Unter dem Strich stand der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals. Ein wichtiger Sieg für den BVB, weil der Wettbewerb - trotz des Einzugs in die K.o.-Phase der Champions League - dem Verein die beste Möglichkeit bietet, in dieser Saison einen Titel zu holen.
Nach dem mühsamen Sieg über den SC Paderborn sind dazu "nur" noch drei Siege nötig.
Insofern konnte Dortmunds Trainer Edin Terzic nach kräftezehrenden 120 Minuten zufrieden lächeln und die Konzentration auf die nun kommenden Aufgaben in der Bundesliga lenken. Torschütze Emre Can betonte schlicht: "Das war ein Pokalspiel. Am Ende zählt nur der Sieg."
DFB-Pokal
Baumgart platzt der Kragen: "Es geht für uns um zwei Millionen!"
02/02/2021 AM 23:47
Würde man das zunächst dahinplätschernde, hintenraus dann grotesk spektakuläre Spiel im Signal-Iduna-Park so nüchtern betrachten, ginge aber viel verloren.
Drei Dinge, die uns auffielen.
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1. Das ist eine gute Frage

Die Anfangsphase war durchaus vorzeigbar.
Zwei schnelle Tore erzielte die Borussia durch Emre Can (6.) und Jadon Sancho (16.) und sah gegen den Zweitligisten relativ fix wie der sichere Sieger aus. Dann aber passierte etwas, das so nicht abzusehen war.
Der BVB nahm den Fuß vom Gas, verlangsamte die eigenen Aktionen und holte den SCP so zurück in die Partie. Die Gäste nahmen dankend an und gestalteten das Spiel fortan ausgeglichen.
"Wir haben uns die Sache viel zu schwer gemacht. Das darf nicht passieren. Warum das aber so war, das ist eine gute Frage", sagte der Dortmunder Thomas Delaney bei "Sky" und wirkte dann doch etwas ratlos. Er trauerte vor allem dem vorentscheidenden dritten Tor nach, welches man nicht erzielt hatte.
"Dann", so sagte der Däne weiter, "läuft so ein Spiel manchmal einfach für den Gegner. Die kamen hier an, hatten nichts zu verlieren und ihre Sache am Ende gut gemacht."

Abseits oder nicht in der Nachspielzeit? BVB-Coach Terzic äußert sich

Das stimmte zwar, dürfte als Entschuldigung für das Verspielen einer deutlichen Führung gegen einen Zweitligisten dennoch etwas dünn sein. Besonders Coach Terzic dürfte sich in den kommenden Tagen damit beschäftigen und nach Gründen suchen.
Immerhin hatte sich sein Team 30 kraftraubende Extra-Minuten eingebrockt, die im enggetakteten Terminkalender zum Nachteil werden können.
"Wir haben nach unseren ersten beiden Toren auf Ballbesitz verzichtet und sind nur noch hinterhergelaufen", bemängelte der 38-Jährige. "Am Ende wurde es dann richtig spannend. Das gefällt uns natürlich gar nicht. Es ist unerklärlich."
Terzic versuchte sich schließlich doch und benannte die zu enge Spielweise, die schlechte Raumaufteilung und das gute Paderborner Pressing als ausschlaggebende Faktoren.
Die mentale Stärke, in der Verlängerung schließlich doch noch zu gewinnen, fand der BVB-Coach dann aber "richtig gut".
Und so steht die Borussia - unabhängig von allen Mühen und Strapazen - nun aber doch im Viertelfinale und hält damit alle Zügel in der eigenen Hand. Der FC Bayern und Bayer Leverkusen sind immerhin bereits ausgeschieden. "Es ist eben nicht immer einfach", meinte Delaney und hatte schon wieder recht.
"Ob wir jetzt der große Favorit sind, müssen andere entscheiden", meinte Emre Can. Fest stehe aber, dass es nur noch "zwei Spiele bis Berlin" sind, sagte der Nationalspieler. "Da müssen wir hin und dann das Ding holen. Einfach gewinnen."
Egal wie...

