckend.

FC Bayern: "Keine Angst vor niemandem"

Dieser absolute Wille eint beide Finalisten und verspricht für die Partie am Sonntag (ab 21:00 Uhr im Eurosport-Liveticker) im Estádio da Luz nicht nur Fußball-Feinkost von Zauberfüßen, sondern auch einen echten Fight.

"Wir haben vor niemandem Angst", stellte Frankreichs Weltmeister Benjamin Pavard vor dem Duell mit der gefürchteten PSG-Offensive aus Landsmann Kylian Mbappé, Angel Di Maria und Neymar schon vorweg klar.

Mit dieser Siegermentalität beeindrucken die Bayern schon seit Monaten ununterbrochen. Nix Dusel, kein Dienst nach Vorschrift – dieses Team will immer gewinnen und tritt entsprechend aufs Gas. Auch wenn man in der Liga schon längst Meister ist, auch wenn ein Hinspiel schon 3:0 gewonnen wurde oder man zur Halbzeit 4:1 gegen Barcelona führt. Die inzwischen 20 Pflichtspielsiege in Serie sind der ultimative Beweis.

PSG - FC Bayern: Gigantenduell im Finale der Champions League

Fotocredit: Getty Images

Gleichzeitig dürften die Schwächen der Bayern in der Anfangsphase gegen Lyon die Sinne genau rechtzeitig zum Finale noch einmal geschärft haben. Ein drittes Mal in Folge werden sich die Münchener in Portugal kaum so anfällig in den ersten Minuten eines Spiels zeigen.

PSG: "Hungrig aufs Siegen und bereit zu leiden"

Die Bilanz bei PSG ist weniger glanzvoll, aber auf ihre Weise klarer Ausdruck der bei Paris neuen Mentalität. Der Weg ins Finale von Lissabon war holpriger - gegen Bergamo stand PSG schon vor dem Aus – und auch die beiden Siege in Frankreichs Pokalfinals nach dem Lockdown eher schwere Kost als Sterneküche. Doch genau diese großteils mit Energieleistungen erzwungenen Triumphe haben PSG in seiner Version 2.0 geformt und geprägt.

Man sei "hungrig aufs Siegen und bereit zu leiden", fasste es Tuchel nach dem Halbfinale gegen RB zusammen.

"Hungrig aufs Siegen und bereit zu leiden": Tuchel lobt PSG

Statt mit Grüppchenbildung und Starallüren für Schlagzeilen zu sorgen, besticht PSG inzwischen als entschlossenes Kollektiv. Wer Neymar und Mbappé im Finalturnier mit vollem Einsatz auch in der Rückwärtsbewegung gesehen hat, zweifelt nicht mehr an der Metamorphose der Pariser Equipe.

WER GEWINNT DIE CHAMPIONS LEAGUE?

Sagnol warnt Bayern: "Schmaler Grat zur Arroganz"

Derweil zeigte sich der noch immer als Gradmesser für Willen unangefochtene Oliver "weiter, immer weiter" Kahn von der Besessenheit der Bayern 2020 beeindruckt, besonders weil diese nicht als Reaktion auf Tiefschläge wie die verlorenen Finals 1999 und 2012 entstanden sei: "Solche negativen Erfahrungen hat unsere aktuelle Mannschaft nicht. Sie ist einfach motiviert von dem Gedanken, immer besser werden zu wollen und das zeichnet eine große Mannschaft aus."

Gleichzeitig warnte der Triumphator von 2001 vor dem Gegner, die Favoritenrolle ist längst nicht so eindeutig verteilt wie noch beim deutsch-französischen Duell im Halbfinale.

Kahn warnt Bayern vor PSG: "... dann knallt's meistens"

Und Kahns früherer Abwehrkollege Willy Sagnol sieht im Selbstbewusstsein der Bayern auch ein Risiko. "Ihre Stärke ist gleichzeitig ihre Schwäche – nämlich das Gefühl von Dominanz. Dieses Selbstbewusstsein, diese Sicherheit, das steckt in der Bayern-DNA. Aber der Grat zwischen Dominanz und Arroganz ist schmal und gegen Lyon sind genau aus solchen Momenten Chancen für den Gegner entstanden", sagte er "So Foot".

Ob also am Ende das bayerische "Mia san mia" oder der fürs Finale ausgegebene PSG-Slogan "We are Paris" zum siegreichen Schlachtruf in der Nacht von Lissabon wird, dürften letztlich Tagesform und Taktik entscheiden.

Doch sollte der Final-Coup dann gelingen, wird diesmal auch bei den Bayern endlich hemmungslos gefeiert werden. Kingsley Coman jedenfalls kündigte vor dem Duell mit seinem einstigen Verein schon vielsagend an: "Den richtigen Jubel bereiten wir fürs Finale vor!"

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