FC Bayern - Tanguy Nianzou plötzlich gefragt: Warum der Dauer-Bankdrücker der Süle-Nachfolger werden könnte
Tanguy Nianzou wurde als vielversprechendes Talent von Paris Saint-Germain geholt, bislang setzte sich der junge Franzose allerdings noch nicht beim FC Bayern durch. Zuletzt durfte er zweimal von Beginn an ran und wird dieser Tage als möglicher Nachfolger für den gen Dortmund abwandernden Niklas Süle gehandelt. Julian Nagelsmann hat aber eine klare Forderung an den Youngster.
Tanguy Nianzou vom FC Bayern München
Fotocredit: Imago
Thomas Tuchel war im Juni 2020 enttäuscht. Der deutsche Trainer, damals noch in Diensten von Paris Saint-Germain, hatte kurz zuvor eines seiner größten Talente verloren: Tanguy Nianzou.
Der junge Franzose lehnte seinerzeit eine Vertragsverlängerung ab und schloss sich ablösefrei dem FC Bayern München an. Ein Umstand, der bei Tuchel für Unverständnis sorgte: "Es war nicht die Zeit für ihn, den Klub zu verlassen. Wir haben ihm unser Vertrauen geschenkt, obwohl es einige Rückschläge gab", sagte er und ergänzte: "Ich bin traurig, ich verstehe das nicht."
Traurig war dann auch Nianzous Anfangszeit in der bayrischen Landeshauptstadt. Gleich nach seinem Wechsel verletzte er sich, fiel aufgrund einer Oberschenkelverletzung zunächst bis November aus. Nach lediglich einem Pflichtspieleinsatz wurde er erneut von einem Muskelbündelriss über drei Monate außer Gefecht gesetzt.
Zudem trat sein ehemaliger Arbeitgeber in Person von Sportdirektor Leonardo Ende Februar vergangenen Jahres gegen Nianzou nach: "Es heißt immer: 'PSG hat ein Talent verloren.‘ Aber manchmal denke ich, dass nicht PSG etwas verliert, sondern die Talente, die Paris verlassen", sagte Leonardo und schob nach: "Tanguy konnte mit uns Champions League spielen und bei Bayern ist er nun fast ein Jahr ohne zu spielen."
Nianzou unter Nagelsmann mit wenig Spielzeit
Seit rund einem Jahr ist Nianzou nun fit, allzu viel Spielzeit sammelte er aber trotzdem nicht. Auch Julian Nagelsmanns Ankunft änderte an seiner Reservistenrolle nichts. Bis zum Heimspiel gegen Union Berlin vor drei Wochen standen in der laufenden Saison nur 172 Bundesliga-Minuten zu Buche.
Nagelsmann begründete vor einigen Wochen, warum er so selten auf den 19-Jährigen setzt. "Er hat immer wieder Momente, in denen er herausragende Pässe ins Mittelfeld spielt und eine herausragende Spieleröffnung hat", sagte der 34-Jährige, gab aber zu bedenken: "Er hat halt auch immer wieder Situationen, wie nach seiner Einwechslung gegen Köln, in denen er haarsträubende Fehler macht. Die Verlässlichkeit fehlt ihm noch ein bisschen."
Einsatz über 90 Minuten und erstes Tor
Mitte März änderte sich Nianzous Reservisten-Dasein allerdings schlagartig, weil Benjamin Pavard (Covid) und Niklas Süle (Muskelfaserriss) nicht zur Verfügung standen. Beim 4:0 vor heimischer Kulisse gegen Union Berlin durfte das Juwel über die volle Distanz ran. Die Kirsche auf der viel zitierten Sahnetorte: sein Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 in der 25. Spielminute.
