Aus Gladbach berichtet Andreas Morbach
Als auch das vierte Spiel nach Bekanntgabe seines Abschieds aus Gladbach verloren war, leistete Marco Rose zunächst mal erste Hilfe.
Am dringendsten Unterstützung benötigte der Algerier Ramy Bensebaini, der nach dem 0:1 gegen Dortmund wie ein Häuflein Elend auf dem Rasen hockte.
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03/03/2021 AM 00:07
Rose steuerte auf den tief enttäuschten Linksverteidiger zu und zog ihn hoch.
Dann klatschte er, mehr erschöpft als aufmunternd, die anderen Protagonisten des Pokalabends ab und verschwand anschließend rasch ins Stadioninnere.

Ergebniskrise hinterlässt Spuren bei Rose

Mutmaßlich noch ein Spiel in der Champions League - insofern Gladbach nach dem 0:2 im ersten Duell mit Manchester City im Rückspiel am 16. März keine Sensation glückt - und elf Bundesligapartien warten auf den gebürtigen Leipziger am jetzigen Arbeitsplatz noch.
Dann wechselt er als Cheftrainer nach Dortmund - zu dem Klub, der den Niederrheinischen das ohnehin schon komplizierte Dasein am Dienstagabend noch schwieriger gemacht hat. Allen voran dem 44-jährigen Rose, der nach dem Viertelfinal-Aus im nationalen Cup bekannte: "Man kann mir glauben, dass die Situation auch mich fordert. Das geht auch an mir nicht spurlos vorbei."

Pokalfight: Gladbach contra Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Zur Verdeutlichung erwähnte der Dompteur der angeschlagenen Fohlenelf deren gruselige Bilanz der vergangenen Wochen: Seit sechs Spielen sieglos, fünf davon sogar verloren. Das letzte Erfolgserlebnis des Rautenklubs, das 2:1 im Pokal-Achtelfinale in Stuttgart, datiert vom 3. Februar.
Einen Monat später droht den Gladbachern eine Saison, in der sie im Herbst kontinentalen Schwergewichten wie Real Madrid oder Inter Mailand mit zum Teil extrem mutigen Auftritten Paroli boten und im Januar in der Liga noch die Bayern und Dortmund in die Knie zwangen, nun komplett zu platzen.

Hofmann drängt auf den Umschwung

"Das ist eine schwierige Phase für uns. Wegreden können wir das nicht", erkannte der österreichische Rechtsverteidiger Stefan Lainer, der Rose vor zwei Jahren aus Salzburg nach Mönchengladbach gefolgt war. Schon seit Januar 2016 kickt Jonas Hofmann für den Klub aus der niederländischen Grenzregion – und ist trotz der aktuellen Probleme und der speziellen Konstellation mit Roses Gegenwart und Zukunft überzeugt, dass die Saison unter dem jetzigen Bank-Chef zu Ende gespielt wird.
"Mit der Art, wie er uns coacht, wie er auch menschlich zu Werke geht, wird er die Balance halten. Unsere Reaktion heute war entscheidend, die Mannschaft kämpft für ihn", betonte der Nationalspieler, der aber auch weiß: "Natürlich brauchen wir wieder Ergebnisse, müssen wieder gewinnen. Ansonsten geht das genau so weiter."

Eberl und Rose machen sich gegenseitig Mut

Dass es genauso wie bisher – also mit Rose als leitendem Coach – noch bis Ende Mai weitergeht, betonte auch Sportdirektor Max Eberl vor dem Dortmund-Spiel noch einmal. Er sehe den Grund nicht, warum es nicht funktionieren sollte, erklärte der gebürtige Niederbayer, der nach der Rückkehr aus seinem Sabbat-Monat Januar, verbracht beim Skifahren in den Bergen, in Gladbach gerade mal wieder eine besonders heikle Situation zu meistern hat.
Dabei setzt der 47-Jährige in bewährter Manier auf Ruhe und gegenseitiges Vertrauen. Im Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft sieht Eberl "nullkommanull Probleme", und das sei "das Entscheidende". Marco Rose dankte postwendend und kommentierte: "Das zeigt, was für eine Qualität er hat - als Sportdirektor und Mensch."

Pikante Partie gegen Leverkusen - um die Europa League

Den ersten weichen Fortschritten - gegen den BVB spielte Roses Team wieder mit mehr Überzeugung als zuletzt in Leipzig, gegen Manchester City oder Mainz, fing sich den entscheidenden Treffer jedoch nach einer eigenen Ecke ein - müssen sehr rasch aber auch nackte Resultate folgen.

Marco Rose - Borussia Mönchengladbach

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Die erneute Qualifikation für die Champions League ist bei derzeit neun Punkten Rückstand auf Rang vier ohnehin kaum noch zu schaffen. Das rheinische Duell gegen die ebenfalls strampelnden Leverkusener am Samstag (ab 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) bekommt da eine besonders pikante Note.
In den letzten zwei Jahren balgten sich die beiden Klubs bis zum Schluss jeweils um das letzte Ticket für die Königsklasse. Diesmal dürfte es in der sportlichen Konkurrenz eher um die Eintrittskarten in die Europa League gehen. Selbst da liegen die Gladbacher momentan vier Zähler zurück. Den dafür nötigen Platz sechs belegt aktuell: Wochenendgegner Leverkusen.
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