Die Erleichterung stand Marco Rose und seinen Schützlingen förmlich ins Gesicht geschrieben.
Borussia Dortmund musste sich in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen den FC Ingolstadt, seines Zeichen Tabellenschlusslicht und Schießbude der 2. Liga, ordentlich strecken, ehe der Titelverteidiger mit einem glanzlosen 2:0-Erfolg das Ticket für das Achtelfinale lösen konnte.
Besonders in der Offensive fehlte den Schwarz-Gelben lange Zeit die Durchschlagskraft. "Es war kompliziert mit der massiven Abwehr im Strafraum", konstatierte Rose im Anschluss bei "Sport1".
Bundesliga
"Beeindruckend": BVB-Youngster hat bessere Torquote als Haaland
27/10/2021 AM 11:30
Etwas mehr als 70 Minuten hatte Rose den bis dato tristen Pokalabend von der Seitenlinie aus verfolgt, bevor er dem Spiel von der Bank aus die entscheidende Wendung gab. Für die glücklosen Thomas Meunier und Steffen Tigges brachte der 45-Jährige Thorgan Hazard und Marco Reus. Ein Doppel-Wechsel, der sich auszahlen sollte: Lediglich 120 Sekunden nach seiner Einwechslung brachte Letztgenannter seine Farben auf die Siegerstraße (72.). Wenig später machte der Belgier aus leicht abseitsverdächtiger Position den Deckel drauf (81.).
Aufgrund der Tatsache, dass Dortmunds zweiter Anzug an manchen Stellen noch zwickt, mussten es am Ende also doch wieder die arrivierten Kräfte richten. Speziell ein Trio verpasste gegen Ingolstadt die Gelegenheit, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Steffen Tigges - Borussia Dortmund

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Tigges fehlt die Bindung

In Abwesenheit von Top-Torjäger Erling Haaland (Muskelbündelriss im Hüftbeuger), dessen etatmäßigem Ersatz Donyell Malen (Magen-Darm-Infekt) und Youngster Youssoufa Moukoko (Muskelfaserriss) durfte sich Tigges an vorderster Front versuchen.
Allerdings fehlte dem 23-Jährigen fast gänzlich die Bindung zum Spiel. Bis zu seiner Auswechslung in der 71. Minute konnte er gerade einmal 24 Ballaktionen verbuchen. "Wir wollten mehr Präsenz in der Box. Wir hatten nicht genug Torchancen", legte Hazard bei "Sport1" den Finger in die Wunde.
Als einziger nomineller Stürmer hatte Tigges gegen die kompakte und vielbeinige Abwehr der Ingolstädter einen schweren Stand und konnte kaum einmal einen Ball festmachen und seine Mitspieler so in Szene setzen. Dass er kurz nach der Pause die bis dato beste Chance der Partie vergab, als er per Kopf freistehend vor Gäste-Keeper Fabijan Buntic nur die Latte traf (52.), passte zu seinem insgesamt unglücklichen Auftritt.
Die Partie am Dienstagabend zeigte einmal mehr, wie sehr der BVB Haaland im Zentrum vermisst. Weder Neuzugang Malen noch dem jungen Moukoko oder Tigges ist es - auch aufgrund von kleineren Verletzungen - in der laufenden Spielzeit gelungen, den Norweger adäquat zu vertreten. "Erling ist als Einzelspieler nicht zu ersetzen. Deshalb müssen wir das als Mannschaft machen. Er fehlt, Punkt", brachte es Rose nach der Partie auf den Punkt.

Reinier (rechts) im Spiel gegen den FC Ingolstadt

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Reinier: Große Worte, wenig Taten

Etwas zurückgezogener als Tigges agierte am Dienstag der Brasilianer Reinier, der überhaupt erst zum zweiten Mal seit seiner Ankunft im Sommer 2020 in Dortmund in der Startelf stand. Eine durchaus überraschende Entscheidung von Rose, zumal der Vater des 19-Jährigen, Mauro Brasilia, den BVB wenige Stunden vor dem Anpfiff harsch kritisiert hatte.
"Der BVB verpasst Tag für Tag die Gelegenheit, einen talentierten jungen Mann weiterzuentwickeln und sich an ihm zu erfreuen. Es ist sehr merkwürdig, was in Dortmund passiert. Es ist schade - für beide Seiten", erklärte er im Interview mit "Goal".
Durchaus große Worte, denen sein Sohn jedoch keine Taten folgen ließ. Der Olympiasieger konnte dem Spiel fast zu keinem Zeitpunkt seinen Stempel aufdrücken, sondern leistete sich immer wieder leichte Ballverluste (insgesamt 12). Darüber hinaus verhedderte sich die Leihgabe von Real Madrid ein ums andere Mal im dicht gestaffelten Zentrum.
"Wir haben Dortmund eine ganze Menge Ärger bereitet. Meine Jungs haben das gut gemacht", freute sich Ingolstadts Trainer André Schubert.
Nur einmal konnte Reinier seine zweifelsohne vorhandenen Qualitäten unter Beweis stellen, als er vor dem Führungstreffer durch Hazard Vorlagengeber Julian Brandt mit einer klugen Spielverlagerung in Szene setzte (72.). Ansonsten blieb es insgesamt ruhig um den Youngster, der sich damit nicht unbedingt für höhere Aufgaben empfehlen konnte.

Axel Witsel (rechts; Borussia Dortmund) im Zweikampf mit Fatih Kaya (FC Ingolstadt)

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Witsel: Längst nicht mehr Chef im Mittelfeld

Ähnliches gilt für Axel Witsel. Der belgische Nationalspieler verschleppte das Tempo im Mittelfeld phasenweise zu sehr und ermöglichte es den Gästen aus Oberbayern so, sich in der Defensive in aller Ruhe zu sortieren.
Dabei wäre gegen eine derart tief stehende Mannschaft Geschwindigkeit das oberste Credo, um den Abwehrriegel des Gegners zu knacken. Besonders im ersten Durchgang war das schnelle, vertikale Spiel in die Spitze beim BVB jedoch Mangelware. "Ich weiß gar nicht, ob wir in der ersten Halbzeit eine hundertprozentige Torchance hatten", haderte Rose.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich Witsel bei den Schwarz-Gelben auf dem absteigenden Ast befindet. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Nebenmann Jude Bellingham nahezu Woche für Woche auf allerhöchstem Niveau agiert und somit dem 32-Jährigen im Mittelfeld längst den Rang abgelaufen hat.
In Kürze soll auch der derzeit verletzte Mahmoud Dahoud (Innenbanddehnung im Knie) wieder zurückkehren, wodurch es für Witsel wohl noch schwerer werden wird, sich dauerhaft in der ersten Elf zu etablieren.
Die derzeit personell angespannte Situation zeigt, dass die Borussia in der Breite nicht so gut aufgestellt ist, wie man sich das erhofft hatte. Spätestens im kommenden Frühjahr wird Rose jedoch den zweiten Anzug brauchen, um speziell in der Liga und im Pokal (aber auch in der Königsklasse) ein Wörtchen um den Titel mitreden zu können.
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