“Es war surreal", sagte Jude Bellingham kürzlich in einem Interview mit "FourFourTwo" über seine ersten Eindrücke beim BVB nach seinem Sommertransfer. "Ich habe gedacht: 'Oh mein Gott, da ist Mats Hummels, ein Weltmeister. Einer, der im Fußball alles erreicht hat. Und da ist Jadon Sancho, da ist Marco Reus'. Alles Fußball-Ikonen."
Eine Fußballikone ist der junge Engländer zwar noch nicht, seine Mitspieler dürften ihn mittlerweile aber ebenfalls erkennen - und vor allem: anerkennen. Auf der Insel galt Bellingham bereits zu seiner Zeit in der 2. englischen Liga bei Birmingham City als größtes englisches Talent der letzten 20 Jahre. Spätestens als er dem Klub seiner Jugend als Stammspieler und Leistungsträger mit gerade einmal 16 Jahren zum Klassenerhalt verhalf.
Seit seinem bärenstarken Auftritt im Etihad Stadium im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester City (1:2) kennt ihn nun auch der Rest der Fußballwelt. Bellingham war trotz seines jungen Alters der beste Mann auf dem Feld, überzeugte mit schier unbändiger Energie, Galligkeit (14 geführte Zweikämpfe, Topwert) (und Präzision im Passspiel (88 Prozent Passquote).
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Dass sein vermeintlicher Treffer zum 1:1 von Schiedsrichter Ovidiu Hategan nicht anerkannt wurde, trübte den Auftritt des Supertalents keineswegs.

Terzic lobt Bellingham: "Lässt ihn alles kalt"

Besonders erfreulich aus Dortmunder Sicht: Bellinghams Auftritt in der alten Heimat war kein Einzelfall, sondern einer von vielen guten in dieser Saison.
"Jude war ein wichtiger Teil in den letzten Wochen. Er spielt aktuell in einer sehr guten Form - eigentlich schon die ganze Saison", lobte sein Trainer Edin Terzic nach dem 3:2-Sieg in Stuttgart, bei dem der Youngster sein erstes Bundesligator erzielte. "Sein Alter, die Corona-Situation und den Fakt, dass er sein erstes Jahr im Ausland spielt - das lässt ihn alles kalt", schwärmte Terzic weiter und hob die Wichtigkeit des Youngsters deutlich hervor:
"Er spielt jedes Mal mit 100 Prozent auf dem Platz, er wird immer stärker für uns in allen Phasen. Sowohl in der Defensive, wo er ganz viele Bälle erobert, als auch in der Offensive, wo er immer mehr Situationen einleitet. Heute hat er sich in der Bundesliga mit seinem ersten Tor belohnt. So darf es gerne weitergehen."

Terzic adelt "herausragenden" Bellingham

In Sachen Einsatz- und Laufbereitschaft darf man sich fast sicher sein, dass es für Bellingham so weitergeht. Seine Art, Fußball zu spielen, wirkt nicht aufgesetzt, sondern instinktiv. Bellingham kann nicht vom Gaspedal, seine Energiereserven scheinen größer als die der meisten anderen Spieler. Schaut man sich die Verbissenheit in seinem Blick an, könnte man auf die Idee kommen, dass er auch auf mentaler Ebene genau das ist, was beim BVB so oft zu fehlen scheint.
Genau wie es Erling Haaland nachgesagt wird, verkörpert Bellingham exakt jene Eigenschaft, die das Dortmund der Zukunft zwingend braucht. Nämlich den absoluten Willen, in jedem Spiel an die Leistungsgrenze zu gehen. Oder mit anderen Worten: Was Joshua Kimmich für die Bayern ist, könnte Bellingham für Dortmund werden.

Bellingham nähert sich rasant dem Leistungsträger-Status

Dass es bei Bellingham nicht die Champions-League-Hymne braucht, damit dies geschieht, kann man Woche für Woche in der Bundesliga sehen. Zuletzt beim Auswärtsspiel in Stuttgart. Nach einer schwachen ersten Hälfte war es der 17-Jährige, der kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich erzielte und den BVB so aufweckte. Am Ende reichte es dank des 19-jährigen Ansgar Knauff zu einem knappen 3:2-Sieg.
"Normalerweise bin ich über so etwas überrascht. Aber in Dortmund ist das normal", kommentierte Thomas Delaney nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern den Fakt, dass den Dortmundern in der Mercedes Benz Arena zwei Teenager den Abend retteten.

Ansgar Knauff - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Dass Bellingham überhaupt in Dortmund spielt und nicht etwa bei einem größeren Klub, von denen durchaus einige an seiner Verpflichtung interessiert waren, liegt genau an dem von Delaney angesprochenen Punkt. Es gehört beim BVB eben seit Jahren zur Geschäftsidee, junge Spieler früh zu fördern und sie, wenn die Qualität stimmt, auch mit Verantwortung zu belegen.
Bei Bellingham funktioniert das von Woche zu Woche besser - mit großen Schritten nähert er sich dem Status, den er schon in Birmingham innehatte: Leistungsträger.

Auch Nationalcoach Southgate ist beeindruckt

Mit 17 Jahren und vier Monaten debütierte er deshalb kürzlich als drittjüngster Nationalspieler der Geschichte Englands. "Er hat Demut, aber auch Selbstvertrauen. Wir müssen uns um seine Ausbildung kümmern, aber er geht es schon mal richtig an", bestätigte Nationaltrainer Gareth Southgate den guten ersten Eindruck, den der Youngster bei den Three Lions hinterließ.

Gareth Southgate und Jude Bellingham

Fotocredit: Getty Images

Mit Sicherheit hatte man beim BVB erhofft, dass Bellingham früher oder später zum Leader mutiert und das Mittelfeld der Schwarz-Gelben einige Jahre prägt.
Dass er allerdings schon in seiner Debütsaison mehr oder weniger unverzichtbar wird, war nicht abzusehen und zeigt, was für ein besonderer Spieler Dortmunds Nummer 22 bereits ist.
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