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Tanguy Nianzou traf gegen Berlin zum 2:0
Fotocredit: Getty Images
Nagelsmann fand im Anschluss lobende Worte für die Leistung des Defensivspezialisten. "Mit Tanguy war ich insgesamt sehr zufrieden. Man sieht, dass er einen sehr guten Charakter hat, dass er alles reinwirft", sagte er. Der FCB-Coach weiter: "Er hat eine unglaubliche Aggressivität und eine Winner-Mentalität, die schon außergewöhnlich ist."
Dass Nianzou "immer wieder diesen einen oder anderen Moment drin hat“, in dem er etwas unaufmerksam wirkt, gestehe er dem Youngster zu. Wenn er besagte Momente minimiere, "kann er eine sehr gute Rolle spielen", so Nagelsmann.
Neuer Innenverteidiger oder interne Lösung?
Weil Süle den Verein im Sommer ablösefrei in Richtung Dortmund verlässt, wolle man sich aber dennoch "auf dem Transfermarkt umschauen." Nagelsmann erklärte: "Wir werden nicht nur mit den Spielern, die wir haben, in die neue Saison gehen, sodern werden da schon was machen."
Über mögliche Süle-Nachfolger wurde in den vergangenen Wochen diskutiert. Andreas Christensen vom FC Chelsea wurde ebenso gehandelt wie sein Teamkollege Antonio Rüdiger. Auch die Namen Matthias Ginter und der von Freiburg-Shootingstar Nico Schlockerbeck fielen.
Wie die "Sport Bild" jüngst meldete, haben sich die Verantwortlichen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic - anders als von Nagelsmann prophezeit - jedoch gegen die Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers entschieden. Stattdessen plane der FC Bayern mit einer internen Lösung. Pavard, bislang zumeist auf der Position des Rechtsverteidigers beheimatet, soll ins Zentrum rücken, die vakante Stelle auf außen soll künftig von einem neuen Spieler bekleidet werden.
Heißester Kandidat soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge Noussir Mazraoui von Ajax Amsterdam sein. Ob die Bayern tatsächlich "nur" mit den vier Innenverteidigern Pavard, Dayot Upamecano, Lucas Hernández und Nianzou in die neue Saison geht, ist offen.
Nianzou überzeugte auch gegen Freiburg
Nagelsmann machte aber am vergangenen Wochenende sowie im Vorfeld des Viertelfinal-Hinspiels der Champions League gegen Villarreal am Mittwoch (21:00 Uhr im Liveticker) deutlich, dass Nianzou als potenzieller Süle-Erbe sich Hoffnungen auf deutlich mehr Spielzeit machen darf.
Denn: Gegen den SC Freiburg (4:1) stand erneut 90 Minuten lang auf dem Platz und lieferte eine ansprechende Darbietung. 95 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler (Spitzenwert bei den Bayern), zudem gewann er 66,7 Prozent der Zweikämpfe und verbuchte drei klärende Aktionen.
Nagelsmann: Nianzou "Kandidat für die Startelf"
Grund genug für Nagelsmann, ihm mit Blick auf das Königsklassen-Duell mit dem Gelben U-Boot abermals einen Startelf-Einsatz in Aussicht zu stellen. "Er hat zweimal gut gespielt und ist auch morgen ein Kandidat für die Startelf“, sagte er und führte schmunzelnd aus: "Er beißt sich extrem in die Wadln der Gegenspieler, das kann er manchmal noch etwas sanfter machen."
Grundsätzlich traue er Nianzou zu, "dass er im nächsten Jahr eine größere Rolle spielt". Allerdings richtete Nagelsmann auch eine deutliche Forderung an den U-Nationalspieler Frankreichs: "Er hat immer wieder gute Ideen im Spielaufbau, aber er muss sein Risiko noch runterschrauben und die Verlässlichkeit auf den Platz bringen."
Setzt Nianzou das Postulat um, dürfte er schon bald eine ernste Alternative für die Münchner Hintermannschaft werden - und damit auch PSG-Boss Leonardo zum Schweigen bringen.
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Quelle: Perform
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