PSG - BVB | Wie Borussia Dortmund mit leerer Tribüne umgeht

Für Borussia Dortmund geht es im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain um viel. Neben dem französischen Meister ist nun aber noch ein weiterer Gegner aufgetaucht: das leere Stadion. Dass die Partie wegen der Coronakrise zurecht ohne Zuschauer ausgetragen wird, ist das bestimmende Thema rund um die Reise des BVB-Trosses zu PSG.

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Eins vorweg: Das Spiel zwischen PSG und BVB im Pariser Prinzenpark-Stadion (21:00 Uhr im Liveticker) ohne Zuschauer auszutragen, ist ebenso richtig wie alternativlos. Darin sind sich Aktive, Medienvertreter und Funktionäre einig.
Dennoch - und das ist der springende Punkt - ist durch die ungewohnte Situation eine weitere Variable entstanden, die das Duell der beiden Spitzenklubs maßgeblich beeinflussen könnte. Diesen Eindruck jedenfalls kann man gewinnen, hört man sich die Einschätzungen vieler Beteiligter an.

Kreisklassen-Flair in der Champions League

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", meinte BVB-Torhüter Roman Bürki nach dem Abschlusstraining in der leeren Arena und schob fast desillusioniert nach, am Mittwoch werde es ähnlich sein: "Nur dass noch ein Gegner auf dem Platz steht, der auch gewinnen will."
Für die Spieler scheint eine Umstellung von der gewohnten Atmosphäre mit mehreren 10.000 schreienden Menschen hin zu einem Kreisklassen-Sportplatz-Flair nicht einfach zu sein. Bürki hätte sich in diesem Zuge eine frühere Entscheidung gewünscht:

Kehl und Favre versuchen Spieler zu beruhigen

Für die Borussia geht es um jede Menge, das Spiel ist enorm wichtig, die Ausgangslage gut. Nun wirbelt ein äußerer Einfluss den gewohnten Ablauf durcheinander. Die Verantwortlichen versuchen händeringend, die Gedanken ihrer Spieler auf das Wesentliche zu lenken - das Geschehen auf dem Platz.
Als Leiter der Lizenzspielerabteilung ist Sebastian Kehl nah am Team. "Es wird eine ganz komische Atmosphäre im Stadion herrschen. Das fühlt sich manchmal an wie so ein Abschlusstraining", erklärt er. Und weiter:
Ähnlich beschreibt es Trainer Lucien Favre. Er will sein Team auf die neue Situation einstellen, mental fit machen. "Wir müssen uns darauf vorbereiten. Du hast keinen Lärm, keine Stimmung im Stadion." Dann tippt er sich an die Stirn:

Favre hat "keine Lust"

Fußball wird nicht nur mit den Füßen gespielt. Ein Großteil des Spiels findet zwischen den Ohren statt. Dem ist sich Favre bewusst. Um seiner Mannschaft aber eine angemessene Einstellung vorzuleben, muss der Schweizer auch sich selbst überlisten, wie er kurz vor dem Abflug nach Paris verriet:
Lust auf das Viertelfinale wird Favre am Mittwochabend sicher verspüren, seine Spieler ebenfalls. Die Kunst wird sein, sich nicht von der außergewöhnlichen SItuation ablenken zu lassen. Immerhin gilt sie für beide Mannschaften. Gastgeber PSG - mit dem früheren BVB-Trainer Thomas Tuchel - muss auf den Heimvorteil verzichten. Allerdings wird auch keine störende Unruhe aufkommen.

Dortmund wird Fans vermissen

Doch auch der BVB wird den Support vermissen. "Wir sind so gewöhnt an unsere Fans, auswärts und zuhause. Es wird nicht das Gleiche sein", meint Favre:
Welche Mannschaft besser den inneren Schalter umlegen kann, wer besser mit den sehr widrigen Umständen klar kommt, wird sich wohl durchsetzen.
Lucien Favre hat eine solche Situation als Trainer immerhin schon einmal erlebt. Am 19. April 2001 fand sein Gastspiel mit Servette Genf beim FC Sion ohne Publikum statt. Favres Team holte ein 1:1. Das würde in Paris reichen.
"Die Situation ist für den Fußball insgesamt nicht gut. Wir nehmen sie jetzt aber an und akzeptieren sie." Bürki verspricht: "Wir versuchen, das Beste herauszuholen und unsere Fans, die uns zuhause vorm Fernseher die Daumen drücken, trotzdem zum Feiern zu bringen, indem wir eine Runde weiterkommen – ganz egal wie...“
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