Drei Dinge, die bei VfB Stuttgart – Borussia Dortmund auffielen: Die Verzwergung des BVB

Borussia Dortmund gab beim 0:2 im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart ein erschreckendes Bild ab. Auch, weil Edin Terzic sein Team wie schon zuletzt in Leverkusen an der ganz kurzen Leine hielt. Dass sich nur Torhüter Gregor Kobel gegen die Niederlage wehrte, stand sinnbildlich für den blutleeren Auftritt, für den Emre Can im Anschluss deutliche Worte fand. Drei Dinge, die auffielen.

"Enttäuschender Tag": Terzic reagiert auf BVB-Aus

Quelle: Perform

Als Borussia Dortmund vor etwas mehr als sechs Monaten die deutsche Meisterschaft am letzten Spieltag vergeigte, war die Zukunft des VfB Stuttgart noch völlig ungeklärt.
Relegation hieß die bittere Realität im Schwabenländle, nach zwei Siegen gegen den Hamburger SV war der Verbleib in der Bundesliga aber kurz darauf gesichert. Dennoch: Dortmund und Stuttgart trennten auch vor dieser Saison Welten. Während der BVB erneut den großen Angriff auf den FC Bayern ins Visier nahm, musste der VfB die Abgänge zahlreicher Leistungsträger (Borna Sosa, Wataru Endo, Konstantinos Mavropanos) hinnehmen – und wurde dementsprechend einmal mehr als Abstiegskandidat gehandelt.
Wie schnell die Zeiten sich doch ändern können ... Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß begeistert die Bundesliga, rangiert nach 13 Spieltagen auf dem dritten Rang. Mitte November führte man den BVB in der Liga ein erstes Mal vor (2:1), an diesem Mittwochabend setzten die Stuttgarter im Achtelfinale des DFB-Pokals noch einen drauf.
2:0 gewann der VfB vor heimischer Kulisse, Shootingstar Serhou Guirassy (55.) und Silas (77.) erzielten die beiden Treffer. Ein Ergebnis, mit dem Dortmund noch sehr gut bedient war. Torhüter Gregor Kobel verhinderte – wie schon im vergangenen Duell – eine deutlich höhere Niederlage.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) Die Verzwergung des BVB

Ja, mit Jude Bellingham hat Borussia Dortmund einen Weltklasse-Spieler verloren, ja, auch der Abgang von Raphael Guerreiro zum FC Bayern hat geschmerzt.
Es ist aber nicht so, dass die Schwarz-Gelben im Sommer nicht aktiv gewesen wären, um die Verluste einigermaßen aufzufangen. Nominell zählen die Westfalen freilich nach wie vor zum höchsten Regal in Deutschland. Außerdem hat das Team von Trainer Edin Terzic auch in dieser Spielzeit schon nachgewiesen, dass es durchaus imstande ist, guten Fußball zu spielen.
Umso unerklärlicher ist das, was Terzic seiner Mannschaft zuletzt mit an die Hand gab. Schon am vergangenen Sonntag in Leverkusen wählte der 41-Jährige eine Angsthasen-Marschroute, ließ seine Mannschaft zu Maurermeistern mutieren.
Zwar reichte es seinerzeit zu einem schmeichelhaften 1:1, die Diskrepanz zwischen Anspruch und fußballerischer Realität war mit 5:24 Torschüssen und 1:16 Ecken aber enorm. Dortmund mutete eher wie ein Aufsteiger denn wie ein Spitzenteam an.
In Stuttgart wählte Terzic den gleichen Ansatz, setzte aber die kreativen Köpfe Marco Reus und Julian Brandt sowie Zielspieler Niclas Füllkrug auf die Bank. Stattdessen sollten Karim Adeyemi, Youssoufa Moukoko und Jamie Bynoe-Gittens als schnelle Umschaltspieler für Gefahr sorgen. So zumindest der Plan.
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VfB Stuttgart - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Ein Plan, der überhaupt nicht aufging. Dortmund lief von Minute eins an nur hinterher, im Aufbau setzte es einen gravierenden Fehler nach dem anderen. Und so durften sich die Schwarz-Gelben, die über weite Strecken in einer Fünferkette agierten, bei der mangelnden Stuttgarter Kaltschnäuzigkeit und Gregor Kobel bedanken, dass nicht schon zur Pause die Lichter ausgegangen waren.
Auch nach dem Seitenwechsel war von Aufbruch nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Kobel musste noch häufiger eingreifen, ehe Guirassy schließlich verdientermaßen den Bann brach. "Es hat vorne und hinten gefehlt. Wir waren nicht stark genug und fußballerisch eine Katastrophe", so das ernüchternde Fazit von Kapitän Emre Can im "ZDF".
Der Defensivmann weiter: "So kann es nicht weitergehen. Wir sind Dortmund, da muss mehr kommen." Dortmund steht dieser Tage höchstens auf dem Papier. Der BVB macht sich mit seiner Taktik selbst klein – aber warum eigentlich?

