"Wir haben da draußen schon geschmunzelt, denn es macht Spaß, dem Jungen beim Fußballspielen zuzuschauen", verteilte Dortmunds Trainer Marco Rose ein Extralob an seinen Jüngsten auf dem Platz.
Tatsächlich rechtfertigte Jude Bellingham das Vertrauen beim Erfolg gegen Ingolstadt in beeindruckender Manier. "Man weiß nicht, wo sein Limit liegt, das ist das Schöne bei ihm", zollte Julian Brandt dem Teamkollegen nach Abpfiff im "Sport1"-Interview Respekt.
Vor allem in der zähen ersten Halbzeit liefen fast alle guten Offensivaktionen über den englischen Nationalspieler. Da wirken die Gerüchte, der BVB bemühe sich auch um die Verpflichtung des zwei Jahre jüngeren Bruders Jobe Bellingham von Birmigham City, fast logisch.
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Bei aller Freude über die unbekümmerten Auftritte des BVB-Youngsters muss die Borussia aber auch mit der Erkenntnis leben, dass es auch gegen einen Außenseiter wie Ingolstadt nicht ohne das Stammpersonal geht. Vor allem an offensiver Durchschlagskraft mangelte es beim Pokal-Titelverteidiger.
Drei Dinge, die bei Dortmund gegen Ingolstadt auffielen:

1. Bellingham sammelt Herzchen

Nach 63 Minuten hallte ein Aufschrei durch den Signal Iduna Park, es gab Sonderapplaus - und das beim Stand von 0:0 gegen das Tabellenschlusslicht aus Liga zwei. Was war passiert? Jude Bellingham zog auf Höhe der Mittellinie den Sprint an, holte Gegenspieler Merlin Röhl ein und grätschte den Ball in bester Verteidiger-Manier ins Aus.
Mehr noch: Er suchte sofort den Kontakt zum Publikum, das begeistert mitging und dem Toptalent zujubelte. So sammelt man Herzchen bei der Anhängerschaft. "Diese Aktion machen nicht viele Spieler", staunte der ehemalige Bayern-Profi Stefan Effenberg, der die Partie als Experte für "Sport1" begleitete.

BVB-Profi Bellingham im Pokalspiel gegen Ingolstadt

Fotocredit: Getty Images

Bellingham lieferte beim mühsamen Ringen mit Ingolstadt - wieder einmal - eine sehr gute Vorstellung ab. Der 18-Jährige traute sich viel zu im Spiel nach vorne, war unglaublich präsent. In der 28. Minute hatte der Engländer Pech, als er mit einem Schuss aus 20 Metern an der Latte scheiterte. Bellingham wurde sogar zum Spieler des Spiels gekürt, obwohl Thorgan Hazard mit seinem Doppelpack die Begegnung entschied. Der lobte den jungen Kollegen nach der Partie überschwänglich: "Jude ist einfach clever, er nimmt die Fans mit, kämpft und läuft viel. Seine Ballgewinne sind so wichtig für uns."
Der zentrale Mittelfeldspieler bringe alles, was er sich "als Trainer wünsche", betonte Coach Marco Rose: "Er strahlt Verantwortung aus, kann im Spiel gegen den Ball ein Drecksack sein, nimmt die Zweikämpfe an." Kein Wunder, dass Bellingham bislang in allen 15 Pflichtspielen der Saison zum Einsatz kam.
Auf die Gerüchte, wonach der Nationalspieler vom FC Liverpool umworben werde und nicht mehr allzu lange das schwarz-gelbe Trikot trage, reagierten die Borussen eindeutig. "Jude ist hier genau am richtigen Platz und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass er den Verein verlassen wird", stellte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung klar. Es gebe weder eine Ausstiegsklausel, noch habe der Klub eine finanzielle Schmerzgrenze, bei der man einem Verkauf zustimme.
"Er ist langfristig an uns gebunden, deshalb diskutieren wir darüber gar nicht", wiegelte auch Rose ab. Hazard wünschte sich indes, dass "Jude noch ein paar Jahre bei uns spielt" - und sprach damit wohl allen BVB-Fans aus den Herzen.

