Die Liste ist übersichtlich.
Hans-Dieter Flick, Ralf Rangnick, Jürgen Klopp, Stefan Kuntz, vielleicht Marcus Sorg. Das sind die Herren, die aktuell in der Öffentlichkeit als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw gehandelt werden.
Und eben Lothar Matthäus.
Premier League
Klopp als Bundestrainer bei Heim-EM? Berater stellt Pläne klar
15/03/2021 AM 18:08
Mehr oder weniger aus dem Nichts wurde der Name des Rekordnationalspielers in die Debatte gespült - und wird aus dieser auch so schnell nicht mehr verschwinden. Denn viele langjährige Weggefährten des inzwischen 59-Jährigen befeuern die Gerüchte.

Hitzfeld und Beckenbauer pro Matthäus

Mehmet Scholl, Olaf Thon, Friedhelm Funkel, ja sogar Ottmar Hitzfeld und Franz Beckenbauer outeten sich als Fans der Idee, Matthäus mit der Betreuung der Nationalmannschaft zu betrauen.
"Ja, warum nicht Lothar?", fragte der "Kaiser", der mit seinem Weltmeister-Kapitän von 1990 seit jeher eine besondere Verbindung hat. Hitzfeld wurde noch deutlicher.
"Ich sehe keinen besseren als ihn", sagte der 72-Jährige im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Blick". "Er war Weltklassespieler, kennt den Fußball wie kein Zweiter, ist ein Top-Experte. Er hat sich bei "Sky" extrem verbessert und sich profiliert. Ja, ich bin für Lothar Matthäus."

Matthäus fühlt sich Beckenbauer verbunden

Fast angespornt durch das große Lob der Altmeister zog Matthäus selbst einen vielsagenden Vergleich- von sich zu Beckenbauer.
Der habe 1984 nicht Teamchef werden wollen, es dann aber "im Endeffekt gemacht, auch auf einen gewissen Druck hin", so Matthäus. 1986 führte der "Kaiser" Deutschland ins WM-Finale, vier Jahre später gab's den Titel.
Wenn auch er "diesen Druck spüre und er positiv ist, würde ich es mir überlegen", meinte Matthäus. Er sei eben jemand, der "gerne hilft". Und den die Aussicht auf zwei Titelchancen in kurzer Zeit mit einer talentierten Mannschaft offenbar reizt.
WER SOLLTE NACH DER EM NEUER BUNDESTRAINER WERDEN?
Wer könnte es ihm verdenken? Immerhin stehen nach der Europameisterschaft im Juni in kurzer Abfolge die Winter-WM 2022 in Katar und eineinhalb Jahre später die Heim-EM auf dem Programm.
Matthäus handelt nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Chance kommt unverhofft. Immerhin liegt seine Trainerkarriere seit exakt zehn Jahren auf Eis.

Matthäus hat "das Leben genießen gelernt"

Seit sein Job als Nationaltrainer Bulgariens 2011 ein Ende fand, hat Matthäus keine Mannschaft mehr betreut. Stattdessen machte er sich als TV-Experte beim Bezahlsender "Sky" im Laufe der Jahre unverzichtbar. Matthäus hat dort eine berufliche Heimat gefunden, sich stabilisiert.

Flick, Matthäus und Co.: Das sind die möglichen Löw-Nachfolger

Private Ungereimtheiten oder delikate Schlagzeilen - wie es sie in der Zeit kurz nach Beendigung seiner Profikarriere en masse gab - sind mittlerweile rar geworden.
Trotzdem bleibt der ehemalige Weltfußballer im Gespräch. Seine Meinungen werden gehört, auch wenn sie ab und zu nicht dem Mainstream entsprechen. Am 21. März wird Matthäus 60 Jahre alt.
"Ich habe das Leben genießen gelernt", sagte er kürzlich. Und weiter: "Man kann nie alles erreichen. Aber ich glaube schon, dass ich wunschlos glücklich sein kann. Ich persönlich sage: Ich habe richtige Wege gewählt."

