Dass es nicht leicht ist, Erling Haaland nach einem Fußballspiel des BVB lobende Worte zu entlocken, das hat der Norweger in jüngerer Vergangenheit schon des Öfteren bewiesen. Doch in Sevilla war Haaland im Interview mit "DAZN" für seine Verhältnisse geradezu in Plauderlaune.
"Ich bin stolz auf den Sieg", sagte der 20-Jährige, der seine Mannschaft noch am vergangenen Wochenende scharf kritisiert hatte.
Mit dem 3:2-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League ist es Borussia Dortmund nach der Verpflichtung von Marco Rose als neuem Cheftrainer (ab Sommer 2021) gelungen, auch sportlich wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.
Champions League
BVB mit Trotzreaktion in Sevilla: "Die Jungs haben sich zerrissen"
17/02/2021 AM 23:24
"Wir haben uns belohnt, die Mannschaft hat es von Anfang bis Ende sehr gut umgesetzt. Wir haben eine überragende Teamleistung gesehen", zeigte sich Übergangscoach Edin Terzic bei "Sky" begeistert.
Nach den teilweise blutleeren Auftritten zuletzt in der Bundesliga zeigte sich der BVB in Sevilla urplötzlich wieder von seiner Schokoladenseite. Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Dortmunds Mann für die großen Nächte

Die Königsklasse ist und bleibt der Wettbewerb des Erling Haaland. Schon in der Gruppenphase hatte der junge Norweger in vier Spielen sechs Mal getroffen, in Sevilla ließ er zwei weitere Tore folgen.
Mit gerade einmal 20 Jahren hat Haaland schon mehrfach bewiesen, dass er ein Mann für die großen europäischen Nächte ist. Die Rekorde purzeln reihenweise. Mittlerweile steht der Torjäger bereits bei imposanten 18 Treffern. Keinem Spieler vor ihm gelangen in seinen ersten 13 Champions-League-Einsätzen mehr. Weder Cristiano Ronaldo, noch Lionel Messi – und auch nicht Kylian Mbappé.
"Ich habe vor dem Spiel viel mit Edin (Terzic, Anm. d. Red.) gesprochen", verriet Haaland nach der Partie: "Er hat gesagt, heute würde mein Spiel werden und ich würde meine Chancen bekommen. Und genau so war es. Das war ein sehr wichtiger Sieg."
Dortmund schaffte es im Gegensatz zu den vergangenen Wochen wieder, den gewohnten Turbo-Fußball bei Kontern umzusetzen und Haaland mit schnellen Kombinationen und Bällen in die Tiefe in Abschlusssituationen zu bringen.
Seinen Treffer zum 2:1 leitete der Norweger selbst ein, indem er mit einem Tempolauf die erste Verteidigungslinie der Sevillistas überspielte und sich nach feinem Doppelpass mit Jadon Sancho wieder in Position brachte.
Haalands zweitem Tor ging ein Bilderbuch-Konter nach starker Balleroberung von Marco Reus voraus, nach der die Dortmunder Offensiv-Spieler perfekt ausschwärmten.
Sevillas Abwehr, die zuvor sieben Pflichtspiele in Folge ohne Gegentreffer geblieben war, wurde in der ersten Halbzeit geradezu überrumpelt.
"Es tut gut, zwei Tore zu schießen", meinte der spätere Man of the Match, der allerdings sofort wieder den Erfolg für die Mannschaft in den Vordergrund stellte: "Die drei Auswärtstore sind wichtiger."

Doppelpack gegen Sevilla: Terzic erklärt den Haaland-Matchplan

2. Perfekter Plan – perfekte Umsetzung

Es hatte schon fast etwas Unheimliches, wie präzise Edin Terzic den Spielverlauf vorausgesagt hatte. Nicht nur im Bezug auf Haaland, auch auf den Gegner.
"Sevilla ist eine ballbesitzorientierte Mannschaft, die den Gegner versucht aus der Position zu locken, um sich dann das Zentrum zu öffnen", hatte der 38-Jährige vor Beginn der Partie im Interview erklärt und seine Mannschaft perfekt darauf eingestellt.
Statt der gewohnten Doppelsechs setzte Terzic gegen den Tabellenvierten der spanischen La Liga auf ein Dreiermittelfeld bestehend aus Emre Can, Mahmoud Dahoud und Jude Bellingham, die den Kreativen im Mittelfeld von Sevilla das Leben ungemein schwer machten.
"Die erste Hälfte ist abgesehen vom frühen Gegentor genauso gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", analysierte Kapitän Reus: "Wir standen sehr kompakt, ein bisschen tiefer wie sonst. Dafür hatten wir gute Balleroberungen und haben schnell nach vorne gespielt."
Gerade Dahoud und Bellingham erfüllten ihre Rolle als Teil der Kette bravourös, indem sie immer wieder in den richtigen Momenten auf der ballnahen Seite nach vorne pressten und Sevilla im Spielaufbau störten. "Wir haben uns sehr gut gecoacht", identifizierte Dahoud später als Schlüssel des Erfolgs.
Auch wenn die laufintensive Taktik in der zweiten Hälfte ihren Tribut forderte und Dortmund die ein oder andere Chance zuließ, darf sich Terzic, der zuletzt ebenfalls in die Kritik geraten war, diesen Sieg ans Revers heften.

3. Dahoud bricht den Bann und nutzt seine Chance

Apropos Dahoud. Weil Thomas Delaney sein erstes Kind erwartet und deshalb nicht mit nach Andalusien reisen konnte, durfte der 25-Jährige nach zwei Kurzeinsätzen gegen Hoffenheim und in Freiburg diesmal von Beginn an ran – und wusste dabei nicht nur defensiv zu überzeugen.
"Es fühlt sich sehr gut an, dass es mir nach langer Zeit mal wieder gelungen ist, ein Tor zu schießen", freute sich der Mittelfeldspieler über seinen traumhaften Treffer in der 19. Minute, der für den BVB nach frühem Rückstand (7.) die Wende einleitete.
"Dass ich den Ausgleichstreffer gemacht habe, hat uns nach vorne gebracht. Mit dem Tor hatten wir mehr Energie", erklärte Dahoud, der zuletzt am 26. August 2018 für die Borussia getroffen hatte.
Sechs gewonnene Bälle und drei erfolgreiche Tackles (beides Bestwerte beim BVB) rundeten einen starken Auftritt des Ex-Gladbachers ab, der sich nach dieser Leistung sicher Einsatzchancen fürs Revierderby am Samstag auf Schalke ausrechnen darf.
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