2. BVB braucht den ersten Anzug

BVB-Trainer Marco Rose ging mit einer ungewöhnlichen Startelf in die Partie, was mehrere Gründe hatte. Marco Reus und Throgan Hazard nahmen aufgrund gezielter Belastungssteuerung auf der Bank platz, Goalgetter Erling Braut Haaland, Youssoufa Moukoko, Raphaël Guerreiro oder Mahmoud Dahoud fielen verletzt aus - Was dazu führte, dass Steffen Tigges, Reinier und Marius Wolf von Beginn an ran durften.
Funktionierte so mittelprächtig, wenn man es positiv formulieren möchte. "Ich weiß gar nicht, ob wir in der ersten Halbzeit eine hundertprozentige Torchance hatten", kam sogar Rose ins Grübeln.
70 Minuten lang sah sich der Coach das bis dato vergebliche Anrennen seiner Spieler an, dann reagierte er und schickte Marco Reus und Hazard aufs Feld. Zehn Minuten später herrschten klare Verhältnisse, die Hausherren hatten zweimal zugeschlagen.

Flitzer-Alarm beim BVB! Rose sorgt sich: "Wenn das 80.000 machen ..."

Rose kommentierte den Ablauf der Partie nachher im besten Trainer-Deutsch. Eine "sehr reife Leistung" sei das gewesen. "Seriös" habe man agiert, "Geduld bewiesen" und in der zweiten Hälfte "die Schlagzahl erhöht". Alles richtig, wenngleich er zugeben musste: "Erling können wir als Einzelspieler nicht ersetzen. Seinen Ausfall müssen wir als Mannschaft auffangen."
Gegen Ingolstadt wurde deutlich, dass die Borussia auf den ersten Anzug angewiesen ist. Das, so Rose, sei aber auch beim FC Bayern nicht anders. Hatte der Coach vor einer Woche nach dem 0:4-Debakel in Amsterdam noch mit einem für seine Profis unvorteilhaften Kimmich-Vergleich für Irritationen gesorgt, zog er nun die Parallele zu Robert Lewandowski: "Wenn der in München ausfällt, ist da auch ein Loch."

3. Schubert lächelt Abseitstor weg

So denkt nur ein Trainer, dessen Mannschaft auf Platz 18 der Tabelle steht und nach elf Spieltagen ganze sieben Tore erzielt hat. "Gut, dass wir nicht noch in die Verlängerung gekommen sind und dann verloren haben. Das habe ich mir nicht gewünscht. Wir sind echt an der Kante gerade und ich bin froh, wenn wir am Wochenende wieder 100 Prozent abrufen können", gab Ingolstadts Trainer André Schubert nach der Partie unumwunden zu und konnte dabei sogar lächeln.
Der 50-Jährige hat ganz andere Sorgen als eine mögliche Pokal-Sensation in Dortmund, zumal die Personalsorgen im Kader immer größer werden und der Relegationsplatz schon vier Punkte weg ist.
Selbst die Tatsache, dass der Treffer von Hazard zum 2:0-Endstand aus einer Abseitsposition heraus gefallen war, konnte Schubert nicht anstacheln. "Das war dann nicht mehr schlimm, das akzeptieren wir so. Dortmund hat verdient gewonnen und wir waren ob der wenigen Zuschauer ja auch nicht der große Magnet."
Und wenn es zum Zeitpunkt des Abseitstreffers noch 0:0 geheißen hätte? "Auch dann wäre es in Ordnung gewesen", versicherte Schubert. Nein, einen Pokalfight über 120 Minuten und ein eventuelles Elfmeterschießen hätte der Ingolstädter Trainer nicht einmal geschenkt genommen.
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