Matthäus: Trainerjob im Tagesgeschäft ausgeschlossen

Für den Bundestrainerjob würde Matthäus diese Komfortzone verlassen und sich noch einmal ins Rampenlicht stellen. Und das, obwohl er vor wenigen Tagen einen Trainerjob ausschloss. Jedenfalls einen, der ihn tagtäglich beschäftigen würde.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir noch mal so einen Tagesjob antue. Ich will niemals nie sagen. Aber so ein Job, wo du von morgens bis abends unter Strom stehst - eher nicht", sagte der Rekordnationalspieler der "dpa". Diesen Stress habe er schließlich "30, 40 Jahre lang auf dem Fußballplatz und der Trainerbank erlebt".
Doch unabhängig vom Stress-Argument, das Matthäus beim DFB in komprimierter Form ebenfalls über den Weg laufen dürfte: Wäre er überhaupt der richtige für den Löw-Job?

Zählen Trainererfolge von vor fast 20 Jahren noch?

Ja, sagt sein ehemaliger Mitspieler Jürgen Kohler exklusiv bei Eurosport.
"Ich denke daran, wie er 2004 mit Ungarn die deutsche Mannschaft in Kaiserslautern 2:0 geschlagen hat - oder wie er mit Partizan Belgrad 2003 souverän serbischer Meister wurde", erklärt Kohler.

Matthäus (li.) 2004 als Trainer der ungarischen Nationalmannschaft

Fotocredit: Getty Images

Aber können diese Ereignisse, die 17 beziehungsweise 18 Jahre zurückliegen, als Argument für eine Traineranstellung in 2021 dienen? Wohl eher nicht.
Klar, Matthäus weiß um die Abläufe innerhalb einer Fußballmanschaft. Doch taktisch hat sich der Sport in den vergangenen Jahren enorm verändert. Es ist das eine, dies als Experte zu begleiten. Ein passendes Konstrukt für eine Mannschaft zu erstellen und es ihr überzustülpen, erfordert andere Fähigkeiten.
Auch hat Matthäus mit der heutigen Spielergeneration noch keine direkten Berührungspunkte. Timo Werner, Leroy Sané, Serge Gnabry und Co., sie alle kennen Lothar Matthäus. Ob sie ihn aber als Trainer akzeptieren würde, müsste sich erst zeigen.
Obendrein steckt die Nationalelf vor einem Umbruch. Der neue Trainer müsste Riesentalente wie Jamal Musiala, Kai Havertz oder auf lange Sicht Youssoufa Moukoko heranführen. Matthäus hat nie dauerhaft nachgewiesen, dass er dies kann.

Matthäus eckt an - aber will der DFB das?

Lothar sei außerdem "einer, der aneckt, was wichtig ist", findet Kohler. Denn: Beim DFB müssten "mal wieder die Fenster weit geöffnet werden, um durchzulüften".
Wer aber die Fenster aufreißt, das entscheidet auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff. Der Europameister von 1996 gilt nicht eben als größter Freund von Matthäus. Erst im vergangenen Dezember stritten sie sich die beiden Ex-Nationalspieler in einer Talkrunde.
Thema: die eventuelle Absetzung von Löw.
Bierhoff war dagegen, Matthäus dafür. Der neue Bundestrainer muss mehr sein als ein Coach. Er muss im Verband auch politisch vermitteln. Ob Matthäus das richtige Profil besitzt, ist zumindest fraglich.
"Der DFB wird entscheiden. Wenn irgendwann die Frage auf mich zukommt vonseiten der Verantwortlichen, musst du dir natürlich trotzdem Gedanken machen", sagte Matthäus selbst erst kürzlich im Podcast "Bayern-Insider".
Das kann passieren. Es scheint aber wahrscheinlicher, dass diese Frage niemals gestellt wird.
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