Im Saint Mary's Stadium schossen sich Timo Werner, Kai Havertz und Co. den Heim-Blues von der Seele. Nach der 1:4-Packung gegen Aufsteiger Brentford in der Vorwoche und der ernüchternden 1:3-Niederlage im Hinspiel gegen Real Madrid an der Stamford Bridge traf die Mannschaft von Thomas Tuchel beim FC Southampton gleich ein halbes Dutzend Mal.
"Es war wichtig, hier den Turnaround zu schaffen und nicht auf eine Reaktion im Bernabéu zu warten", sagte Tuchel nach der 6:0-Gala im Süden der Insel drei Tage vor dem Rückspiel. "Wir haben getan, was wir tun mussten", so der 48 Jahre alte Schwabe im Hinblick auf das Duell in Madrid.
Schon während des Premier-League-Spiels am Samstag richtete Tuchel den Fokus auf die Königsklasse. Werner durfte erstmals seit Oktober in Englands Beletage wieder über 90 Minuten ran. Europas Fußballer des Jahres Jorginho, Reece James und Christian Pulisic standen dagegen allesamt nicht in der Startelf.
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Die dominante Vorstellung in Southampton nutzte der Chelsea-Coach zudem, um auch Havertz, Thiago Silva und Mason Mount frühzeitig eine Pause zu verschaffen.

Kai Havertz (r.) und Timo Werner vom FC Chelsea

Fotocredit: Getty Images

Tuchel: Chelsea lebt von Intensität

Eine bitter nötige Ruhepause. Denn die Frage nach dem Hinspiel-Manko stellte sich für Tuchel nicht. "Wir haben nicht hart genug gearbeitet", analysierte der Trainer die Pleite gegen Real. Allen voran eine Kraftfrage, wie der Trainer erklärte: "Wir haben einen großen Nachteil in Bezug auf die Physis. Real Madrid spielt nahezu das gesamte Jahr mit fünf Auswechslungen."
Im Gegensatz zur spanischen Liga erlaubt die Premier League derzeit lediglich drei Wechseloptionen. "Wir spielen in der härtesten Liga und haben die meisten Spiele in dieser Saison absolviert", klagte Tuchel vor dem zweiten Aufeinandertreffen mit der Mannschaft von Carlo Ancelotti.
Doch gerade das Spiel von Chelsea unter Tuchel lebt von dem kraftraubenden Auftreten. "Wir sind eine Mannschaft, die Körperlichkeit, Schärfe und Intensität braucht, um ein gutes Team zu sein", erklärte der 48-Jährige. Zudem plagen den Hauptstadtklub Personalsorgen.
In Madrid müssen die Blues auf Ross Barkley, Callum Hudson-Odoi, Ben Chilwell und Romelu Lukaku verzichten. Verteidiger César Azpilicueta ist nach seiner Coronainfektion zwar wieder mit an Bord, doch die Ausgangslage ist trotz der Rückkehr des Kapitäns denkbar schlecht.

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Tuchel braucht "das fantastische Drehbuch"

Nach dem 1:3 an der Stamford Bridge muss Chelsea mit zwei Treffern gewinnen, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Und: Die Wende für die Blues dürfte sich gerade in Anbetracht der Formstärke der Madrilenen schwierig gestalten. Acht ihrer vergangenen neun Pflichtspiele gewannen die Königlichen. Gerade Angreifer Karim Benzema befindet sich derzeit in Überform, steht bei 50 Torbeteiligungen in nur 37 Pflichtspielen.
"Wir brauchen nichts anderes als ein fantastisches Drehbuch, wenn wir das überstehen wollen. Die Aufgabe ist unglaublich groß in Anbetracht des Hinspiels, des Gegners und des Stadions", zeigte sich Tuchel demütig, wirkte vor dem Gastspiel am Manzanares beinahe schon resignativ. In der vergangenen Saison setzten sich die Blues im Halbfinale gegen die Königlichen noch durch, gewannen damals 2:0 im Rückspiel – allerdings im eigenen Wohnzimmer.
Demnach sind die Erfahrungen aus der Vorsaison kein Mutmacher für den Chelsea-Coach. "Es könnte nicht verschiedener sein. Es ist eine der größten Herausforderungen, als Auswärtsteam im Bernabéu zu spielen. Vor allen Dingen, wenn man ein bestimmtes Ergebnis erzielen muss. Das macht es sehr schwer", sagte Tuchel.
Dennoch wollte der amtierende Champions-League-Sieger die Hoffnung auf die Wende nicht aufgeben. "Es ist unwahrscheinlich. Aber es ist wert, es zu versuchen", so der Krumbacher. Denn: Bekanntermaßen sei im Fußball immer "alles möglich".

Traum oder Abgesang?

Möglich ist aber auch, dass der Dienstag der vorerst letzte Champions-League-Abend für den FC Chelsea sein wird. Seit vier Wochen operiert der Klub mit einer Sonderlizenz wegen der Sanktionen gegen Eigentümer Roman Abramowitsch nach der russischen Invasion in die Ukraine. Die Zukunft des Vereins und der Spieler steht weiterhin in den Sternen.
Chelsea könnte am Dienstagabend (21:00 Uhr im Liveticker) also ein europäischer Abschied auf unbestimmte Zeit drohen.
Umso mehr krallen sich die Londoner an der notwendigen Wende fest. "Es ist ein großer Abend und ein großes Spiel. Es ist eine Bühne, um sich selbst zu übertreffen – und wir müssen uns selbst übertreffen", forderte Tuchel von seiner Mannschaft und fügte an: "Wir müssen alles auf dem Feld lassen und zeigen, dass wir besser spielen können und unser wahres Gesicht zeigen. Das müssen wir zuerst tun und dann nehmen wie es, wie es kommt."
Denn noch lebt der Traum von der Titelverteidigung. Und träumen ist erlaubt. Mehr noch: "Es ist wichtig, zu träumen", sagte Tuchel. Dabei dürfen die Blues – anders als im Hinspiel an der Stamford Bridge, als Real nach 25 Minuten schon 2:0 führte – den Start aber nicht verschlafen.
Das dafür notwendige "andere Gesicht" blitzte am Samstag beim "Turnaround" in Southampton trotz der Rotation bereits ein erstes Mal auf. Genauer gesagt: Ein halbes Dutzend Mal.
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