BVB-Coach Terzic im Kreis seiner Spieler

Fotocredit: Getty Images

2. Zwei Entscheidungen, die Zündstoff bieten

Es war eine Wutrede, wie es sie vorher in der deutschen Fußballgeschichte nur selten gegeben hatte.
Paderborns Trainer Steffen Baumgart redete sich am "ARD"-Mikrofon nach dem Spiel dermaßen in Rage, dass wohl selbst Giovanni Trappatoni ("Ich habe fertig") und Thomas Doll ("Da lach ich mir doch den Arsch ab") in den heimischen Fernsehsesseln anerkennend mit dem Kopf genickt haben dürften.
In aller Ausführlichkeit drosch der 49-Jährige verbal auf Schiedsrichter Tobias Stieler ein, von dem er sich in der entscheidenden Spielszene - vorsichtig ausgedrückt - verschaukelt fühlte.
Der Unparteiische hatte in der fünften Minute der Verlängerung das Siegtor von Erling Haaland anerkannt, obwohl selbst im Kölner Videoraum nicht eindeutig zu klären gewesen war, ob beim Pass auf den Norweger noch Paderborner Spieler am Ball war. Dies nämlich hätte die Abseitsposition des BVB-Torjägers aufgehoben.
Stieler jedenfalls war sich sehr sicher und gab das Tor, ohne sich die Szene noch einmal am Monitor anzuschauen. Das brachte Baumgart auf die Palme.
"So ein Spiel so abzugeben, daraus eine Berührung des Balles zu machen, ist frech. Nicht rauszugehen, um sich das anzugucken, das ärgert mich. Da machen wir uns zum Affen. Respekt bedeutet auch, sich den Scheiß anzugucken, und nicht den Kleinen wieder in den Arsch zu treten", wetterte Baumgart, dem auch die finanziellen Folgen der Pokal-Niederlage zu schaffen machten.

Baumgart legt nach: "Schiedsrichter hat uns den Abend versaut"

"Es geht für uns um zwei Millionen! Ich bin keine Aktiengesellschaft, wir kämpfen um jede müde Mark", rechnete der Trainer vor. Er sei gespannt, ob er nun einen Brief vom DFB erhalte.
Weit nach Schlusspfiff sah sich sogar der DFB bemüßigt, die Situation in einem Tweet zu erklären. Das letzte Wort dürfte in dieser Causa noch nicht gesprochen sein.
Schon kurz vorher hatte Stieler im Mittelpunkt gestanden. In den letzten Zügen der regulären Spielzeit musste der 39-Jährige das dritte Dortmunder Tor durch Haaland zurücknehmen und stattdessen einen Elfmeter für Paderborn geben.
Eine Entscheidung, die schlussendlich richtig getroffen wurde. Das Foul von Felix Passlack an Sebastian Schonlau war unstrittig. Trotzdem war Stieler der Druck, der sich mit laufender Spielzeit aufgebaut hatte, anzumerken.
Äußern wollte er sich nach dem Spiel nicht. Die Vorwürfe Baumgarts ließ er im Raum stehen.

Erling Braut Haaland

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3. Der norwegische Motor läuft

Was wäre Borussia Dortmund nur ohne Erling Haaland?
Diese Frage dürften sich am Dienstagabend nicht wenige Beobachter des Spiels des Vizemeisters gegen den Zweitligisten aus Ost-Westfalen gestellt haben. Denn wieder einmal war es in der Endabrechnung dem Norweger zu verdanken, dass der BVB ein durchwachsenes Spiel mit einem Sieg abschloss.
Nicht nur, weil er das entscheidende Tor erzielt hatte, ist Haalands Leistung hervorzuheben. Es ist sein unbändiger Wille, diese unbedingte Lust, sich zu quälen, die ihn zum Unterschiedspieler in Schwarz-Gelb macht - auch gegen Paderborn.
Unentwegt zog er Sprints an, lief jedem Pass nach und beschäftigte seine unmittelbaren Gegenspieler. Sogar in der 120. Minute war er noch zu schnell für seine Bewacher, ließ beim Querpass vor dem Tor aber die letzte Genauigkeit verpassen.
Dass nicht alle Kollegen die Einstellung Haalands spiegeln, wird besonders in engen Spielen deutlich. Wäre dies aber der Fall, könnte sich der BVB berechtigte Hoffnungen auf eine Aufholjagd in der Liga und Erfolg in beiden Pokalwettberwerben machen.
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