Drei Dinge, die bei Preußen Münster – FC Bayern München auffielen: Frans Krätzigs Sommermärchen
Keine Innenverteidiger, kein Problem: Der personell gebeutelte FC Bayern gewann am Dienstagabend sein Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim drittklassigen SC Preußen Münster souverän 4:0. Leon Goretzka bestach in gänzlich neuer Rolle, ein Youngster rundete seinen Traum-Sommer erfolgreich ab – und Super-Joker Mathys Tel bewies, dass er auch Startelf kann. Drei Dinge, die auffielen.
Tuchel: Bayern-Sieg im Pokal mit "Wermutstropfen"
Quelle: SID
Tatsächlich hatte sich im Laufe des Tages rund um das Team der Münchner Ungewöhnliches ereignet. Mit Matthijs de Ligt (Schlag aufs Knie), Minjae Kim (Schlag auf den Oberschenkel) und Dayot Upamecano (Adduktorenprobleme) waren alle gelernten Innenverteidiger auf einen Schlag ausgefallen.
Tuchel war also zum Improvisieren gezwungen. Er setzte auf die Novizen Leon Goretzka und Noussair Mazraoui im Abwehrzentrum. Das Duo sollte den Coach nicht enttäuschen, die Bayern hielten sich beim Drittligisten schadlos und gewannen am Ende verdientermaßen 4:0 (3:0).
Eric Maxim Choupo-Moting (9.) traf zur frühen Führung, Konrad Laimer (40.) und Frans Krätzig (40.+5) feierten jeweils noch kurz vor der Pause ihr Pflichtspieltor-Debüt für den Rekordmeister. Mathys Tel markierte den Endstand (86.) – und fiel auch nach Abpfiff positiv auf.
Drei Dinge, die bei Preußen Münster – FC Bayern auffielen.
1.) Krätzigs Sommermärchen
Diesen Sommer wird der junge Frans Krätzig so schnell wohl nicht vergessen.
Ende Juli durfte der 20-Jährige, der normalerweise für die Zweitvertretung der Bayern in der Regionalliga zum Einsatz kommt, zunächst mit auf große Asien-Vorbereitungstour.
Beim Testkick gegen den FC Liverpool war er dann plötzlich in aller Munde, nachdem er in der Nachspielzeit in sehenswerter Manier das entscheidende 4:3 beigesteuert hatte.
Am vergangenen Samstag feierte er schließlich beim 7:0-Erfolg gegen den VfL Bochum sein Bundesliga-Debüt. 25 Minuten durfte Krätzig im deutschen Oberhaus mitmischen. "Ich bin überglücklich und stolz, mein Bundesliga-Debüt für diesen großartigen Verein gegeben zu haben", freute er sich im Anschluss.
Für ihn sei ein "Traum in Erfüllung gegangen". Krätzig weiter: "Besonders bedanken möchte ich mich bei Thomas Tuchel, der es mir ermöglicht hat, diesen Traum zu erfüllen. Ich weiß aber auch, dass es jetzt für mich erst richtig losgeht."
Krätzig sollte Recht behalten. Das FCB-Eigengewächs ersetzte in Münster Serge Gnabry schon in der elften Minute, weil dieser sich einen Unterarmbruch zugezogen hatte. Etwas mehr als eine halbe Stunde später bejubelte das Top-Talent sein Tor zum 3:0. Krätzig drückte eine Hereingabe von Joshua Kimmich am von Bayern ausgeliehenen Münster-Keeper Johannes Schenk vorbei über die Linie.
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Frans Krätzig (l.) feiert mit Joshua Kimmich
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Ein besonderer Moment – nicht bloß, weil es sich dabei um seinen ersten Pflichtspiel-Treffer handelte, auch die Tatsache, dass er mit Schenk einen guten Kumpel und ehemaligen Mannschaftskollegen überwunden hatte, sorgte im Anschluss für gute Laune.
"Den habe ich extra reingelassen", scherzte Schenk, der gemeinsam mit Krätzig im Doppelinterview vor dem "Sky"-Mikrofon auftauchte. Schenk schob nach: "Es ist eine Ehre, dass er sein erstes Profi-Tor gegen mich macht, aber es hätte nicht sein müssen."
