Drei Dinge, die beim Bayern-Desaster in Gladbach auffielen: Wutlos ins Verderben
Borussia Mönchengladbach wirft den FC Bayern nach einer Fußball-Gala mit 5:0 (3:0) aus dem DFB-Pokal. Die Fohlen überrennen die Münchner in den ersten 20 Minuten förmlich, während es dem Favoriten nie gelingt, in den Wutmodus zu schalten. "Wir haben keine Argumente", gibt Thomas Müller am Ende kleinlaut zu. Drei Dinge, die uns bei Bayerns höchster Pokalpleite der Geschichte auffielen.
Debakel in Gladbach: Bayern-Stars Müller, Kimmich und Goretzka
Fotocredit: Getty Images
Wer es mit Gladbach hielt, durfte die leise Hoffnung haben, dass es der Borussia vielleicht noch einmal gelingen könnte, die Bayern ein wenig zu ärgern. So wie am ersten Bundesliga-Spieltag, als die Mannschaft von Trainer Adi Hütter dem Rekordmeister zuhause ein 1:1 abtrotzte.
Was sich dann aber auf dem Rasen des Borussia-Parks abspielte, gehört in die Kategorie Sensation. Mindestens.
Mit 5:0 zerlegten die Fohlen die in Bestbesetzung angetretenen Bayern in ihre Einzelteile. Eine historisch hohe Pleite für die Münchner, ein historischer Coup für die Rheinländer, die sich im Pokal erstmals gegen den Rekordsieger des Wettbewerbs durchsetzen konnten. "Davon träumt man ab und zu. Die ersten 20 Minuten war ja ein Rausch. Ein Abend für die Geschichtsbücher", strahlte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.
Bemerkenswert: War der FC Bayern bei der bislang einzigen Saisonniederlage, dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt in der Liga, noch an der eigenen Chancenverwertung gescheitert, ging das 0:5 gegen Gladbach auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung.
3 Dinge, die bei Gladbach gegen Bayern auffielen.
1. Bayerns Abwehr - welche Abwehr?
Man muss sehr weit in der Geschichte zurückgehen, um eine derart indisponierte Bayern-Abwehr wie die im Pokalspiel gegen Gladbach zu finden. In den Hauptrollen: die drei Weltklasseverteidiger Lucas Hernández, Dayot Upamecano und Alphonso Davies. Letzterer löste nach zwei Minuten mit einem Fehlpass vor dem 0:1 durch Kouadio Koné das Defensivdrama aus. In der Folge reihten die Bayern Fehler an Fehler. Upamecano verschätzte sich in der Innenverteidigung mehrfach fatal - und als nach 15 Minuten das 2:0 fiel, war das bereits die fünfte (!) Großchance für die Fohlen. Oder anders gesagt: Das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt noch schmeichelhaft aus Sicht der Bayern.
Der Treffer zum 2:0 dürfte indes Eingang in die Gladbacher Vereinsvideothek finden. Über acht Stationen spielten die Außenseiter den Favoriten aus, ehe Ramy Bensebaini freistehend einschob. Stark auch, wie Lars Stindl zuvor Rechtsverteidiger Benjamin Pavard beschäftigte, sodass der Franzose sich nicht mehr um den heranstürmenden Torschützen kümmern konnte.
Während sich die 48.500 Zuschauer im ausverkauften Borussia-Park noch verwundert die Augen rieben ob des Geschehens auf dem Rasen, schoss Hernández den nächsten Bock: Der Weltmeister stellte sich bei einem Zweikampf im Strafraum gegen Breel Embolo dermaßen unweltmeisterlich an, dass der Gladbacher einen Elfmeter zugesprochen kam - Bensebaini besorgte auch das 3:0 für die Gastgeber (21.). Nie zuvor lag der FC Bayern in einer Pokalpartie so früh so hoch zurück.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/28/3244448.jpg)
Bayern-Verteidiger Upamecano und Hernández kommen zu spät gegen Gladbachs Embolo
Fotocredit: Getty Images
Den Gipfel der Peinlichkeit erreichte die Bayern-Abwehr kurz nach Wiederanpfiff, als sich Hernández und Upamecano nach einem hohen Ball beide grob verschätzten. Embolo sagte danke und schenkte Manuel Neuer zum vierten Mal ein. "Wir haben Manu schön alleine gelassen", erklärte Thomas Müller später wütend.
Den bittersten Abend aber erlebte Upamecano, der ausgerechnet an seinem 23. Geburtstag seinen bislang bittersten Abend im Bayern-Trikot erlebte. Nach 55 Minuten hatte Nagelsmann-Vertreter Dino Toppmöller ein Einsehen und wechselte den Franzosen aus. "Wir werden Upa jetzt wieder aufbauen, zumal er zuletzt sensationell gespielt hat", stellte Sportvorstand Hasan Salihamidzic hinterher allerdings klar: "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen."
