8:2, 3:0, 3:0 - innerhalb von 16 Monaten kanzelte der FC Bayern den FC Barcelona gleich dreimal souverän ab. Ein Duell, das mal ein Klassiker der Champions League war, ist zu einer komplett einseitigen Angelegenheit verkommen.
Am Mittwochabend offenbarte sich diese Feststellung in voller Pracht, die Qualitätsunterschiede waren erneut immens. Während es für die Münchner höchstens noch ums Prestige ging, waren die Katalanen gezwungen, die Partie zu gewinnen. Nur ein Dreier hätte das sichere Überwintern in der Königsklasse gewährleistet. Allzu großen Siegeswillen versprühten die Gäste allerdings nicht. Die Mannschaft von Xavi war ideenlos, fehlerbehaftet, zahnlos.
Dementsprechend ist Barcelona in der Europa League schlicht besser aufgehoben; in Europas Beletage hat der stolze Traditionsklub mit Blick auf die aktuelle Form nichts verloren.
Champions League
Pressestimmen: "Barça ist der Champions League nicht würdig"
09/12/2021 AM 00:04
Und die Bayern? Die untermauerten ihre Favoritenstellung auf den Henkelpott. Thomas Müller stach beim deutschen Rekordmeister besonders heraus. Der deutsche Nationalspieler, der ein Abonnement aufs Toreschießen gegen Barcelona gebucht hat, gab mal wieder den Blaugrana-Schreck.
Drei Dinge, die auffielen.

1. Bayern ist Top-Favorit auf den Henkelpott

Bayern war längst als Gruppenerster für das Achtelfinale qualifiziert, zudem fehlten mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry drei Stammspieler. Dass sich die Münchner aus derlei Ausgangslagen in der Regel nicht allzu viel machen, haben sie in der Vergangenheit schon häufiger gezeigt.
Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann ließ keinerlei Zweifel daran, dass sie das i-Tüpfelchen auf eine nahezu perfekte Gruppenphase setzen wollte. Der viel zitierte Hunger, die bayerntypische Gier, bahnten sich am Mittwochabend ihren Weg durch die Abwehrreihen des FC Barcelona.

Nagelsmann zur Favoritenfrage: "Ist so ein Thema für Journalisten"

"Wir haben gegen einen großen Gegner gespielt, der gewinnen musste", sagte Nagelsmann im Anschluss bei "DAZN": "Wir haben ihn aber zu keiner Zeit zur Entfaltung kommen lassen. Wenn wir in der zweiten Halbzeit richtig angezogen hätten, hätten wir noch mehr Tore machen können." Ein imposantes Selbstverständnis. Wer mag es dem 34-Jährigen verdenken?
Sechs Spiele, sechs Siege, 18 Punkte. Das Torverhältnis: 22:3. Damit stellten die Bayern ihren eigenen Rekord für die beste Gruppenphase der Champions-League-Geschichte ein. In der Saison 2019/20 hatten die Münchner nach sechs Spieltagen ebenfalls 18 Punkte und eine Tordifferenz von plus 19 auf dem Konto (24:5). Am Ende jener Spielzeit stand das Triple.
Die bisherigen Leistungen rücken Bayern nicht nur in den elitären Kreis der Mitfavoriten auf den Henkelpott, sondern an die Spitze. Gelöst und dauergrinsend nahm Nagelsmann nach dem Spiel Platz im Mediencenter der Allianz Arena.
"Mir ist schon klar, dass das ein Thema für Euch ist", sagte er, als er mit der Favoritenrolle konfrontiert wurde. Er ergänzte: "Klar ist es unser Anspruch, Favorit zu sein, wir wollen die Champions League gewinnen."

2. Müller ist Barças Albtraum

Der FC Barcelona bleibt Müllers Lieblingsgegner. 34 Minuten dauerte es diesmal, ehe der Ur-Bayer den Spaniern ein Tor einschenkte. Gewohnt unkonventionell schraubte sich Müller in den Münchner Nachthimmel, um eine Lewandowski-Flanke per Bogenlampe hinter die Linie zu bugsieren.
Es war bereits sein achter Treffer im siebten Aufeinandertreffen mit Barça. Gegen keinen Kontrahenten traf der 31-Jährige in der Königsklasse häufiger. "Gegen Barça flutscht es irgendwie", sagte der fleischgewordene Albtraum der Blaugrana im Nachgang bei "DAZN".

