Drei Dinge, die bei Borussia Dortmunds Sieg im Rückspiel gegen PSG auffielen: Gelbe Wand aus Aluminium
Update 08/05/2024 um 02:55 GMT+2 Uhr
Angeführt von Mats Hummels sichert sich der BVB mit einer heroischen Mannschaftsleistung den Einzug ins erste Champions-League-Finale seit 2013. Die Dortmunder Innenverteidiger schalten Paris' Superstar Kylian Mbappé erneut aus und bewerben sich für ein EM-Ticket. Der BVB hat PSG über weite Strecken gut im Griff, braucht aber auch eine große Portion Glück. Drei Dinge, die auffielen.
PSG-Boss ärgert sich über Alu-Treffer: "Fußball ist hart"
Quelle: Perform
Borussia Dortmund ist zum dritten Mal in seiner Geschichte ins Champions-League-Finale eingezogen. Die Dortmunder siegten dank eines Treffers von Mats Hummels (50.) gegen Paris St.-Germain mit 1:0 (0:0).
Der BVB trifft damit im Endspiel am 1. Juni im Londoner Wembleystadion entweder auf Real Madrid oder den FC Bayern München, die am Mittwoch das zweite Finalticket untereinander ausmachen (21:00 Uhr im Liveticker).
"Wir mussten unfassbar leiden, aber danach fragt morgen keiner mehr. Da steht nur der Name Borussia Dortmund", sagte Marco Reus nach Schlusspfiff bei "DAZN". "Jetzt müssen wir den Pokal auch holen, sonst wär das Scheiße."
Drei Dinge, die uns beim Sieg von Borussia Dortmund in Paris auffielen.
1.) Hallo, Julian! Hummels und Schlotterbeck in EM-Form
Als Julian Nagelsmann seinen Kader für die März-Länderspiele bekanntgab, war es keine Überraschung, dass bis auf Niclas Füllkrug keine BVB-Spieler auf der Liste des Bundestrainers auftauchten. Und nach den überzeugenden Länderspielen schien die EM-Nominierung für die Ausgebooteten auch in weite Ferne gerückt zu sein.
Durch den Einzug des BVB ins Champions-League-Finale steht Nagelsmann aber vor einer größeren Aufgabe, als er vor einigen Wochen noch gedacht hatte. Gerade Mats Hummels und Nico Schlotterbeck klopfen zuletzt heftig an die Tür zum EM-Kader, den Nagelsmann am 16. Mai zumindest in seiner vorläufigen Form benennen wird.
Die Fragen werden auf jeden Fall lauter werden, ob Deutschland auf die Innenverteidiger des CL-Finalisten verzichten und dafür die international wenig erprobten Robin Koch und Waldemar Anton aufbieten soll.
Wie schon in Dortmund verriegelten die beiden Innenverteidiger mit Zweikampfstärke sowie Antizipationsfähigkeiten das Zentrum, blockten in der Pariser Drangphase zum Spielende Schüsse und waren auch im Spielaufbau weitgehend sicher. Bezeichnend auch wie mutig Schlotterbeck im Dribbling vor der Entstehung des Eckstoßes, der zum Siegtreffer führte, nach vorne ging.
Hummels hatte bereits vor dem Spiel eine Lanze für seinen Innenverteidiger-Kollegen gebrochen - und ein kleines bisschen auch für sich.
"Ich finde, Schlotti kommt in den letzten Jahren viel zu negativ weg. Er ist ein großartiger Verteidiger, ein richtig guter Typ und auch ein Anführer geworden, er hat die richtige Einstellung. Da lehne ich mich aus dem Fenster und sage: An ihm wird Fußballdeutschland in den nächsten Jahren noch viel Spaß haben", sagte Hummels.
"Wenn er am Ende mitdarf, freut mich das fast so sehr, wie wenn ich selbst mitdarf, weil das auch eine Bestätigung für das ist, was wir machen", ergänzte Hummels.
Und mit fast schon seherischen Fähigkeiten im Hinblick auf sein Kopfballtor meinte Hummels: "Wenn er jetzt noch den Offensivkopfball mit mir trainiert, bin ich vollends zufrieden."
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Quelle: Perform
2. Enriques Schachzug ohne Wirkung
Der Begriff Starensemble fällt in Verbindung mit Paris Saint-Germain immer wieder. Bei genauerer Betrachtung ist nach den vielen Abgängen aber eigentlich nur noch ein großer Star übrig geblieben: Kylian Mbappé.
Ihn ins Spiel zu bringen, ist daher die oberste Prämisse der Franzosen. In Dortmund gelang das nur selten, als er als zentrale Spitze agierte und von Ousmane Dembélé und Bradley Barcola flankiert wurde.
Durch die Hereinnahme von Goncalo Ramos als Mittelstürmer konnte man Mbappé auf seiner Lieblingsposition als linker Flügelstürmer erwarten. Doch Trainer Luis Enrique positionierte Mbappé auch im Rückspiel nah am Zentrumsspieler Ramos. Dazu zog Dembélé ebenso immer wieder auf die Halbposition nach innen, während Achraf Hakimi auf rechts und Nuno Mendes auf links sehr hochschoben.
Die Folge: ein extrem statisches, ideenloses Spiel der Franzosen. Aus der Defensive oder aus dem Mittelfeld wanderte der Ball ziemlich langsam auf die Außenspieler und von dort wieder zurück, ohne den kompakt und diszipliniert verteidigenden BVB in allzu große Schwierigkeiten zu bringen.
Erst mit dem Rückstand ging PSG deutlich höheres Risiko, bekam etwas mehr Zug ins Spiel und entfachte zumindest in der Schlussphase dauerhaften Druck auf das Dortmunder Tor. Mbappé im Zentrum fanden die Pariser aber weiterhin nicht.
Dass es ein gebrauchtes Halbfinale für den Franzosen war, zeigte auch die letzte Szene des Spiels, als Mbappé nochmal frei durch war, aber plötzlich ausrutschte.
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Fotocredit: Getty Images
3. Schwarz-Gelbes Zentimeter-Glück
Im Großen und Ganzen war PSG ein dankbarer Gegner für den BVB. Eine Ballbesitzmannschaft, die ohne große Tempowechsel und mit wenig Kreativität rund um den Dortmunder Block spielte. Dass die Dortmunder in diesen Spielen die nötige Mentalität und Leidensfähigkeit besitzen, haben sie in dieser CL-Saison und in der Bundesliga beispielsweise auch beim Sieg in München bewiesen.
Gegen Paris kam in beiden Spielen auch viel Glück dazu.
In Dortmund hatte der BVB bei zwei Pfostenschüssen innerhalb von fünf Sekunden schon Fortuna auf seiner Seite. In Paris knallte es gleich vier Mal am Aluminium rund um Gregor Kobel. Es waren jeweils nur Zentimeter, die PSG von einem Treffer und damit auch wachsendem Selbstvertrauen und noch mehr Schwung in der Schlussoffensive trennten.
Mehr als knapp war auch die einzige Szene, in der der ansonsten überragende Hummels mit einer Grätsche gegen Dembélé zu kurz kam. So gab es statt eines Elfmeters nur Freistoß, den Marco Asensio einem eigenen Mitspieler in den Rücken schoss - sinnbildlich für dieses Halbfinalduell.
Für Paris sollte es nicht sein, der BVB war unüberwindbar. Eine wahre gelbe Wand.
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