Nur das man sich mit dem Verlieren in München gemeinhin sehr viel schwerer tut als anderswo.
2. Embolo entfesselt Schweizer Urgewalt
Nach 73 Minuten nahm Adi Hütter Breel Embolo vom Feld und verschaffte dem Angreifer damit die verdienten Ovationen des Publikums. An vier von fünf Toren war der Schweizer Nationalspieler beteiligt, zwei davon erzielte er selbst. Folgerichtig wurde Embolo zum Spieler des Spiels gekürt. Beeindruckend, mit welch' unglaublichem Willen der 24-Jährige sich in die Zweikämpfe warf, fast schon unverschämt, welches Selbstvertrauen er ausstrahlte. In diesem Geiste ging er auch in der 51. Minute alleine ins Duell mit Hernández und Upamecano. Augenblicke später zappelte der Ball im Netz.
Für den FCB war Embolo an diesem Abend der personifizierte Alptraum. "Wir haben Bayern gut analysiert, sie stehen sehr hoch. Wir wollten es provozieren, dass Embolo im Eins-gegen-Eins steht", verriet Hütter. "Alle geil, aber Breel war einfach überragend", twitterte der Verein im Überschwang.
Auch "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger zeigte sich begeistert von der "Entschlossenheit" und "Durchschlagskraft" des Mittelstürmers. Während man auf Bayern-Seite keine Erklärung für das 0:5 fand, gab Embolo kurz nach Abpfiff schon erstaunlich präzise darüber Auskunft, wie es zum Kantersieg gekommen war.
"Uns war klar, dass wir offensiv einen Zahn zulegen mussten und gegen so eine Weltklassemannschaft unsere Chancen eiskalt nutzen müssen. Es ging darum, einen kühlen Kopf zu bewahren und unsere Möglichkeiten auszuspielen. Dann sind wir gefährlich. Das haben wir sehr gut gemacht."
So einfach kann das also sein gegen die scheinbar übermächtigen Bayern. Trainer Hütter, das verriet Embolo auch gleich noch, musste das gar nicht lange erklären: "Seine Kabinenansprache war kürzer als sonst. Der Coach war vielleicht auch ein wenig nervös." Davon war dann nach Anpfiff aber nichts mehr zu spüren - weder auf der Bank, noch auf dem Feld.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/28/3244488-66407028-2560-1440.jpg)
Bayern-Co verteidigt Pechvogel: "Gestern noch Supermecano"
Quelle: Perform
3. Bayerns Wutmotor springt nicht an
Eigentlich hätten die Bayern schäumen müssen vor Wut. Was erlaube Gladbach? 0:3 nach 21 Minuten. Majestätsbeleidigung. Da fallen einem unweigerlich die Worte von BVB-Coach Marco Rose ein, der vor einer guten Woche Joshua Kimmich als Sinnbild der Bayern-Gier nach Erfolg hinstellte. "Wenn du 0:2 zurückliegst, dann bist du nie zufrieden. Aber Kimmich winkt dann nicht ab, der wird richtig sauer. Das ist der Unterschied, in München ist dann Feuer unterm Dach", hatte der 45-Jährige gesagt, nachdem er mit dem BVB in der Champions League mit 0:4 bei Ajax Amsterdam untergegangen war.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/27/3244325.jpg)
Thomas Müller enttäuscht - Borussia Mönchengladbach vs. FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Nun hat sich allerdings gezeigt: Die Bayern können dieses Feuer nicht nach Belieben entfachen. Oder wie Müller konstatierte: "Wir haben es übers ganze Spiel nicht geschafft, dass unser Bayern-Wutmotor angeht." Tatsächlich war es höchst bemerkenswert, dass auf den Rückstand nicht ein wütender Angriff nach dem anderen auf den Gladbacher Strafraum zurollte. So war das bislang fast immer, wenn die Münchner irgendwo zurücklagen. Doch dieses Mal: Fehlanzeige. Nichts tat sich. Es dauerte satte 35 Minuten, bevor Fohlen-Schlussmann Yann Sommer erstmals gefordert war.
Am Ende war es mal wieder Müller, der einen Abend zum Vergessen in gewohnt direkter Weise auf den Punkt brachte. "Ihr könnt jetzt loslegen, wir ihr wollt. Wir haben keine Argumente", diktierte das Bayern-Urgestein den Journalisten in die Notizblöcke: "Man kann alles hinterfragen heute und liegt immer richtig."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Schweinsteiger leidet mit Bayern: "So etwas noch nie erlebt"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/28/3244483-66406928-2560-1440.jpg)
Toppmöller nach Desaster konsterniert: "Es tut uns leid"
Quelle: Perform
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)