BVB: Niklas Süle zwischen Missmut und Druck - gegen PSG wartet die nächste Bewährungsprobe
Niklas Süle wurde im vergangenen Jahr von Borussia Dortmund als potenzieller Führungsspieler vom FC Bayern verpflichtet. In dieser Saison wird der Innenverteidiger diesem Anspruch jedoch nicht gerecht, zuletzt fand Süle sich häufig auf der Ersatzbank wieder. Die Reservistenrolle sorgt offenbar für reichlich Unmut im Süle-Lager - Trainer Edin Terzic machte seinem Sorgenkind nun Hoffnung.
Problem Mbappé: Terzic erklärt BVB-Defensivstrategie
Quelle: Perform
Niklas Süle kommt rein optisch nicht wie ein Filigrantechniker daher. Dass der gelernte Zehner über eine durchaus ansprechende fußballerische Feinmotorik verfügt, hat er in der Vergangenheit aber immer mal wieder bewiesen.
Unter anderem am Samstag gegen RB Leipzig (2:3), als er sich im Rücken der Bullen-Abwehr davonstahl und eine punktgenaue Flanke von Julian Brandt technisch anspruchsvoll mit der Innenseite volley im langen Eck zum 1:1 unterbrachte (45.+6). Mit breitem Grinsen zog Süle von dannen, setzte zum Luca-Toni-Gedächtnisjubel an.
Es war einer der wenigen Glücksmomente für den 28-Jährigen in den vergangenen Monaten, allzu viel zu lachen hatte Süle in der laufenden Saison nun wahrlich nicht.
War er nach seinem Sommer-Transfer 2022 vom FC Bayern zumeist gesetzt, fand er sich zuletzt regelmäßig auf der Bank wieder. Deutlich zu wenig für einen Spieler, der mit dem selbst gesteckten Ziel ins Ruhrgebiet gewechselt war, fortan als potenzieller Führungsspieler zu fungieren.
Terzic: "Niklas weiß, woran er ist"
Dass Süle von seinen Konkurrenten Mats Hummels und Nico Schlotterbeck weitestgehend ausgestochen wurde, belebte einmal mehr die Diskussionen um seine Essgewohnheiten und den damit verbundenen Fitnesszustand. Öffentlich thematisiert wird Süles Lebenswandel von Borussia Dortmund freilich nicht, Medienberichten zufolge seien die Verantwortlichen aber diesbezüglich ein ums andere Mal als Mahner in Erscheinung getreten.
"Niklas weiß, woran er ist. Und woran er noch arbeiten muss", gab Trainer Edin Terzic beispielsweise Ende Oktober kryptisch zu verstehen. Reservist blieb er bei den Schwarz-Gelben in der Folge dennoch. Auch in der Nationalmannschaft war Süle jüngst außen vor, nach den jeweils erschreckend schwachen DFB-Auftritten gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) vor wenigen Wochen stand für den 49-maligen Nationalspieler keine Einsatzminute zu Buche.
Und das, obwohl Bundestrainer und Süle-Förderer Julian Nagelsmann am Rande des vorangegangenen Lehrgangs einen Monat zuvor noch recht deutlich erklärt hatte, was er von dem gebürtigen Frankfurter erwarte: "Er muss an seine maximale Leistung herankommen und den Anspruch haben, in Dortmund absoluter Stammspieler zu sein", so Nagelsmann. Er ergänzte: "Ob rechts oder innen, ist zweitrangig. Nicht nur mitzulaufen, sondern eine tragende Rolle zu spielen."
Süle offenbar mit Rolle unzufrieden
Davon ist Süle, wie bereits skizziert, weit entfernt. Von 1260 möglichen Spielminuten absolvierte er in dieser Saison lediglich 476, nur dreimal setzte Terzic von Beginn an auf ihn. Ein Umstand, der offenbar für reichlich Missmut auf allen Seiten sorgt. Wie "Sky" unlängst berichtete, hadert Süle mit seiner Rolle in Dortmund, kürzlich habe demnach sogar ein zweistündiges Gespräch zwischen BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl und Süles Berater Volker Struth stattgefunden.
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Niklas Süle musste zuletzt häufig auf der Bank Platz nehmen
Fotocredit: Getty Images
Der Tenor sei gewesen, dass der Klub sich mehr von Süle erhoffe. Ein vorzeitiger Wechsel wurde angeblich aber nicht in Erwägung gezogen. Mehr machte Süle schließlich im besagten Duell mit Leipzig, musste allerdings nach überstandenem grippalen Infekt aufgrund eines Platzverweises gegen Hummels (15. Minute) früher und länger ran als geplant.
Dabei zeigte er tatsächlich - Achtung, Floskel - nicht nur wegen seines Tores eine solide Leistung. Einziger Makel: Im Vorfeld des zwischenzeitlichen 1:2 durch Christoph Baumgartner (53.) setzte er eine unglückliche Grätsche gegen den Österreicher.
"Niklas musste sich gedulden"
Terzic schien dennoch Gefallen am Auftritt des Sorgenkindes gefunden zu haben. "Niklas musste sich gedulden. Wir wussten, dass wir uns, wenn er fleißig ist, immer auf ihn verlassen können", sagte der BVB-Coach am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem abschließenden Champions-League-Gruppenspiel gegen Paris Saint-Germain (21:00 Uhr im Liveticker). Dortmund und die Wohlfühloase namens Königsklasse.
So enttäuschend die vergangenen Auftritte in der Liga und im DFB-Pokal waren, in der Beletage des europäischen Klubsfußballs gab Terzics Mannschaft ein deutlich positiveres Bild ab.
Vor dem Aufeinandertreffen mit PSG grüßt man in der Todesgruppe (neben Paris sind die AC Mailand und Newcastle United vertreten) von Platz eins, ein Remis gegen das französische Starensemble reicht zum Gruppensieg.
Süle: Chance gegen PSG?
Süle dürfte jedenfalls bei ebenjener Mission zum Hauptdarsteller avancieren. Aufgrund der prekären personellen Lage in der Defensive (Thomas Meunier nicht für die CL gemeldet, Julian Ryerson verletzt, Emre Can gesperrt und Marius Wolf angeschlagen) winkt dem Edelreservisten ein Platz in der Startelf. Entweder im Abwehrzentrum oder als Rechtsverteidiger. Egal, wo Süle letztlich spielt, auf jeden Fall bekommt er es mit Superstar Kylian Mbappé zu tun.
Eine "schwierige" Aufgabe, wie Terzic kurz und knapp feststellte. Aber eben auch eine, der ein gut aufgelegter Süle gewachsen sein kann. "Jetzt ist die Zeit, in der wir ihn brauchen und jetzt ist die Chance, in der er seine Chance nutzen will."
Eine klare Marschroute des Übungsleiters, der subtile Hinweis, dass Süle seine neuerliche Bewährungschance nicht verstreichen lassen sollte. Das erwartet nicht nur Terzic, sondern auch die Bosse, die Fans und allen voran Süle selbst.
Wer weiß, womöglich dient die kolportierte Unzufriedenheit sogar als Antrieb.
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