Thomas Müller traf gegen Barcelona zum 1:0

Fotocredit: Getty Images

Angesprochen auf die ungewöhnliche Körperhaltung beim Kopfball samt geschlossener Augen, erklärte er: "Ich habe gemerkt, dass der Ball hoch kommt und ich ihn nicht mehr drücken kann. Das war wieder so ein Tor, ein Müller-Tor. Aber das nehme ich gerne mit."
Ein schöner Nebeneffekt: Das "Müller-Tor" war sein 50. In der Champions League, er zog mit der französischen Arsenal- und Barça-Legende Thierry Henry gleich. Nur sechs Spieler marktierten in dem prestigeträchtigsten aller Klub-Wettbewerbe mehr Treffer (Messi, Ronaldo, Lewandowksi, Benzema, Raul, van Nistelrooy).
"50 Champions-League-Tore, das ist schon eine Nummer", freute sich der Weltmeister von 2014: "Und ich habe ja noch ein bisschen was vor mir." Letzteres dürften sie beim FC Barcelona eher mit Graus zur Kenntnis genommen haben. Wobei: Erstmal müssen die Spanier mit Müller wieder auf Augenhöhe kommen ...

3. Barcelona hat in der Champions League nichts verloren

Lionel Messi, das jahrzehntelange Aushängeschild ist weg, der Klub beklagt einen Schuldenberg von 1,5 Milliarden Euro, die Mannschaft ist zwangsläufig im Umbruch. Eine Ausrede für die erschreckend schwache Champions-League-Saison dürfte dies jedoch nicht sein.
Immerhin stehen mit Marc-André ter Stegen, Gerard Piqué, Sergio Busquets, Jordi Alba oder Memphis Depay etliche Routiniers im Kader. Verantwortung übernimmt dieser Tage jedoch niemand. Ter Stegen patzte, Piqué und Busquets liefen nur hinterher, Alba verletzte sich früh und Depay ging gänzlich auf Tauchstation.
"Der ist auf Instagram besser unterwegs als auf dem Platz", stellte "DAZN"-Co-Kommentator Sandro Wagner mit Blick auf den Niederländer fest. Die erschreckende Bilanz nach sechs Partien: nur sieben Zähler, sechs davon durch zwei schmale 1:0-Siege gegen Dynamo Kiew - 2:9 Tore.
Bei allen bisherigen Champions-League-Teilnahmen standen nach der Gruppenphase mindestens sieben Tore zu Buche. Dass Barça gleich in vier Partien ohne eigenen Treffer blieb, war ebenfalls ein Novum für den Klub. Erstmals seit 20 Jahren schied der Verein in der Vorrunde der Champions League aus. Raus ohne Applaus.

Gerard Piqué (Barcelona)

Fotocredit: Getty Images

Müller zeigte beinahe schon Mitleid mit dem wankenden Riesen. "Wenn man die Mannschaft anschaut, sieht man viele gute Spieler. Du hast mit Xavi einen großen Namen, eigentlich hast du alles, was du brauchst", sagte er und bilanzierte weiter: "Klar sieht es wirtschaftlich nicht rosig aus, aber dass sie so untergehen, habe ich nicht kommen sehen. Ich habe das Gefühl, dass sie die Intensität im Spitzenfußball nicht mitgehen können."
Eine Einschätzung, der Xavi nicht widersprechen konnte. "Bayern ist besser als wir", gestand er: "Wir müssen hart arbeiten und uns wieder zurückkämpfen. Die Europa League ist nicht der Wettbewerb, in dem der FC Barcelona spielen sollte."
Nach dem Mittwochabend muss man jedoch konstatieren: Doch, Herr Hernández, das ist derzeit genau der richtige Wettbewerb. In der Champions League hat dieser FC Barcelona (leider) nichts zu suchen.
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