Eurosport
Leipzig dreht Spiel gegen PSG und verschärft Tuchel-Probleme
Von
Publiziert 04/11/2020 um 22:53 GMT+1 Uhr
RB Leipzig hat Paris Saint-Germain in der Champions League mit 2:1 (1:1) geschlagen, sich damit für die Halbfinal-Niederlage der Vorsaison revanchiert und die Probleme von PSG-Trainer Thomas Tuchel verschärft. Christopher Nkunku (42.) und Emil Forsberg (57./Handelfmeter) drehten die Partie. Ángel Di María hatte Paris in Führung gebracht (6.), danach jedooch einen Elfmeter vergeben (16.).
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
RB Leipzig hat sich in Abwesenheit des Zauberduos Neymar/Kylian Mbappé bei Paris St.-Germain revanchiert und Kurs auf die K.o.-Runde in der Königsklasse genommen. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann gewann die Neuauflage des Halbfinals der Vorsaison gegen den französischen Serienmeister, der Druck im Rückspiel in drei Wochen liegt nun klar bei PSG.
78 Tage zuvor hatte Paris mit Trainer Thomas Tuchel dem Bundesligisten beim 0:3 noch eine Lehrstunde erteilt und den Traum vom Champions-League-Finale beendet. Diesmal fehlten die verletzten Neymar und Mbappé - und Leipzig siegte.
PSG-Profi Idrissa Gueye sah in der 69. Minute nach wiederholten Foulspiel ebenso die Gelb-Rote Karte wie Presnel Kimpembe (90.+3).
Tuchel hatte im Vorfeld der Partie für Wirbel gesorgt, als er sich äußerst skeptisch über die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages geäußert hatte. Man solle "nicht träumen, wenn man unter ständigem Beschuss steht", sagte der 47-Jährige: "Ich hatte eine Zeit lang diese naive Vision, dass der Trainer nach vier Titeln und einem Champions-League-Finale für eine Weile nicht in der Schusslinie stehen würde - es dauerte fünf Tage."
So lief das Spiel:
Leipzig lief mit einer auf fünf Positionen veränderten Startelf auf, auf einen Stoßstürmer verzichtete Nagelsmann jedoch. Der RB-Coach setzte vorne auf flinke Techniker wie Forsberg und Dani Olmo und kündigte an, seine Spieler würden "mit dem Messer zwischen den Zähnen" agieren.
Den besseren Start ins Spiel erwischten jedoch wie schon im August die Gäste aus der französischen Hauptstadt, die ohne ihre angeschlagenen Topstars Neymar und Kylian Mbappé angereist waren.
Der nachsetzende Moise Kean eroberte den Ball gegen den zu Beginn fahrig agierenden Dayot Upamecano und steckte in den Sechzehner für Ángel Di María durch. Der Argentinier spitzelte den Ball an Torwart Peter Gulácsi vorbei zum 1:0 in die linke Ecke (6.).
Dass es für RB kein kompletter Fehlstart wurde, hatten die Leipziger zehn Minuten später allein ihrem Torwart zu verdanken. Bei einem Torschuss von Kean sprang der Ball zunächst an den abgewinkelten Arm von Upamecano – nach neuer Regelauslegung ein klarer Elfmeter. Di María trat zum Strafstoß an, scheiterte aber am Leipziger Schlussmann, der die richtige Ecke geahnt hatte und den halbhohen Schuss parierte (16.).
Bis auf einen harmlosen Schlenzer von Forsberg (32.) hatten lange ideenlose Leipziger in Hälfte eins kaum torgefährliche Szenen anzubieten und liefen erwachsen auftretenden Gästen aus Paris über weite Strecken hinterher.
Kurz vor der Pause fand die Nagelsmann wie aus dem Nichts ihre zuletzt fast vergessene Torgefahr wieder und kam tatsächlich noch zum Ausgleich. Nach einer kurz ausgeführten Ecke legte Angeliño auf Christopher Nkunku quer, aus 17 Metern präzise flach in die linke Ecke traf (42.).
