FC Bayern wackelt, aber fällt nicht: 3 Dinge, die auffielen

Der FC Bayern München bekleckert sich beim 2:1 in der Champions League bei Lok Moskau nicht mit Ruhm, hält die Siegesserie in der Königsklasse aber aufrecht. Neben Matchwinner Joshua Kimmich fallen eine taktische Marschroute von Trainer Hansi Flick und eine nachlässige Defensivleistung auf. Corentin Tolisso nutzt derweil die sich ihm gebotene Chance - Kingsley Coman im doppelten Sinne nicht.

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Hans-Dieter Flick sah zufrieden aus - trotz oder gerade wegen aller Umstände.
"Es war ein Arbeitssieg, 'dreckig' kann man auch dazunehmen", stellte der Trainer des FC Bayern München nach dem 2:1 beim FC Lokomotive Moskau in der Champions League klar.
Joshua Kimmich hatte den Sieg erst spät (79.) mit einem sehenswerten Fernschusstor sicher gestellt.
"Es war ein Arbeitssieg und auf jeden Fall nicht unser bestes Spiel", urteilte auch der "Man of the Match", der wie schon beim 4:0 gegen Atlético Madrid im Mittelfeld den Unterschied ausgemacht hatte.
Was uns beim Bayern-Sieg in Moskau sonst noch auffiel:

1.) Bayern wackelt, aber fällt nicht

15 Schüsse in Richtung Tor von Manuel Neuer, nur 43 Prozent der Zweikämpfe gewonnen - nicht gerade beeindruckende Kennzahlen, die Bayern in Moskau auflegte.
Obwohl hinten mit der derzeitigen Idealbesetzung – Pavard, Süle, Alaba, Hernández vor Neuer – angetreten, bereitete den Münchnern die eigene Defensivleistung in der zweiten Halbzeit Kummer. "Wir hatten in einigen Situationen wirklich Glück", sagte Joshua Kimmich.
Zu oft kam Moskau zu leicht durch die erste Pressinglinie der Münchner und schaffte es dann relativ einfach, mit langen Bällen hinter die Kette zu spielen und Bayerns Verteidiger ins Rennen zu bringen. "Damit haben sie uns schon das eine oder andere Mal weh getan, weil wir unnötige Meter laufen mussten", urteilte Trainer Hans-Dieter Flick.
Beim 1:1 durch Anton Mirantschuk (70.) unmittelbar nach einer Bayern-Auswechslung hob zunächst Süle das Abseits auf und orientierte sich dann richtig nicht zum Mann. "Bei dem Tor haben wir nicht so die Linie gehalten, wie wir das normal machen", analysierte Flick: "Das sind Dinge, die wir besser machen müssen."
Kimmich fühlte sich sogar an das 1:4 bei der TSG Hoffenheim erinnert - das einzige Spiel, dass die Bayern seit Februar nicht gewannen.
Kurz nach dem 1:1 hätte Zé Luís das Spiel nach einem weiteren Konter sogar beinahe vollends auf den Kopf gestellt (77.) – und das obwohl Joshua Kimmich (57.) und Kingsley Coman (69.) zuvor längst das 2:0 für Bayern hätten machen müssen. Zudem hatte der VAR den Bayern zu allem Überfluss einen Elfmeter an Robert Lewandowski wegen einer Abseitsposition aberkannt (64.).
Es passt aber zu den Bayern im Jahr 2020, dass sie sich von diesen Rückschlägen nicht unterkriegen ließen und ihrerseits nochmal nachlegten (2:1 Kimmich, 79.). "Wir glauben immer an uns", sagte Kapitän Manuel Neuer: "Dieser Spirit ist in der Mannschaft. Wir können uns aber nicht nur darauf verlassen." Sollten sie auch nicht.

