FC Bayern - Javi Martínez: Das letzte Hurra einer Vereinslegende

Javi Martínez avanciert in seinem womöglich letzten großen Spiel für den FC Bayern München zum Matchwinner. Im Supercup gegen den FC Sevilla erzielt der eigentlich aussortierte Spanier Minuten nach seiner Einwechslung in der Verlängerung den goldenen Treffer und beschert dem Triple-Sieger damit den vierten Titel des Kalenderjahrs. Das letzte große Hurra einer Bayern-Legende. Adios, Maschínez.

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Javi Martínez steht nicht gern im Mittelpunkt - am Donnerstagabend in der Budapester Puskas Arena war er jedoch selbst dafür verantwortlich, dass die Kameraleute ihn suchten und auf Schritt und Tritt verfolgten.
In der Verlängerung (104.) erzielte der kurz vorher (99.) eingewechselte Spanier den 2:1-Siegtreffer gegen den FC Sevilla und sicherte seinem FC Bayern damit im 239. und womöglich letzten Pflichtspiel für den Verein den vierten Titel des Kalenderjahres. Eine Geschichte, die kitschiger kaum sein könnte.
"Das ist ein Traum", stellte auch Martínez treffend fest. Anschließend präsentierte er den silbernen Pokal in der Budapester Puskas Arena stolz vor den mitgereisten Fans.
Dabei wirkte Martínez zurückhaltend, fast schon schüchtern. Seine Mitspieler mussten ihn beinahe dazu zwingen, den Pokal noch einmal in die Hände zu nehmen. Keine inbrünstigen Schreie, wie sie seine Kollegen teilweise in der "Fankurve" ausstießen, keine geballten Fäuste, keine Tänze. Lediglich ein sanftes Klopfen mit der rechten Faust auf das Klub-Emblem über seinem Herzen - ein letzter stiller Jubel mit den eigenen Fans.

Javi Martínez beim FC Bayern: Mr. Supercup

Flick sprach nach dem Spiel von einer "absolut schönen Geschichte", Thomas Müller ergänzte: "Die Kirsche auf der Sahne war unser Mister Supercup." Martinez’ Kopfball sei "eine überragende Waffe". Sollte der Defensivspezialist gehen, verliere die Mannschaft "einen super Kollegen und verrückten Vogel".
Auch zum ersten Supercup-Triumph der Bayern 2013 gegen den FC Chelsea (5:4 i.E.) hatte Martínez übrigens entscheidend beigetragen, als er in der Nachspielzeit der Verlängerung das 2:2 köpfte (120.+1).
"Immer wenn ich im Bayern-Trikot spiele, versuche ich, alles zu geben, mit 100 Prozent zu spielen. Das habe ich auch heute gezeigt", sagte der Defensivallrounder, der in der Regentschaft von Hansi Flick über weite Strecken außen vor war.
Unter Jupp Heyckes war der Spanier in der ersten Triple-Saison 2012/2013 noch absoluter X-Faktor für den Erfolg, in der vergangenen Spielzeit hatte er eine leisere Rolle inne. Dass er unmittelbar nach Flicks Übernahme sogar erste Wahl in der Innenverteidigung war, in der Rückrunde jedoch nur noch fünf Mal (110 Minuten) in der Bundesliga zum Einsatz kam, war vor allem dem Verletzungspech geschuldet. Martínez fand nach einem Muskelbündelriss, den er sich am 17. Spieltag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg zuzog, nicht mehr in die Spur.
Umso schöner, dass ausgerechnet er für die Pointe im engen Finale in Budapest sorgte. "Ich will der Mannschaft immer helfen, heute mit einem Tor", sagte der Matchwinner und wusste wohl selbst am besten, dass sein 14. Treffer im Bayern-Trikot mit großer Wahrscheinlichkeit sein letzter ist.

Martínez: Die Zeichen stehen auf Abschied

Martínez steht nach acht Jahren mit zwei Triple-Erfolgen in München vor der Rückkehr zu seinem Heimatklub Athletic Bilbao, sein Vertrag läuft bis 2021. Am Tag der Abreise nach Ungarn hatte die "Bild" bereits berichtet, dass der Wechsel in die alte Heimat in trockenen Tüchern sei. Beim obligatorischen Lederhosen-Weißbier-Shooting für Sponsor Paulaner fehlte Martínez, im Flieger nach Budapest hatte er dann aber seinen Platz.
Selbst Coach Flick schien etwas überrascht von der Anwesenheit seines Spielers zu sein: "Gestern habe ich noch gelesen, dass er auf dem Weg nach Bilbao ist", sagte der 55-Jährige vor dem Supercup. Natürlich sei er dennoch "froh, dass ich ihn dabeihabe".
Ob das auch beim Bundesliga-Spiel in Hoffenheim am kommenden Sonntag (ab 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) der Fall sein wird, ist unklar. "Ich weiß nicht, was in den nächsten Tagen passiert", hielt sich Martínez im spanischen Fernsehen nach dem Triumph bedeckt und schob vielsagend nach: "Wenn ich mich so verabschiede, ist das natürlich ein Traum, etwas Unglaubliches."
Doch solange Martínez seine Unterschrift noch nicht unter einen Vertrag eines anderen Vereins gesetzt hat, ist er Münchner - und zwar mit allem, was er hat. "Solange ich hier bin, werde ich alles tun, um das Trikot zu verteidigen", sagte der Spanier bei "Sky".
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