Pep Guardiola hielt Marco Rose kurz am Arm fest - und dann plauderten die beiden Trainer einfach eine Weile.
Dass der eine, Rose, nach dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Manchester City in Budapest eigentlich von "DAZN" zum Interview erwartet wurde, störte dabei nicht weiter; so konnten die deutschen Zuschauer den beiden Trainern minutenlang beim fachsimpeln zusehen, wenn auch leider nicht zuhören.
Was geplaudert wurde? "Es ging ein bisschen ums Spiel, ein bisschen um Grundsätzliches", sagte Rose kurz darauf: "Er ist einfach ein guter Typ."
Champions League
Reaktionen zur Gladbach-Pleite: "Dann bist du in einer Art Teufelskreis"
24/02/2021 AM 23:44
Ein guter Typ mit einer ziemlich guten Mannschaft, die Gladbach mit Rose 2:0 besiegte und dabei wenige Möglichkeiten zuließ. Für ManCity war es außerdem der 19. Pflichtspielsieg in Serie.
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Drei Dinge, die uns auffielen.

1. ManCity zelebriert die Cancelo-Kultur

Unter Pep Guardiola scheint auch 2021 nichts unmöglich: Unter anderem, dass ein Linksverteidiger als Spielmacher agiert. João Cancelo jedenfalls befindet sich bei Manchester City schon seit Wochen in ausnehmender Form. Mit breiter Brust und viel Geschick denkt der Portugiese gar nicht dran, seinen Wirkungskreis nur auf die linke Außenbahn zu beschränken.
Gegen Gladbach sah man den 26-Jährigen oft ins zentrale Mittelfeld einrücken, wo er mit Rodri das Spiel der Citizens aufzog und die Borussen ordentlich Meter machen ließ. In der ersten Halbzeit spielte der Portugiese jedenfalls nur einen Fehlpass, in der gegnerischen Hälfte sogar gar keinen. Das Führungstor durch Bernardo Silva (29.) fiel folgerichtig auch nach einem Cancelo-Geistesblitz.
Die Wahrheit hinter der Cancelo-Kultur bei ManCity 2020/21 ist, dass die Guardiola-Elf insgesamt sehr fluide agiert. Dass eine europäische Spitzenmannschaft auf dem Papier 4-2-3-1 spielt, in Ballbesitz aber eigentlich 3-4-3 und gegen den Ball 4-4-2, ist dabei noch nicht mal eine bahnbrechende Neuigkeit; dass sich unter Guardiola dabei aber immer wieder auch einzelne Positionen ändern (siehe Cancelo), ManCity aber dennoch immer richtig zu stehen scheint und oft Überzahl in Ballnähe hat, macht das ganze hochkomplex und letztlich bewundernswert.
Der perfide Pep-Plan sorgt dabei oft gar nicht für ein Offensivspektakel; er ist genügsamer und konzentriert sich auf die hohe Kunst des Müdespielens – körperlich wie geistig. Diesen Stil haben die Citizens in den letzten Wochen perfektioniert (19 Siege in Folge bei nur sechs Gegentoren). Und das macht die Guardiola-Elf nun auch zum großen Favoriten auf den Titel.

2. Gladbach mit dem Kopf besiegt

Gladbachs Plan sah es eigentlich vor, ManCity durch eigenen Ballbesitz so weit wie möglich vom eigenen Tor wegzuhalten – das klappte maximal leidlich. Gegen den Ball machte es die Borussia in der Breite sogar ziemlich gut, durch diszipliniertes Verschieben hielten die Borussen die Räume eng und machten das Spielfeld kurz.
Dass da nicht jeder Ball in die Tiefe zu verteidigen ist, versteht sich von selbst – war gegen Manchester City aber auch nicht das große Problem.
Dass sich der Premier-League-Klub souverän gegen die Bundesliga-Vertretung durchsetzte, lag am Ende konkret an zwei Momenten, in denen sich Gladbach zu naiv anstellte. Zweimal visierte Cancelo mit einer Halbfeldflanke zum Tor hin den zweiten Pfosten an, zweimal verlor die Borussia-Defensive den nicht gerade als Kopfballspezialisten bekannten Bernardo Silva (1,73 Meter) aus den Augen. Beim 1:0 traf der Portugiese selbst (29.), beim 2:0 legte er per Kopf für Gabriel Jesus (65.) auf.
"Das ist ein Muster von Manchester City. Es ist wahnsinnig bitter, weil wir es eigentlich defensiv sehr gut gemacht haben und gut gestanden sind", meinte Florian Neuhaus. "Wir kriegen zwei identische Gegentore in Situationen, die wir vorher besprochen haben", haderte Rose, "aber es ist auch unglaublich schwer, sie zu verteidigen."
"Das war mein erstes Kopfballtor für Manchester City", freute sich hingegen Bernardo Silva: "Und auch wenn ich nicht der Größte bin, ist mein Kopfballspiel nicht schlecht."
Silvas Tor war aber auch schon Gladbachs drittes Kopfballgegentor im laufenden Wettbewerb – kein anderer Achtelfinalist hat mehr. Und das steht dann auch schon für sich.

3. Fehlende Durchschlagskraft

Sicher, ManCitys Abwehr zu knacken, ist in den vergangenen Wochen keiner Mannschaft so richtig gelungen. Die Borussia machte da keine Ausnahme – in der ersten Halbzeit blieb das Team von Marco Rose sogar erstmals in dieser Saison gänzlich ohne Ballaktion im gegnerischen Strafraum (am Ende 2 zu 35) – und Manchester ist mittlerweile bei 600 Champions-League-Minuten ohne Gegentor angelangt.
Bis zum ersten Torschuss musste Gladbach am Mittwochabend bis Minute 63 warten, als Alassane Pléa beinahe artistisch per Hacke zum Ausgleich genetzt hätte – was dem Spielverlauf aber nicht unbedingt gerecht geworden wäre.
Im 4-3-3 jedenfalls bekam Gladbach nur selten die Außenstürmer Jonas Hofmann und eben Pléa ans Laufen; Letzterer hatte bis zu seiner Chance nur 16 Ballkontakte gesammelt. Im Zentrum holte sich dagegen Lars Stindl als falsche Neun mit fortlaufender Spieldauer immer tiefer die Bälle ab, fehlte dann aber als Zielspieler im Sturmzentrum.
Gegen Ende hin versuchte Rose diesen Umstand durch die Hereinnahme von Marcus Thuram (63./für Plea), Breel Embolo (74./für Stindl) und Hannes Wolf (87./für Hofmann) zu korrigieren. ManCitys Überzahl im Mittelfeld blieb jedoch – und damit die Zufuhr lange abgeschnitten.
"Es gab immer wieder kleine Passfenster, die für einen kurzen Moment offen waren, dann kam aber der Pass nicht richtig", sagte Stindl. "Wenn du viel investieren musst, um den Ball zu gewinnen, hast du einen hohen Puls und bist in einer Art Teufelskreis", erklärte dagegen Christoph Kramer: "Dann musst du ruhig bleiben, aber das ist von außen leicht gesagt. In diesen Situationen müssen wir besser aus dem Druck wegspielen. Dann hast du auch Chancen gegen einen solchen Gegner."
Unterm Strich fehlte Gladbach so aber bis in die Nachspielzeit, als Wolf nach einem Rodri-Blackout zumindest noch den einzigen Schuss aufs Tor abfeuerte, die Durchschlagskraft – und so erlosch auch der Glaube an ein weiteres Husarenstück.
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