2.) Bemitleidenswerter Kobel

Der Einzige, dem schon beim ersten Aufeinandertreffen vor drei Wochen kein Vorwurf zu machen war, hieß Gregor Kobel.
Zwar verschuldete der Keeper gleich zwei Elfmeter (vor allem, weil er von seinen Mitspielern im Stich gelassen wurde), dafür vereitelte er etliche hundertprozentige Großchancen (hielt beispielsweise einen der angesprochenen Strafstöße) und damit eine deutlich höhere Niederlage.
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Terzic nach Pokal-Aus bedient: "Hat uns gar nicht gefallen"

Quelle: Perform

Dass das Wiedersehen mit dem Ex-Verein zum erneuten Scheibenschießen verkommen würde, hatte der Schweizer wahrscheinlich nicht geahnt. Auch diesmal musste Kobel mehrfach eingreifen, fünf Paraden zählten die Statistiker. Besonders in der 52. und 58. Minute, als er gleich zweimal im Eins-gegen-Eins aus kürzester Distanz gegen Guirassy und Enzo Millot überragend eingriff.
Als er im "ZDF" mit dem Leistungsgefälle zwischen ihm und dem Rest des Teams konfrontiert wurde, blieb Kobel bescheiden. "Ich gehöre auch zur Mannschaft, ich nehme mich da nicht raus. Wir gewinnen und verlieren zusammen", sagte er: "Aber mir persönlich tut es weh, dass wir die Chance auf den Pokal so aus der Hand gegeben haben."
An ihm lag es jedenfalls nicht.

3.) Stuttgart ist das neue Dortmund

Dortmund steht normalerweise für aufsehenerregenden, offensiven, frischen Fußball.
Derzeit treffen derlei Attribute allerdings nicht auf den BVB zu. Stattdessen erfrischt überraschenderweise Stuttgart mit Dortmunder Eigenschaften.
Rigoroses Gegenpressing, hohe Balleroberungen, blitzschnelles Umschalten, überfallartige Angriffe – das hat Hoeneß binnen kürzester Zeit etabliert. "Stuttgart macht es überragend, da ist sehr viel Bewegung drin", lobte Kobel seine ehemaligen Kollegen im "ZDF". Er schob nach: "Sie ziehen die Kette auseinander und schaffen Räume. Wir hingegen waren statisch und haben immer etwas gebraucht, um den nächsten Mann zu finden."
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Hoeneß nach "verdientem" Sieg gegen BVB: "Richtig happy"

Quelle: Perform

VfB-Innenverteidiger Waldemar Anton fragte sich hingegen, was Dortmund überhaupt ausgeheckt hatte, um seiner Mannschaft beizukommen: "Ich weiß gar nicht, was sie für Ideen hatten", erklärte er gegenüber dem "ZDF". Sein Fazit: "Wir haben einfach super gepresst. Das war der Schlüssel. Mit Ball hatten wir unsere Pausen und gute Ballstafetten."
Stärken, mit denen traditionell eigentlich der Kontrahent aus dem Ruhrgebiet aufwartet. Aber eben nicht aktuell.
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Hoeneß bremst Pokal-Euphorie - Sonderlob für Mittelstädt

Quelle: Perform

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