Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen Benfica auffielen: Es kann nur einen Ballon-d'Or-Sieger geben

Der FC Bayern sichert sich in beeindruckender Manier mit einem 5:2 gegen Benfica vorzeitig das Ticket fürs Champions-League-Achtelfinale. Robert Lewandowski stellt in seinem 100. Königsklassen-Auftritt klar, dass nur er den diesjährigen Ballon d’Or gewinnen kann und ein Flügelflitzer fegt den Wirbel um seinen Vertrag weg. Allerdings: Eine Forderung von Julian Nagelsmann stößt auf taube Ohren.

Kingsley Coman (M.) spielte gegen Benfica groß auf

Fotocredit: Imago

Das 0:5 in Mönchengladbach vor einer Woche war offenbar nur ein Betriebsunfall, die "Bestia Negra" hat ihre Wunden geleckt und die Krallen gewetzt. Nachdem bereits in der Bundesliga bei Union Berlin am Samstag Wiedergutmachung betrieben wurde (5:2), schoss der FC Bayern vor heimischer Kulisse auch Benfica Lissabon 5:2 ab.
Robert Lewandowski erwischte einmal mehr einen könglichen Königsklassen-Abend, steuerte in seinem 100. Champions-Legaue-Spiel seine Tore 79 bis 81 bei, auch Kingsley Coman ragte aus einer ohnehin bärenstarken Offensivabteilung heraus, stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass der Wirbel um seine Vertragssituation ihn nicht beeinträchtigt.
Ganz zur Freude von Trainer Julian Nagelsmann, der nach überstandener Corona-Infektion wieder auf der Bank Platz nehmen durfte. Der 34-Jährige hatte ein "unfassbar gutes Spiel" von seiner Mannschaft gesehen, wie er im Anschluss am "Amazon"-Mikrofon erklärte. "Es hat Spaß gemacht, zuzuschauen."
Ein nachvollziehbares Lob, dennoch dürften dem anspruchsvollen Coach während der 90 Minuten auch altbekannte Unzulänglichkeiten aufgefallen sein. Schwächen, auf die er noch im Vorfeld des Duells mit den Portugiesen hingewiesen hatte.
Drei Dinge, die bei Bayern gegen Benfica auffielen:

1. Lewandowski steht der Ballon d’Or zu

Als erster polnischer Fußballer erreichte Robert Lewandowski am Dienstagabend den Meilenstein von 100 Champions-League-Partien, in der eigenen Mannschaft warten nur Thomas Müller (128) und Manuel Neuer (123) mit mehr Auftritten in der Königsklasse auf.
Sein Jubiläum hätte Lewandowski sich wohl kaum schöner malen können, in der 26. Minute nickte er eine Coman-Flanke locker ein, nach rund einer Stunde schnürte er – technisch höchst anspruchsvoll - den Doppelpack, um kurz vor Schluss per Lupfer auch noch Treffer drei folgen zu lassen, der ihn dazu berechtigte, den Spielball mit nach Hause zu nehmen.
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Robert Lewandowski traf gegen Benfica dreifach

Fotocredit: Getty Images

Kaum zu toppen, doch ein Umstand nagte an dem perfektionistischen Dauer-Knipser: Lewandowski hatte einen Elfmeter verschossen. Ein seltenes Naturschauspiel. "Ob es das perfekte Spiel war, weiß ich nicht, immerhin habe ich ja auch einen Elfmeter verschossen"; sagte Lewandowski bei "Amazon". Er ergänzte mit Blick auf die ziemlich fahrlässige Ausführung seines Versuchs: "Ich habe ihn einfach falsch geschossen. Das kann passieren."
Als nur wenige Augenblicke später eine Grafik eingeblendet wurde, erhellte sich seine Miene ohnehin wieder. Kein Spieler vor ihm, nichtmal die beiden Ausnahmekönner Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, erzielten nach 100 Champions-League-Spielen so viele Tore wie er (81). In den vergangenen acht CL-Begegnungen war ihm jeweils mindestens ein Treffer gelungen, in diesem Kalenderjahr stehen 50 Tore in 38 Pflichtspielen zu Buche. Zahlen, die utopisch anmuten.
Vor einigen Tagen machte ein Bild bei Twitter die Runde, auf dem das angeblich amtliche Endergebnis der Ballon-d’Or-Wahl zu sehen war. Lewandowski führte das Feld vor Messi an. Ob es sich bei der Liste um einen veritablen Leak handelte oder jemand sich einen Spaß erlaubt hatte, wird die Welt erst am 29. November erfahren, wenn die begehrte goldene Kugel für den Weltfußballer des Jahres in Paris übergeben wird. Es wäre eine Farce, wenn Lewandowski sie nicht gewänne. 2021 gab es insgesamt keinen konstanteren Spieler als ihn. Das sah übrigens auch "Amazon"-Experte Matthias Sammer so: "Er ist aktuell der kompletteste und beste Spieler der Welt."

