Ajax Amsterdam: Das wurde aus den Champions-League-Helden

Ajax Amsterdam begeisterte in der vergangenen Spielzeit die Fußball-Welt mit attraktivem Offensivfußball. Trainer Erik ten Hag führte die Niederländer bis ins Halbfinale der Champions League. In dieser Saison stottert der Ajax-Motor allerdings. Das liegt vor allem daran, dass mit Matthijs de Ligt und Frenkie de Jong zwei Säulen des Teams weggebrochen sind. Nun droht weiteres Unheil.

Ajax Amsterdam feiert den Sieg in der Champions League 2019 bei Juventus Turin

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Am 16. April 2019 schlich Cristiano Ronaldo mit bedröppelter Miene vom Platz. Sein Traum vom vierten Champions-League-Titel in Folge war geplatzt. Stattdessen feierten im Stadion von Juventus Turin überraschenderweise die Gäste: Ajax Amsterdam.
Die Mannschaft von Trainer Erik ten Hag hatte dank einer erstaunlich abgezockten Leistung mit 2:1 bei der Alten Dame gewonnen und nach dem 1:1 im Hinspiel verdientermaßen den Halbfinal-Einzug perfekt gemacht.
Spätestens jetzt hatte die Fußball-Welt begriffen: Ajax ist ein ernsthafter Anwärter auf den Titel, hatten die Niederländer zuvor doch bereits Titelverteidiger Real Madrid eliminiert.

De Ligt der Anführer von Ajax

In Turin führte der erst 19 Jahre alte Innenverteidiger Matthijs de Ligt Ajax mit seinem Siegtor (67.) als jüngster Kapitän aller Zeiten in die Runde der letzten Vier.
Der Abwehrchef entschied sich nach seiner grandiosen Saison ausgerechnet für einen Wechsel zu Ronaldo und Juventus. Dort hatte er allerdings zunächst mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. "Er hatte fünf schwierige Monate. Es war ungewohnt für ihn, alle drei Tage zu spielen und sich in einem neuen Land, einer neuen Liga mit einer neuen Sprache zurechtzufinden", sagte Juve-Trainer Maurizio Sarri bei "Sky Sport Italia" über de Ligt.
Hinzu kommt der im Vergleich zu Ajax deutlich höhere Konkurrenzkampf auf der Innenverteidigerposition. Mit Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci, Daniele Rugani und Merih Demiral stehen gleich vier hochwertige Kontrahenten für de Ligt im Kader der Alten Dame.
De Ligt profitierte im Saisonverlauf von den Verletzungen seiner Mitspieler. Chiellini zog sich gleich zu Saisonbeginn einen Kreuzbandriss zu. Auch Demiral erwischte es mit derselben Verletzung Mitte Januar. So kommt der junge Niederländer in seiner ersten Saison in Italien, obwohl er nicht immer überzeugend agierte, auf bislang 20 Liga- und fünf Champions-League-Einsätze (zwei Tore).
In allen wichtigen Partien, wie in der Liga gegen Inter Mailand, Lazio Rom, SSC Neapel oder Atalanta Bergamo sowie in der Königsklasse gegen Atlético Madrid oder Olympique Lyon, setzte Sarri auf den Youngster. Der 20-Jährige steigerte sich zudem nach einer Eingewöhnungsphase an die neue Umgebung und harmonierte immer besser mit Bonucci. Sarri meinte gegenüber "Sky Sport Italia":

Ajax verliert viele wichtige Spieler

Doch Ajax musste im Sommer 2019 nicht nur de Ligt ziehen lassen. Unter anderem verloren die Hauptstädter auch noch Mittelfeldtaktgeber Frenkie de Jong (FC Barcelona), Standardspezialist Lasse Schöne (FC Genua), Torjäger Kasper Dolberg (OGC Nizza) sowie Außenverteidiger Daley Sinkgraven (Bayer 04 Leverkusen).
Schöne liefert solide Leistungen in Genua und ist genau wie Dolberg in Frankreich Stammspieler. Der Stürmer traf bereits elf Mal in 23 Ligaeinsätzen. Sinkgraven kommt in der Bundesliga zwar erst auf acht Spiele, spielte aber oft solide und soll in Leverkusen mittelfristig Wendell als Linksverteidiger ersetzen.
Doch besonders die Abgänge von de Ligt und de Jong trafen ten Hag und Amsterdam schwer, wie der Coach bei "AjaxTV" zugab: "Ich hätte am liebsten noch ein oder zwei Jahre lang auf beide gezählt, weil es für Ajax und den niederländischen Fußball besser gewesen wäre." Der Trainer fügte vielsagend hinzu:

De Jong überzeugt selbst Messi

Der heute 22-jährige de Jong hat sich bei Barça auf Anhieb in die Startelf gespielt und dabei sogar Vize-Weltmeister Ivan Rakitic weitestgehend aus dem Mittelfeld verdrängt. De Jong fehlte bislang nur im Spiel gegen den FC Granada (1:0) aufgrund einer Sperre, stand ansonsten in allen Pflichtspielen auf dem Platz (zwei Tore).
Trainer Quique Setién sieht bei de Jong "keine Grenzen nach oben" und selbst Superstar Lionel Messi äußerte sich gegenüber der "Marca" begeistert über den Blondschopf:
Doch so groß die Lobeshymnen auf den Niederländer auch sind, bislang kann er nicht an seine Leistungen bei Ajax anknüpfen. "Gelegentlich habe ich meine Qualitäten gezeigt, aber im Allgemeinen kann es viel besser sein", sagte de Jong dem "Telegraaf" und fügte hinzu: "Ich bin nicht so dominant wie bei Ajax."
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Gegen zusammen auf Titeljagd beim FC Barcelona: Frenkie de Jong (rechts) und Lionel Messi

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Das liegt neben der hohen Erwartungshaltung auch an seiner neuen Position. Während er bei Ajax als erste Anspielstation aus dem Zentrum agierte, spielt er im dreier Mittelfeld der Katalen zumeist auf der Halbposition. Denn die zentrale Rolle bekleidet bei Barça in der Regel Sergio Busquets. Daher muss de Jong sein Spiel etwas umstellen, sich mit seiner Position noch vertraut machen. Bei Ajax war er der Taktgeber im Mittelfeld, in Barcelona ist er es noch nicht.

Ajax baut nach Ausverkauf ab

Insgesamt generierte Amsterdam im Sommer 2019 rund 210 Millionen Euro auf dem Transfermarkt. 160 Millionen davon allein durch die Abgänge von de Ligt und de Jong. Dagegen investierte der Traditionsklub lediglich 60 Millionen Euro. Der teuerste Neuzugang war Quincy Promes, der für knapp 16 Millionen Euro vom FC Sevilla kam.
In der Innenverteidigung übernahm Daley Blind die Rolle des Abwehrchefs. Die Abgänge im Mittelfeld kompensierten unter anderem die Neuzugänge Edson Álvarez (Club América) und Lisandro Martínez (Defensa y Justicia). Im Sturm agierte neben Promes weiter der bereits 36-Jährige Ex-Schalker Klaas-Jan Huntelaar.
Zu Saisonbeginn konnte die ten-Hag-Truppe die Flut an Abgängen auch noch gut verkraften. Ajax schnappte sich den niederländischen Supercup (2:0 gegen die PSV Eindhoven), gewann 13 der ersten 15 Ligapartien (zwei Remis) und musste bis Anfang Dezember nur eine Pflichtspielniederlage (0:1 in der Champions League gegen den FC Chelsea) hinnehmen.
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Erik ten Hag und Ajax Amsterdam starteten gut in die Saison 2019/20. Doch zuletzt lief es nicht mehr so rund

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Doch in den letzten drei Monaten vor der Saisonunterbrechung aufgrund der Corona-Pandemie geriet Ajax in einen Negativstrudel. Von den vergangenen zehn Ligaduellen gingen satte fünf verloren. In der Königsklasse schieden die Niederländer nach einem 0:1 gegen den FC Valencia bereits in der Gruppenphase aus und stiegen in die Europa League ab. Dort folgte umgehend das Aus in der Zwischenrunde gegen den FC Getafe (0:2 und 2:1). Im niederländischen Pokal scheiterte man im Halbfinale am FC Utrecht (0:2).
Zum Vergleich: In der Vorsaison feierte Ajax 28 Siege in 34 Ligapartien (nur 4 Niederlagen), blieb zuhause ungeschlagen und holte sich Meistertitel Nummer 34. Zudem besiegte man im Pokalfinale Willem II Tilburg (4:0) und gewann das Double. In der Königsklasse scheiterte man erst denkbar knapp im Halbfinale gegen Tottenham Hotspur (1:0 und 2:3). Wettbewerbsübergreifend holte Ajax in 58 Spielen starke 44 Siege, bei nur sechs Niederlagen.

Ajax droht Verlust weiterer Stars

Im Sommer 2020 droht dem niederländischen Rekordchampion der Verlust von weiteren Stammkräften. Hakim Ziyech hat sich bereits für einen Wechsel zum FC Chelsea entschieden. Die Blues brachten den Deal bereits Mitte Februar unter Dach und Fach.
Donny van de Beek steht sowohl bei Real Madrid als auch bei Tottenham hoch im Kurs. Mit den Königlichen soll es angeblich schon zu einer generellen Einigung gekommen sein.
Und auch der FC Bayern will sich offenbar im Sommer bei Ajax bedienen. Youngster Sergiño Dest steht dabei im Fokus der Münchner. Der erst 19-jährige Rechtsverteidiger war bereits in dieser Saison in der Allianz Arena zu Besuch.
Auch wenn die Niederländer nicht erst seit de Ligt und de Jong gezeigt haben, dass sie sich stets neu erfinden und neue Talente hervorbringen können, wird es wohl ein zweites Ajax-Team der Version 2018/19 so schnell nicht wieder geben. Egal, was in der Sommertransferperiode auch passieren mag. Cristiano Ronaldo wird das sicher freuen.
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