FC Bayern München - Keine Zweifel an Kimmich: Tuchel und Neuer erklären Debatte für beendet

Joshua Kimmich kommt seit Monaten die zweifelhafte Ehre zu, der meistkritisierte Profi des FC Bayern München zu sein. Beim triumphalen 4:0-Gastspiel in Dortmund fehlte der 28-Jährige gesperrt, was die unangenehme Frage aufwarf, ob es auf der Sechs nicht auch ohne ihn gehe. Trainer Thomas Tuchel und Torhüter Manuel Neuer haben die Debatte nun im Keim erstickt und sich klar hinter Kimmich gestellt.

Mittelfeld-Debatte: Neuer stärkt Kimmich den Rücken

Quelle: Perform

Die Kritiker von Joshua Kimmich, und davon gab es zuletzt doch einige, haben Oberwasser.
Zumindest auf den ersten Blick, schließlich haben die Bayern ihre drei besten Bundesliga-Halbzeiten der Saison ohne Kimmich gespielt.
Aufgrund seiner Roten Karte erlebte der 28-Jährige die Acht-Tore-Hälfte gegen Darmstadt ebenso als Zuschauer wie die 4:0-Gala bei Borussia Dortmund. Beim Pokal-Aus in Saarbrücken (1:2) stand er dagegen auf dem Feld.
Die polemische Frage, die das aufwirft, lautet: Sind die Münchner ohne Kimmich im Mittelfeld vielleicht sogar besser dran? Besteht die stärkste Doppel-Sechs aus Leon Goretzka und Konrad Laimer?
Hat die Riege der prominenten TV-Experten um Lothar Matthäus, Dietmar Hamann, Mario Basler und Mehmet Scholl recht mit ihrer Kritik an den Leistungen des Bayern-Stars?

Neuer gibt Kimmich volle Rückendeckung

Eins steht fest: Bei Bayern selbst kann man mit diesen Vorwürfen ziemlich wenig anfangen.
"Wenn ich mir eine Mannschaft aussuchen kann und der Jo steht zur Verfügung, dann will ich immer mit ihm spielen", ließ Torhüter Manuel Neuer auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Galatasaray (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker) nicht den geringsten Zweifel an Kimmich aufkommen: "Er ist ein Leader, einer, der den Willen hat, die Spiele zu gewinnen. Ich fühle mich wohl mit ihm auf dem Platz."
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Quelle: Perform

Wenige Minuten später bekannte sich auch Trainer Thomas Tuchel zum defensiven Mittelfeldspieler, nicht ohne ein schelmisches Grinsen. Kimmich sei natürlich weiterhin ein "absoluter Stammspieler und Fixpunkt" im Kader und werde gegen Istanbul auflaufen.
Aber, und das war interessant: Ob der Nationalspieler den Sechser gibt oder als Rechtsverteidiger zum Einsatz kommt, ließ Tuchel offen.

Kimmich als Rechtsverteidiger bei Bayern?

Denn: Goretzka und Laimer hätten gegen die Borussia - wie das ganze Team - ihre Sache auf der Sechs "herausragend gut" gemacht, bestätigte der Bayern-Trainer. Es sei aber nicht zielführend, die Defensive deshalb nicht umzubauen.
"Wir können nicht einfach alles so lassen wie gegen Dortmund. Dazu kommt, dass Gala komplett anders spielt als der BVB", dozierte Tuchel. Bei Goretzka etwa, der nach seinem Mittelhandbruch vor knapp drei Wochen mit Schiene spielen muss, wolle er erneut erst einmal "das Abschlusstraining abwarten".
Fällt der 28-Jährige tatsächlich aus oder wird geschont, dürfte Kimmich vor der Viererkette wie gewohnt auf der Sechs auflaufen. Steht Goretzka in der Startelf, wäre es durchaus denkbar, dass Tuchel ihn nach rechts hinten beordert.
Ein Rollentausch, den auch Laimer diverse Mal durchlaufen hat. Gegen Galatasaray spricht aber wenig dafür, schließlich muss der Österreicher am kommenden Wochenende gegen Aufsteiger Heidenheim (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker) zurück auf die Sechs, da Kimmichs Rot-Sperre in der Liga erst nach der Partie ausläuft.