2. Coman: Ein Tornado wirbelt Vertragswirbel weg

Ebenjener Matthias Sammer verriet den Zuschauern überdies auch, wie es in seinem Inneren aussah. Sammer hatte während des Spiels Angst. Angst um Benfica-Linksverteidiger Alejandro Grimaldo. Der Spanier wurde vor allem im ersten Durchgang von Münchens Flügelflitzer Kingsley Coman derart schwindelig gespielt, dass sich beim geneigten Beobachter tatsächlich die Befürchtung breitmachte, Grimaldo würde einen Drehwurm davontragen.
Die Bayern hatten in Grimaldo schnell die Schwachstelle des Gegners ausgemacht, fuhren Angriff um Angriff über die rechte Seite. Comans Haken, Comans Finten waren für den 26-Jährigen zu schnell, der bemitleidenswerte Verteidiger hatte dem flinken Franzosen nichts entgegenzusetzen. Mit 73 Prozent gewonnener Duelle verbuchte Coman die beste Zweikampfbilanz aufseiten der Hausherren – als Offensivkraft wohlgemerkt, kein Spieler brachte mehr Flanken aus dem Spiel (3).
Ein ganz besonders schönes Exemplar von Hereingabe erreichte Lewandowski, der den Torreigen eröffnete. Nichts an Comans Leistung deutete auf das Theater der vergangenen Monate hin, in denen er sich immer wieder mit Spekulationen rund um seine Vetragssituation bei den Bayern konfrontiert sah.
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Kingsley Coman brillierte gegen Benfica Lissabon

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Gespräche über eine mögliche Verlängerung über 2023 hinaus sollen auf Eis liegen, mehrere Medien berichteten zuletzt, dass die Verantwortlichen sich bereits mit einem Abgang des 25-Jährigen abgefunden hätten.
Zumindest Nagelsmann erweckte kürzlich einen anderen Anschein. "King ist ein herausragender Mensch mit einer tollen Persönlichkeit. Unfassbar höflich und freundlich, ich arbeite unheimlich gerne mit ihm", sagte der FCB-Trainer auf entsprechende Nachfrage und ergänzte: "Er ist in meinen Augen einer der Top-Flügelspieler auf diesem Planeten. Wenn er gesund ist, wird er auch eine noch bessere Quote kriegen, das ist der Punkt, an dem wir arbeiten wollen. Ich bin unglaublich froh, dass er wieder gesund ist und natürlich würde ich gerne noch viele, viele Jahre mit ihm zusammenarbeiten."
Das dürfte sich nach dem Spiel gegen Benfica nicht geändert haben – im Gegenteil.

3. "Anders besprochen": Nagelsmann-Forderung bleibt ungehört

Obwohl die Bayern die Schmach von Gladbach gegen Union Berlin weitestgehend aufarbeiteten, immerhin eine 21 Partien andauernde Ungeschlagen-Heimspielserie der Eisernen pulverisierten, fand Nagelsmann unter der Woche einen Kritikpunkt: Die zwei Gegentore in der Hauptstadt.
"In allen Spielen sind es immer ähnliche Muster, wenn wir Chancen gegen uns bekommen", sagte er. Er führte aus: "Oft ist es so, dass Manuel Neuer dann gut hält und Gegentore verhindert. Das geht aber oft zu einfach." An der Alten Försterei "war es in den letzten sechs Minuten vor der Halbzeit so, dass wir defensiv zu wenig gemacht haben. Wir müssen die letzten Schritte machen, da müssen wir aktiv werden."
Die von Nagelsmann angesprochenen Muster traten auch gegen Benfica einmal mehr deutlich zutage. Während die Offensive sich zeitweise in einen Rausch spielte, teils traumhafte Kombinationen bot, ging es in der Hintermannschaft, die diesmal aus Benjamin Pavard, Tanguy Nianzou, Dayot Upamecano und Alphonso Davies bestand, bisweilen weniger ansprechend zu.
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Julian Nagelsmann vom FC Bayern

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Trotz drückender Bayern-Überlegenheit gelang es den Portugiesen, vor der Halbzeit nach einer Standardsituation zu verkürzen. Grimaldo durfte den Ball in Folge eines kurz ausgeführten Freistoßes recht unbedrängt in die Mitte bringen, wo Upamecano nur halbherzig gegen Morato ins Kopfballduell ging. Dieser ließ Neuer letztlich keine Chance.
Beim Stand von 4:1 spielte der eingewechselte Marcel Sabitzer einen unnötigen Fehlpass im Mittelfeld, lud den Gegner zum Kontern ein. Benfica nahm in Person von João Mario Tempo auf, kam hinter die Abwehrkette, die in dieser Szene ebenfalls keine gute Figur abgab. Mario setzte den mitgelaufenen Darwin Núñez mustergültig in Szene. Wieder zwei gänzlich vermeidbare Gegentreffer.
"Wir haben zwei Tore bekommen, das erste durch eine Standardsituation. Das hatten wir eigentlich anders besprochen, weil das typisch für Benfica ist", haderte Nagelsmann später. Obwohl seine Forderung offenbar erneut auf taube Ohren gestoßen war, zeigte er sich aber versöhnlich.
"Es war besser als die Spiele in den letzten Wochen."
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