Aus. Ende. Vorbei. Am Dienstagabend schied der FC Bayern München trotz eines 1:0-Sieges im Pariser Prinzenpark im Viertelfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain aus.
Die Bürde aus dem Hinspiel, das man trotz drückender Überlegenheit mit 2:3 verlor, war zu groß, die verbliebene Substanz des ausgedünnten Rumpfkaders letztlich nicht ausreichend.
Das tut weh. Denn dass die Münchner im Vollbesitz ihrer Kräfte den Kader gehabt hätten, den Titel in der Königsklasse zu verteidigen, steht außer Frage.
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So aber markiert das Aus im Viertelfinale nicht allein das Ende einer insgesamt 21 Spiele andauernden, nur eine Niederlage beinhaltenden Reise durch Europa. Nein, in München deuten sich viel tiefere Einschnitte an.

Flick zum DFB: Anzeichen verdichten sich

Über allem steht die Frage, wie es nach Saisonende für Triple-Trainer Hansi Flick weitergeht. Seit Wochen diskutieren Experten und Journalisten, löchern den 56-Jährigen auf den Pressekonferenzen mit den immer gleichen Fragen.
Seit Bundestrainer Joachim Löw angekündigt hat, sein Amt nach der EM im Sommer niederzulegen, gilt Flick als Topkandidat für dessen Nachfolge. Und diese wird er mit großer Wahrscheinlichkeit auch annehmen.

Hansi Flick vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

"Beim DFB steht Flick ganz oben auf der Liste und dann lange nichts. Der DFB will Hansi Flick. Das Spiel gegen Augsburg wird sein letztes als Trainer des FC Bayern werden", sagte sein langjährige Weggefährte, ehemaliger Nachbar und heutige "Sky"-Experte Lothar Matthäus am Mittwochabend mit Bestimmtheit.
Die Verantwortlichen beim FC Bayern seien sich der Situation bewusst, hätten sich auch schon mit Julian Nagelsmann von RB Leipzig über eine mögliche Nachfolge unterhalten - "auch schon über wirtschaftliche Dinge, soviel man weiß".

Flicks vielsagendes Statement

Flick selber wollte, sichtlich gezeichnet von der Enttäuschung des Abends, zunächst nicht über seine Zukunft sprechen, holte dann aber zu einem über vierminütigem Statement aus, das zwischen den Zeilen einiges preisgab.
Es gehe für Flick darum, "immer wieder alles zu bewerten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Da habe ich natürlich auch meine Vorstellungen", sagte Flick, der damit erneut andeutete, wie kompliziert das Verhältnis zwischen ihm und Sportvorstand Hasan Salihamidzic geworden ist.
Eine Beziehung, die eine Erfüllung seines bis 2023 laufenden Vertrags an der Säbener Straße für Flick unmöglich macht. Vor allem unter der Prämisse, dass es die Chance gibt, den Once-In-A-Lifetime-Job des Bundestrainers zu übernehmen und er dafür einen Verein verlässt, mit dem er jeden erdenklichen Titel bereits gewonnen hat.

Salihamidzic verliert den "Flick-Puffer"

Dass ein Abgang Flicks die schwelende Debatte um die Kader-Qualität, für die letztlich Sportvorstand Salihamidzic verantwortlich ist, abklingen lässt oder gar beendet, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil.
Mit Flick ginge der "Puffer" von Bord, der Salihamidzic in gewisser Weise schützt. Die offenkundigen Dissonanzen zwischen beiden Führungspersönlichkeiten dienten in den vergangenen Wochen und Monaten hie und da als Rechtfertigung für sichtbare Leistungsdellen.

Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic

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"Jeder weiß, dass die Mannschaft qualitativ letztes Jahr besser war", sagte Flick kürzlich - eine Aussage über die sich vortrefflich streiten lässt. Ohne Flick ginge das nicht mehr, Kritik am Kader würde ohne Umschweife direkt auf dem Schreibtisch Salihamidzics abgeladen.

FC Bayern: Kader wird weiter an Qualität verlieren

Die bevorstehenden Abgänge von Leistungsträgern wie David Alaba und Jérôme Boateng, dem Salihamidzic noch vor dem Hinspiel gegen PSG einen Abschied "durchs große Tor" versprach, werden kurzfristig dafür sorgen, dass der Kader weiter an Qualität verliert. Zumal sich neben Dayot Upamecano, der für 40 Millionen Euro von RB Leipzig an die Isar wechselt, keine weiteren Blockbuster-Transfers andeuten.
Außerdem werden die Säulen des Teams, Manuel Neuer, Thomas Müller und auch Robert Lewandowski, nicht jünger. Zwar merkt man ihnen ihr Ü30-Alter rein spielerisch nicht wirklich an, eine Verletzung wie die von Weltfußballer Lewandowski könnte aber schon ein erster Hinweis auf die Vergänglichkeit des eigenen Fußballerlebens sein. Auch der robusteste Körper muss eben den jahrelangen Extrembelastungen des Leistungssports irgendwann Tribut zollen.
Dem FC Bayern, das ist klar, steht ein ereignisreicher Sommer bevor. Einer, in dem es vermutlich "nur" die Meisterschaft zu bejubeln, dafür aber tiefe Einschnitte zu verkraften gibt.
Ein Julian Nagelsmann alleine wird da nicht ausreichen.
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