BVB und Nico Schlotterbeck hoffen auf Konstanz: Mit Rückenwind in die Statement-Spiele
BVB-Neuzugang Nico Schlotterbeck hatte zuletzt mit Leistungsschwankungen zu kämpfen, im Spitzenspiel gegen den FC Bayern (2:2) fand der Innenverteidiger zurück in die Spur - und glänzte dabei nicht nur in seiner Paraderolle. Der Hoffnungsträger der Schwarz-Gelben geht mit Rückenwind und dem Lob eines Kollegen in die beiden kommenden Partien, die als echte Statement-Spiele zu verstehen sind.
BVB-Innenverteidiger Nico Schlotterbeck
Fotocredit: Imago
Alle Mitspieler, auch die Reservisten, stürzten sich auf Anthony Modeste, die Fans brüllten den Namen des Franzosen aus voller Kehle. Der Neuzugang war mit seinem Tor zum 2:2 in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen den FC Bayern der schwarz-gelbe Held.
Der heimliche Hauptdarsteller beim späten Comeback geriet bei all dem Jubel, dem Trubel, der Heiterkeit, in den Schatten: Nico Schlotterbeck. Er war es, der einen Chipball von Karim Adeyemi kurz vor der Torauslinie stoppte, sich die Kugel zurechtlegte und schließlich punktgenau auf Modestes Kopf flankte.
"Wir haben zum Schluss alles nach vorne geworfen", sagte Schlotterbeck am Mikrofon von "BVB-TV" im Nachgang des aufwühlenden Bundesliga-Krachers. Er ergänzte mit Blick auf seine sehenswerte Hereingabe: "Zum Glück kommt meine Flanke auf Tony an. Für ihn freut es mich nach seiner langen Durststrecke umso mehr."
Apropos Durststrecke: Auch Schlotterbeck, der im Sommer als Hoffnungsträger aus Freiburg kam, hatte mit einer solchen zu kämpfen.
Schlotterbeck klagt über "Konzentrationsprobleme"
Zwar äußerte sie sich in seinem Fall nicht im Ausbleiben von erzielten Toren, sondern in Problemen beim Verteidigen, aber sie war da. In der Länderspielpause verursachte er im Duell mit England (3:3) in seinem fünften DFB-Auftritt schon zum dritten Mal einen Elfmeter, bei der Niederlage kurz darauf gegen den 1. FC Köln (2:3) ließ er im Vorfeld des 1:2 Ex-Dortmunder Steffen Tigges aus den Augen.
"Es ist tatsächlich ein schmaler Grat", erklärte er im Gespräch mit den "Ruhr Nachrichten" und führte aus: "Ich bin ein Spieler, der manchmal zu sehr ins Risiko geht. Und dann kommen immer noch ein paar Momente dazu, in denen ich Konzentrationsprobleme habe – wie zuletzt in der Nationalmannschaft."
Gegen die Bayern hielten sich besagte Konzentrationsprobleme in Grenzen, Schlotterbeck, der im Abwehrzentrum zunächst an der Seite von Mats Hummels und später neben Niklas Süle verteidigte, hielt sich über weite Strecken schadlos.
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Nico Schlotterbeck im Duell mit Leroy Sané
Fotocredit: Getty Images
Mit einer Zweikampfbilanz von 66,7 Prozent wies er die beste Quote aufseiten des BVB vor, zudem verbuchte er mit fünf klärenden Aktionen sowie zehn Balleroberungen Spitzenwerte, ehe er zum Flankengott avancierte.
Obwohl Schlotterbeck später der kontroversen Meinung war, dass Dortmund "bei den Chancen sogar noch einen Tick besser" als die Bayern gewesen sei, das Spiel aber dennoch nicht gewonnen habe, durften er und seine Kollegen sich als moralische Sieger fühlen. Ein Umstand, der den regelmäßig strauchelnden Westfalen Rückenwind für die kommenden Aufgaben geben sollte.
BVB hat zwei Statement-Spiele vor der Brust
Diese haben es nämlich in sich. Am Dienstagabend (21:00 Uhr im Liveticker) kann Dortmund den vorzeitigen Einzug ins Champions-League-Achtelfinale klarmachen. Wie schon in der vergangenen Woche heißt der Gegner FC Sevilla. Den Verantwortlichen würde eine ähnliche Leistung wie im Hinspiel (4:1) gegen die kriselnden Andalusier, die in der Zwischenzeit Trainer Julen Lopetegui durch Jorge Sampaoli ersetzt haben, sicherlich zupasskommen.
Am kommenden Sonntag (17:30 Uhr im Liveticker) steht schon die nächste Bewährungsprobe in der deutschen Beletage an. Die Borussen reisen zum Überraschungsteam Union Berlin an die Alte Försterei nach Köpenick.
Ein Pflaster, das sich bis dato als nicht sonderlich erfolgsversprechend entpuppt hat. Seit dem Aufstieg der Eisernen gab sich der BVB dort dreimal die Ehre, zweimal setzte es eine Niederlage, nur einmal entführte man drei Punkte ins Ruhrgebiet.
Süle mit Lob: "Schlotti ist sehr, sehr weit"
Zwei Statement-Spiele für Dortmund, zwei Partien für Schlotterbeck, um zu zeigen, dass er trotz seines recht jungen Alters von 22 Jahren in der Lage ist, mit der nötigen Konstanz aufzuwarten.
Einen großen Fürsprecher hat er in Niklas Süle, qua Position eigentlich direkter Konkurrent, gefunden. "Schlotti ist sehr, sehr weit", sagte der Ex-Münchner am Montaga auf der Pressekonferenz und schob nach: "Er ist erst drei Monate hier und hat noch sehr viel Potenzial."
Der vier Jahre ältere Süle sei stets bereit "gewisse Aktionen" mit Schlotterbeck zu besprechen, sollte dieser den Wunsch äußern und auf die größere Erfahrung Süles zurückgreifen wollen. Grundsätzlich sehe Süle aber nicht zwingend die Dringlichkeit, seinem Kumpel unter die Arme zu greifen.
Schlotterbecks "Neuland"
"Er ist ein außergewöhnliches Talent und ein außergewöhnlicher Spieler, der sehr viel mitbringt und über großes Selbstvertrauen verfügt", sagte Süle.
Der gebürtige Frankfurter weiter: "Das braucht man in einem großen Verein. Es ist für ihn Neuland, alle drei Tage zu spielen und zu performen. Hier geht es darum, die Spiele zu gewinnen und attraktiven Fußball zu spielen. Das nimmt er sehr gut an."
Neuland wird in der Regel irgendwann zu gewohntem Terrain. Schlotterbeck tut gut daran, diesen Prozess zu beschleunigen und die "Konzentrationsprobleme" abzustellen. In seinem Sinne und im Sinne des BVB.
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Quelle: Perform
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