Keine Frage: RB Leipzig mausert sich zum Favoriten auf den DFB-Pokal. Ohne den FC Bayern im Wettbewerb, nur noch zwei Siege vom Titel entfernt – da darf man schon mal träumen.
"Siege sollten ein Suchtgefühl entwickeln und da sind die Jungs auf einem guten Weg", meinte Trainer Julian Nagelsmann nach dem 2:0 im Viertelfinale gegen den VfL Wolfsburg, in dem Leipzig zwar nicht glänzte, aber vorbildlichen Einsatz an den Tag legte und am Ende verdient gewann. "Emotionalität und Wille waren wirklich enorm", freute sich der Trainer.
Bei Wolfsburg trauerte man hingegen den vergebenen Chancen der ersten Halbzeit – allem voran einem verschossenen Elfmeter von Wout Weghorst – nach.
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"Wir haben leider die Tore nicht gemacht. Bitter für uns", sagte Torwart Koen Casteels, der erstmals nach 818 Pflichtspielminuten wieder bezwungen wurde. "Wir waren sehr nahe dran. Es war ein Spiel auf Augenhöhe."
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Was uns im Pokal-Viertelfinale in Leipzig sonst noch auffiel.

1. Weghorst baut einen Beckham

Wenn man "einen David Beckham baut", könnte das durchaus etwas Positives sein. War's im Fall von Wout Weghorst an diesem Abend aber nicht: In der 26. Minute jagte der Wolfsburger Angreifer ähnlich wie der Engländer in der Quali zur EM 2004 in der Türkei einen Elfmeter in den Nachthimmel – Weghorst war wie einst Beckham beim Schuss satt weggerutscht und fluchte hernach lautstark über den Rasen.
Auch Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner ging ein Wort mit "Sch" durch den Kopf, wie er erzählte. Die Schuldfrage war aber klar. "Da ist ein Riesenkrater danach. Da kann man Wout keine Schuld geben", meinte Maxi Arnold.
Über Kurzweil konnte man sich im Duell der Champions-League-Aspiranten nicht beklagen, allein mangelnde Präzision und zwei sehr starke Torhüter standen weiteren im Weg.
Insgesamt zehn Torwartparaden notierten die Statistiker, wobei Koen Casteels' (sechs Paraden) Husarenstück gegen den Kopfball aus kurzer Distanz von Christopher Nkunku (12.) sicher herausstach. "Ich hab' versucht, mich so groß wie möglich zu machen. Das war nur instinktiv", erklärte der Belgier.
Aber auch Peter Gulasci (vier abgewehrte Torschüsse) hatte seine Momente, hielt zum Beispiel klasse gegen Renato Steffen (45.), als er lange stehenblieb. "Da spielte auch Erfahrung eine Rolle", sagte Gulasci – und freute sich über den Halbfinaleinzug.
Wölfe-Trost für Weghorst gab es dagegen nicht. "Wout kann das allein verkraften", sagte Casteels: "Er hat genügend Erfahrung."

2. Poulsen und Sörloth knacken den Wolfsriegel

Bis Leipzig jubeln durfte, dauerte es bis zur 62. Minute. Wolfsburg war bis dahin 818 Pflichtspielminuten ohne Gegentor geblieben, da schickten sich Yussuf Poulsen und Alexander Sörloth mit einem doppelten Doppelpass an, Casteels und Co. den Abend zu versauen.
Zu allem (Wolfsburger) Übel war Poulsens Torschuss am Ende auch noch abgefälscht. "Bitter, weil er sonst mittig aufs Tor gekommen wäre", meinte der Wölfe-Keeper. "Da haben wir ein bisschen Glück", meinte Nagelsmann.
Kurz vor Schluss war es erneut Sörloth, der die Entscheidung mit einem beherzten Sprint über die rechte Seite heraufbeschwor – Hee-Chan Hwang traf zum 2:0 (88.). "Du weißt nie ganz genau, wann der Zeitpunkt kommt, an dem zu viel Ketchup auf dem Teller landet", meinte der RB-Trainer, der bei Sörloth zuvor schon von einem erhofften Ketchup-Effekt gesprochen hatte: "Ich hoffe, dass es so weitergeht."
"Er zeigt sich von seiner besten Seite. Schon am Wochenende war er entscheidend", freute sich Poulsen über den gelungenen Beitrag des erst in der 61. Minute eingewechselten Norwegers. Gegen die Borussia hatte der 25-Jährige zum 3:2-Sieg getroffen, nun wirkte er wieder entscheidend.

Alexander Sörloth (l. unten) und Yussuf Poulsen jubeln - RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg

Fotocredit: Getty Images

3. Leipzigs Umstellung bringt den Sieg

Hielt Wolfsburg in der ersten Halbzeit noch gut mit und war ab der 25 Minute sogar optisch überlegen, wendete sich nach der Pause das Blatt.
Grund dafür war vor allem eine taktische Umstellung von RB Leipzig – Nagelsmann hatte von Viererkette auf Dreierkette justiert (Haidara für Orban) und so die Leipziger im Zentrum besser ausbalanciert. Willy Orban hatte sich zwar auch am Handgelenk (Verdacht auf Bruch) verletzt, RB wollte aber auch "ein bisschen offensiver werden", wie Nagelsmann hinterher sagte.
RB bekam den Sechserraum jedenfalls fortan besser verteidigt, stand insgesamt sicherer im Raum und hielt die Wölfe so in der zweiten Halbzeit bei nur einem geblockten Torschuss.
"Wir haben Leipzig alles abverlangt, aber sie sind der verdiente Sieger. Auch weil wir es in der zweiten Halbzeit nicht geschafft haben, uns in der Offensive durchzusetzen", musste Glasner anerkennen.
"Die Jungs waren brutal engagiert und haben gefightet bis zum Schluss", freute sich Nagelsmann. Leipzig kann damit weiter auf den ersten großen Titel hoffen. "Wir träumen vom ersten Tag an davon, dass wir den Pokal holen", sagte Poulsen zum Abschluss: "Wir brennen für diesen Wettbewerb."
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