Das Telefon des Bundestrainers glühte. Erfreuliche Einladungen, schmerzhafte Absagen und aufbauende Gespräche hat Joachim Löw in intensiven Tagen und Wochen hinter sich gebracht - nun deckt er seine bis zu 26-EM Asse auf. Eine Karte wird Thomas Müller zeigen, das ist kein Geheimnis mehr. Auch Mats Hummels feiert wohl sein Comeback, Marco Reus dagegen hat schon vor der Kader-Bekanntgabe selbst abgesagt. Doch wird es weitere Joker geben?
Löw hatte sein Blatt zuletzt eng an sich gezogen. "Wir haben alles, was möglich war, noch mal überprüft", sagte er nur. Und eine Rückkehr von Reus für die EURO im Sommer war offenbar: nicht möglich. "Nach einer komplizierten und kräftezehrenden Saison", schrieb der Offensivstar am Dienstagabend bei Instagram, habe er "gemeinsam mit dem Bundestrainer beschlossen, nicht mit zur EM zu fahren".
Dabei hatte sich Borussia Dortmunds Kapitän in den vergangenen Wochen bei Löw in Erinnerung gebracht. Nach seiner Gala beim 4:1 im Pokalfinale gegen RB Leipzig - Löw war im Stadion live dabei - liebäugelte Reus dann sogar selbst mit einer Rückkehr. Nur fünf Tage später nun die Absage. Die Entscheidung sei ihm "sehr schwer gefallen", er müsse jedoch seinem Körper die nötige Erholungszeit geben.
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Doch Löw hat auch ohne Reus Spielraum für Unerwartetes, und der 61-Jährige hat durchaus eine Überraschungshistorie: Vor dem WM-Triumph 2014 zauberte er Shkodran Mustafi aus dem Hut, der selbst Insidern kaum ein Begriff war. 2006, als Assistent von Jürgen Klinsmann, verantwortete er die Kader-Sensation David Odonkor mit. Er berief 2012 ohne vorherige Nominierung den 18-jährigen Julian Draxler und nahm zum WM-Debakel 2018 Marvin Plattenhardt mit.

EM-Kader: Boateng wohl keine Option

In diese Kategorie würde Hummels am Mittwoch (12.30 Uhr) nicht fallen. Immer wieder musste sich der Bundestrainer anhören, er möge den aussortierten 2014er-Weltmeister doch endlich begnadigen. Nach dem 0:6-Desaster in Spanien und der 1:2-Blamage gegen Nordmazedonien wuchs der Druck nochmals enorm. "Ich wehre mich nicht, falls ich gefragt werde, nochmals zu helfen", sagte Hummels zuletzt. Am späten Dienstagnachmittag waren sich einzelne Medien schon sicher: Nach Informationen von Sport1 und der Bild-Zeitung wird Hummels zum Kader gehören.
Für andere würde es eng. Antonio Rüdiger, Niklas Süle und Matthias Ginter sind in der Innenverteidigung als gesetzt anzusehen, Robin Koch (Leeds United) muss bangen. "Jogi Löw wird schon die Richtigen mitnehmen", sagte er - und meinte damit natürlich sich selbst. Schließlich hat der 24-Jährige als großes Plus, auch Sechser spielen zu können. Jonathan Tah ist ohnehin Außenseiter, Jerome Boateng wird wohl nicht reaktiviert.
Im offensiven Mittelfeld ist das Gedrängel gewaltig, vielleicht hängt Reus' Absage auch damit zusammen: Der 31-Jährige, zuletzt 2019 im DFB-Dress, bespielt eine Position, auf der Löw keinerlei Sorgen hat: Kai Havertz, Leroy Sane, Serge Gnabry und Müller werden mitfahren, auch Florian Neuhaus, Amin Younes, Julian Draxler oder Florian Wirtz rechnen sich Chancen aus. Julian Brandt oder Mario Götze werden meist gar nicht mehr mit aufgezählt.

EM-Kader: Leno und Trapp als Neuer-Alternativen

Die Frage nach dem dritten Torhüter hat sich auf unerfreuliche Weise erledigt: Marc-Andre ter Stegen (Knie-Operation) fällt für die EM aus, somit haben hinter Manuel Neuer auch Kevin Trapp und Bernd Leno ihren Platz sicher. Toni Kroos (Real Madrid) ist an COVID-19 erkrankt, das sollte aber bei mildem Verlauf kein Hindernis sein.
Beide Probleme zeichneten sich erst nach Löws dreitägiger Klausurtagung mit seinem Stab und DFB-Direktor Oliver Bierhoff in Berlin ab. Dort hatte der Bundestrainer seine Liste von ursprünglich rund 40 Kandidaten auf seinen EM-Kader eingedampft.
Ein Vorspielen im Trainingslager in Seefeld/Tirol wird es entgegen Löws üblichem Vorgehen diesmal nicht geben. Am 28. Mai geht der Bundestrainer mit den maximal erlaubten 26 Spielern in die unmittelbare Vorbereitung auf das Turnier (11. Juni bis 11. Juli). Er wird möglicherweise sogar noch einen oder zwei Plätze offenhalten, um sich Spielraum bei Verletzten wie Leon Goretzka (Bayern München) zu geben.
Der endgültige Kader muss der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am 1. Juni gemeldet werden, einen Tag vor dem ersten Test in Innsbruck gegen Dänemark.
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(SID)

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