Tuchel-Rotationen in der Abwehr

"Ich glaube, dass es für unsere Mannschaft sehr gut wäre, wenn wir wenig wechseln", betonte Tuchel. Diese Eingespieltheit habe der Kader aktuell aber nur im Angriff: "Ein wichtiger Punkt für die gute Offensive und die Abläufe ist der, dass sich ein paar Jungs dort festgespielt haben. In der Abwehr ist das aufgrund der Verletzungsthematik schwieriger."
Das erkläre die vielen Rochaden. "Wir wechseln oft die Formationen in der Abwehr und auf den Sechser-Positionen", erläuterte der Coach. Das werde sich bis zum Winter nicht ändern - Stichwort: Belastungssteuerung. "Da müssen wir schlau sein. Wir haben am Samstag wieder ein Spiel, wollen wieder gewinnen", so Tuchel.
Das betreffe nicht nur Laimer, Goretzka und Kimmich, sondern auch die Defensive dahinter. "Wenn Upamecano morgen spielt, wird das natürlich die Besetzung der Innenverteidigung am Samstag beeinflussen. Ich glaube nicht, dass es zu verantworten, ihn in eine englische Woche reinzuschicken", sagte Tuchel mit Bezug auf die Oberschenkelverletzung, die den Franzosen bis zum Dortmund-Spiel außer Gefecht gesetzt hatte.
Beim BVB reichte es bei Upamecano, der das 1:0 köpfte, zumindest schon für 60 starke Minuten.

Heikle Situation wegen Kimmichs Vertrag

Die dünne Personaldecke in den hinteren Mannschaftsteilen ist mit ein Grund, weshalb Kimmichs Einsatz gegen Galatasaray so wichtig ist. "Das gibt uns die Möglichkeit, jemand anderen für Samstag eine kleine Verschnaufpause zu geben", erläuterte der Trainer. Ein lustiger Satz über einen Stammspieler.
Insgesamt tut Bayern gut daran, Kimmich nicht zu verprellen. Was gerne vergessen wird: Im Hintergrund, auf geschäftlich-strategischer Ebene, müssen die Bayern die Vertragssituation im Auge behalten. Kimmichs Arbeitspapier in München läuft am 30. Juni 2025 aus, er wäre dann zehn Jahre im Klub - und könnte ohne Ablöse gehen. Gerüchte um einen Wechsel, der FC Barcelona machte zeitweise die Runde, gibt es bereits seit einiger Zeit.
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Quelle: Perform

Noch weist Kimmich derartige Spekulationen zurück. "Ich habe noch zwei Jahre Vertrag beim FC Bayern und wir haben dort Großes vor", stellte er im Juni klar. Nach aktueller Lage hätte der FCB im Sommer 2024 aber letztmals die Chance, eine satte Ablöse einzustreichen. Im Interesse des Vereins ist das allerdings nicht.
Michael Reschke, ehemaliger Technischer Direktor und Kaderplaner beim FC Bayern, würde einen Abgang des Mittelfeldmotors nicht ausschließen. "Irgendwann ist vielleicht auch einfach mal der Punkt erreicht, an dem du für dich entscheidest, etwas anderes zu machen", setzte er sich im Gespräch mit "Sport1" für den Spieler ein, den er einst 2015 mit Pep Guardiola zum FC Bayern geholt hatte.
"Keiner, der sich ernsthaft mit Profifußball auseinandersetzt, kann einem solchen Spieler die Qualität und die Konstanz absprechen", führte er weiter aus. Reschke gestand aber auch ein, dass sich Kimmich zurzeit nicht auf seinem absoluten Hoch befindet. "Ihm fehlen diese absolute Sicherheit und Selbstverständlichkeit, die ihn in den vergangenen Jahren immer ausgezeichnet haben."
Dennoch sei die stete Kritik an Kimmich unberechtigt. "So etwas bekommt man als Spieler natürlich mit, wenn da solche Negativ-Diskussionen entstehen. Dazu noch die Debatte um seine Position. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass einige Meinungsmacher immer bewusst nach etwas Negativem bei Jo suchen."

Bringt Kimmich die Kritiker zum Schweigen?

In der Meisterschaft darf Kimmich am 12. Spieltag gegen den 1. FC Köln wieder ran - und wird alles dafür tun, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Dass diese Urteile in der Summe unfair und zu massiv sind, wissen die TV-Experten genauso gut wie der Spieler und sein Trainer. Die Frage, die Tuchel beantworten muss, lautet nicht, ob Kimmich spielt - sondern wo.
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Quelle: Perform

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