2.) "Variante Hansi" führt zum Erfolg

Der Matchplan der Bayern gegen ein recht tief agierendes Moskau war klar: Breite. Mit Corentin Tolisso als Zehner hatte die Flick-Elf eine Verteilstation mehr, die Bayerns Außen mit Spielverlagerungen einsetzen konnte.
Weil Thomas Müller als "falsche Sieben" selten den rechten Flügel hielt, sah die "Variante Hansi" oft so aus: Die Münchner bauten über links den Angriff auf, spielten dann aber scharf einen zentralen Mittelfeldspieler an, der wiederum Rechtsverteidiger Benjamin Pavard in dem von Müller geöffneten Raum hinter der Lok-Kette bediente.
"Das ist ein Mittel, um gegen tiefstehende Gegner zu spielen. Das haben wir das ein oder andere Mal sehr gut gemacht", sagte Flick.
Das 1:0 war dafür ein Musterbeispiel: Tolisso verlagerte dort das Spiel mit einem scharf gespielten Flugball auf Pavard, der direkt in die Mitte auf den Kopf von Leon Goretzka servierte – Tor (13.). "Das 1:0 war sensationell gut rausgespielt", freute sich Flick.
Kurz darauf hätte der "Hansi-Angriff" (O-Ton "DAZN"-Experte Sandro Wagner) beinahe das 2:0 gebracht. Nach nahezu identischem Aufbau über Tolisso und Pavard traf Kingsley Coman im Zentrum aber nur den Pfosten (25.).
In der zweiten Halbzeit forcierten die Bayern Plan A nicht mehr ganz so oft beziehungsweise stellte sich Moskau besser darauf ein. Dennoch blieb die rechte Seite mit dem verkappten Rechtsaußen Pavard die gefährlichere Seite.

3.) Tolisso nutzt seine Chance – Coman nicht

Beim 4:0 gegen Atlético Madrid war Kingsley Coman mit zwei Toren und einem Assist noch der überragende Mann. "Das ist jetzt die Messlatte, an der er gemessen wird", hatte Flick danach gesagt.
Gegen Moskau riss Coman diese Latte. Auf dem linken Flügel oft angespielt, ließen es die Hereingaben des Franzosen an Genauigkeit vermissen.
Selbst abschließend verpasste er freistehend zweimal das 2:0 (25./69.) und wurde schließlich direkt nach seiner zweiten vergebenen Chance gegen Douglas Costa ausgewechselt (70.).
Der konnte in den letzten 20 Minuten zwar noch weniger überzeugen, Comans direkter Konkurrent um den 1A-Platz auf dem linken Flügel ist aber eh Leroy Sané, dem Flick in Moskau nach dessen Comeback am Wochenende nochmal 90 Minuten Verschnaufpause gab und nicht von der Bank brachte.
Mit Blick auf das Top-Spiel am 7. November bei Borussia Dortmund konnte Coman also keine Werbung für sich machen – anders als Corentin Tolisso, den Flick zuletzt bereits öffentlich lobte und auch in Moskau wieder von Beginn an aufstellte.
Als Zehner kommen Tolissos Stärken – Pässe ins Angriffsdrittel, Bewegungen zwischen den Linien, Aufrücken in Abschlusspositionen, Kopfbälle – naturgemäß besser zum Tragen als auf der Sechser-Position. Nicht zufällig war der Franzose in Moskau auch in einige Staffetten vor Bayern-Großchancen eingebunden, der 26-Jährige initiierte mit seinem Pass auf Pavard auch klug das 1:0 (13.).
Tolissos Problem: Die Zehnerposition ist nur dann vakant, wenn Müller mal Pause bekommt oder auf den rechten Flügel ausweichen muss, wenn dort das Personal knapp ist – wie in Moskau, wo Flick den vorzeitig aus der Corona-Quarantäne entlassenen Serge Gnabry erst zur zweiten Halbzeit für Müller brachte. Jobsharing á la Bayern.
Dessen beste Szene – Direktvorlage auf Kimmich – ließ der spätere Siegtorschütze jedoch jämmerlich liegen. Immerhin schämte sich Kimmich dafür standesgemäß.
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