Während Neymar einen lauten Jubelschrei auf dem Feld losließ und jeden einzelnen Mitspieler auf dem Rasen des Old Trafford energisch umarmte, nahm Thomas Tuchel den Abpfiff fast stoisch und emotionslos zur Kenntnis.
Dennoch dürfte dem deutschen Trainer nach dem enorm wichtigen 3:1-Sieg bei Manchester United ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein, denn durch die drei Punkte haben die Pariser nach einem verkorksten Start (nur ein Sieg aus den ersten drei Spielen) in einer eng umkämpften Gruppe H nun die beste Ausgangslage, um die K.o.-Phase der Champions League zu erreichen.
"Es war eine großartige Performance. Die Energie, der Einsatz – ich bin stolz", lobte Mittelfeldspieler Ander Herrera sein Team, dem in der kommenden Woche schon ein Punkt im Heimspiel gegen Istanbul Basaksehir fürs Achtelfinale reichen würde.
Champions League
Drei Dinge, die auffielen: Maues Casting für die Haaland-Rolle
03/12/2020 AM 00:28
Dass man noch dazu den Red Devils, die PSG nicht nur im Gruppenhinspiel mit 2:1 besiegt, sondern auch 2019 dramatisch aus der Königsklasse geworfen hatten, eins auswischen konnte, kam noch als Bonus oben drauf.

Tuchel: "Man kann nicht fast qualifiziert sein"

Eine späte, aber dennoch befriedigende Revanche, auch wenn Tuchel die Euphorie sofort wieder bremste: "Man kann nicht fast qualifiziert sein. Genau so wenig, wie man nur ein bisschen schwanger sein kann. Das gibt es einfach nicht. Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber ich lasse nicht zu, dass sich irgendjemand sicher fühlt. Wir müssen im letzten Spiel die gleiche Mentalität zeigen."
Es waren Nuancen, die in den 90 Minute zuvor den Unterschied ausgemacht hatten. PSG hatte zwar etwas mehr vom Spiel, dafür zu Beginn der zweiten Hälfte aber eine gehörige Portion Glück, als Anthony Martial (49.) den Ball aus wenigen Metern Torentfernung in den Nachthimmel von Manchester jagte und Edinson Cavani acht Minuten später mit einem Heber nur die Latte traf (57.). Zuvor hatten Neymar (6.) und Marcus Rashford (32.) den 1:1-Pausenstand besorgt.
"Es war ein enttäuschender Abend", bilanzierte United-Abwehrchef Harry Maguire im Anschluss bei "BT Sport": "Im Fußball entscheiden Kleinigkeiten. Wir hatten die besseren Chancen."

Solskjaer überreizt sein Glück

Hinzu kam, dass Coach Ole Gunnar Solskjaer das Glück auf Seiten der Red Devils etwas überreizte. Statt den Gelb-Rot gefährdeten Fred – der bereits in der 23. Minute nach einem Kopfstoß gegen Leandro Paredes vom Platz hätte fliegen müssen – zur Halbzeit runterzunehmen, ließ ihn der Norweger unverständlicherweise weitermachen.
"Er hat sehr gut gespielt. Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen, dass er ruhig bleiben muss", erklärte Solskjaer die Maßnahme, die sich allerdings in der 70. Minute rächen sollte. Nach einer Grätsche gegen Herrera schickte Schiedsrichter Daniele Orsato den Brasilianer mit Gelb-Rot vorzeitig duschen – und besiegelte damit endgültig Uniteds Schicksal.
Denn bereits eine Minute zuvor hatte Marquinhos einen Querschläger zur PSG-Führung in die Maschen gestochert und dabei nur Millimeter nicht im Abseits gestanden (69.). Nuancen eben.
"Wir sind nach der Pause Risiken eingegangen. Zum Glück haben sie ihre Chancen nicht genutzt, dafür haben wir dies getan", meinte der Torschütze im Anschluss. Neymar besorgte in der Nachspielzeit die Entscheidung (90.+1).

ManUnited muss ins Endspiel in Leipzig

Statt das Achtelfinale fix zu buchen, muss Manchester nun in der kommenden Woche zum "Endspiel" bei Leipzig antreten, die nach dem 4:3-Sieg in Istanbul genau wie PSG und die Red Devils neun Punkte auf dem Konto haben.
Gut möglich, dass auch dann wieder Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden werden.
Das könnte Dich auch interessieren: Gladbach trotzig zum Endspiel nach Madrid: "Dann eben gegen Real"

Gladbach muss aufpassen! Bayern jagt Star-Duo

Champions League
Riesenärger um Elfmeter gegen BVB: "Irgendwann ist es zu viel!"
02/12/2020 AM 23:15
Premier League
Manchester United geht bei Tor-Spektakel in Leicester leer aus
VOR 2 STUNDEN