Es dürfte nicht der letzte Glücksmoment für Krätzig gewesen sein. In Tuchel hat der Außenbahnspieler einen Fan. "Er ist großartig, ein guter Junge. Er ist klar im Kopf, sehr bescheiden und selbstbewusst. Aus ihm wird etwas", lobte der FCB-Übungsleiter.
2.) Goretzka gibt den Aushilfs-Abwehrchef
Personal-Not macht erfinderisch. Das stellte Tuchel am Dienstagabend eindrucksvoll unter Beweis. Weil alle drei Innenverteidiger verletzungsbedingt ausfielen, schob der 50-Jährige kurzerhand Goretzka und Mazraoui ins Abwehrzentrum.
Vor allem für Goretzka ein Sprung ins Ungewisse, hatte er doch zuvor in seiner Karriere noch nie ebenjene Position bekleidet. "Man muss das annehmen, bei mir war es zum ersten Mal der Fall, dass ich als Innenverteidiger spiele. Nous (Mazraoui, d. Red.) hat schon einmal dort gespielt. Davon konnten wir profitieren", sagte Goretzka im Nachgang im "ZDF" mit einem Augenzwinkern.
Goretzka ergänzte: "Am Ende des Tages geht es ums Fußballspielen. Es ist unsere Aufgabe, dort zu spielen, wo wir aufgestellt werden."
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Leon Goretzka machte in Münster ein gutes Spiel
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Die mangelnde Innenverteidiger-Erfahrung merkte man dem gebürtigen Bochumer keineswegs an. Goretzka organisierte die Hintermannschaft, fiel durch rigorose Zweikampfführung auf und fand aufgrund der Münsteraner Harmlosigkeit sogar die Zeit, sich vorne einzubringen.
Drei Schüsse gab der 28-Jährige ab, Laimers Tor bereitete er mit einem sehenswerten Chipball vor. Zudem verbuchte Goretzka die meisten abgefangenen Bälle sowie die meisten klärenden Aktionen. Am Ende wurde er gar als Mann des Spiels ausgezeichnet.
"Es war keine leichte Entscheidung", verriet Tuchel mit Blick auf sein ungewöhnliches Abwehr-Duo. Sie haben die Rolle sehr gut ausgefüllt. Leon hat das Zeug dazu, was Körper und Tempo angeht. Zudem hat er ein gutes Aufbauspiel." Dennoch könne er in Zukunft auf ein derartiges Modell verzichten, gab Tuchel zu.
3.) Tel glänzt nicht nur als Torschütze
Kann der Super-Joker auch Startelf? Diese Frage stellten sich viele Bayern-Fans in der jüngeren Vergangenheit immer wieder.
Bislang ließ Tuchel Tel jedoch zappeln, immer wieder griff er erst in den Schlussminuten auf sein Ass im Ärmel zurück. Tel lieferte beständig. Viermal traf der Franzose nach Einwechslung, zuletzt gegen Manchester United und Bochum zweimal in Serie.
"Im Moment haben wir ein Ding am laufen mit ihm", erklärte Tuchel nach dem 4:3-Sieg gegen United in der Champions League am vergangenen Mittwoch: "Es ist natürlich unfair für ihn. Weil er verdient es sich natürlich, von Beginn an zu spielen. Aber trotzdem: Wenn du einen Spieler hast, der so regelmäßig den Unterschied von der Bank ausmacht, dann ist das eine Qualität."
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Mathys Tel schenkte einem kleinen Fan sein Trikot
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Tuchel stellte Tel aber in Aussicht: "Jetzt kommen aber die Spiele alle drei Tage. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, bis er beginnt."
Gegen Münster war es endlich so weit. Der 18-Jährige stand erstmals in dieser Saison in der Startelf und zeigte prompt, dass mit ihm immer zu rechnen ist. Choupo-Motings Treffer leitete er sehenswert ein, kurz vor Schluss brachte er seinen Namen noch auf die Anzeigetafel.
Doch Tel glänzte nicht nur als Vorlagengeber und Torschütze – nach der Partie ließ das großzügige Bayern-Juwel das Herz eines kleinen Fans höherschlagen, der sich seinen Weg an den Ordnern vorbei auf den Rasen gebahnt hatte.
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