Leipzig kam mit deutlich verbesserte Körpersprache aus der Kabine und ging nach 57 Minuten nicht unverdient in Führung. Nach Handspiel von Presnel Kimpembe bei der Ballmitnahme im eigenen Strafraum bekam Leipzig nach Eingreifen des VAR den berechtigen Elfmeter zugesprochen. Forsberg nahm sich der Sache an und versenkte präzise links unten zur 2:1-Führung (57.).
Die Tuchel-Elf tat sich in der zweiten Hälfte weiter schwer gegen agile Leipziger und schwächte sich nach 69 Minuten zusätzlich selbst. Idrissa Gueye sah nach Foulspiel an Amadou Haidara seine zweite Gelbe Karte und musste vorzeitig zum Duschen (69.).
Paris fand in Unterzahl keine offensiven Lösungen mehr und erspielte sich in der Schlussphase keine nennenswerten Torchancen mehr. In der Nachspielzeit sah Kimpembe nach einer Mischung aus taktischem und frustbedingten Foul ebenfalls seine zweite Verwarnung (90.+5) und wird Paris im Rückspiel gegen RB ebenfalls fehlen.
Die Stimmen zum Spiel:
Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Paris hat wenig selbst herausgespielte Chancen gehabt, das waren alles Einladungen von uns. Nach dem Elfmeter haben wir uns gut gefangen, waren über die restliche Spielzeit die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen."
Thomas Tuchel (Trainer Paris Saint-Germain): "Wir haben trotz der Niederlage unser Ziel weiter klar vor Augen. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben, weil wir das zweite Tor nicht gemacht haben. Nach der roten Karte war es in Unterzahl sehr schwer für uns."
Marcel Sabitzer (RB Leipzig): "Wir hatten den schlechtesten Start, den man sich in so einem Spiel vorstellen kann. Wir haben dann aber Moral und Mentalität gezeigt und sind zurückgekommen. Ich würde schon sagen, dass wir verdient gewonnen haben."
Emil Forsberg (RB Leipzig): "Ein wichtiger Sieg für uns, ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben haben mit Mut gespielt und wollten unbedingt gewinnen. Das hat man auch heute auf dem Platz gesehen."
Marquinhos (Paris Saint-Germain): "Das war eine harte Niederlage. Wir haben aber noch drei Spiele vor uns und müssen positiv bleiben."
Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain): "Nach dem 1:0 haben wir das Spiel gut kontrolliert und es clever gemacht. Dann haben wir uns aber von der hektischen Spielweise Leipzigs anstecken lassen."
Der Tweet zum Spiel:
Das fiel auf: Nagelsmanns Umstellungen greifen
Leipzig hatte in einer schwachen ersten Hälfte vor allem zwei Probleme: Erfolgloses Anlaufen der Pariser Abwehrkette beim Spielaufbau und kaum Zugriff in den Zweikämpfen. Trainer Julian Nagelsmann erkannte dies und nahm in der Halbzeitpause erfolgreiche Umstellungen vor. Statt wie in Hälfte eins mit zwei Spitzen, liefen die Hausherren nach dem Seitenwechsel mit drei Spitzen an und zwangen PSG so zu mehr langen Bällen. Zudem kamen die Leipziger auch mit einer komplett anderen Körpersprache aus der Kabine und raubten PSG mit giftigem Zweikampfverhalten den Spaß am Spiel.
Die Statistik: 15
Im Europapokal endete keine der letzten 15 Begegnungen zwischen PSG und einem deutschen Verein mit einem Unentschieden. Paris Saint-Germain gewann neun der 15 Partien gegen deutsche Klubs und kassiert gegen Leipzig die sechste Niederlage in ebendiesen Duellen.
Das könnte Dich auch interessieren: Warum Salihamidzics Alaba-Rechnung nicht aufgeht
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung