Für den größten Sportverband der Welt war die Unterschrift von Hansi Flick eine Erleichterung.
Die absolute Wunschlösung wurde am Dienstag Realität, denn nach der EM wird der Ex-Bayern-Coach neuer Bundestrainer. Ein großer Vorteil ist dabei ohne Frage, dass Flick den DFB bereits bestens kennt und weiß, worauf er sich einlässt.
Von 2006 bis 2014 assistierte der heute 56-Jährige als Co-Trainer an der Seite von Joachim Löw. Nach dem WM-Erfolg 2014 übernahm er die Rolle des Sportdirektors, welche er bis 2017 ausfüllte. Nun kehrt Flick also zur Nationalmannschaft zurück. Beide Seiten deuteten in den vergangenen Wochen bereits gegenseitiges Interesse an. Doch erst in den vergangenen Tagen wurden letzte Details geklärt.
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Gerade die zahlreichen deutschen Nationalspieler des FC Bayern dürften sich über eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Ex-Trainer freuen.

Acht Bayern-Spieler im EM-Aufgebot von Löw

Im von Löw nominierten EM-Kader stehen alleine acht Münchener Profis, darunter Manuel Neuer, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Serge Gnabry. Auch Youngster Jamal Musiala sowie Leon Goretzka, Leroy Sané und Niklas Süle wurden für die Europameisterschaft nominiert. Damit besteht fast ein Drittel des deutschen EM-Aufgebots aus Bayern-Spielern. Auch unter Flick, dessen Vertrag offiziell schon am 1. Juli beginnt - also noch während der EM, dürften die Münchener einen wichtigen Part in seinen Überlegungen spielen.
Der 56-Jährige schwärmte zuletzt wiederholt von seiner Bayern-Mannschaft. Bei "Sport1" wird der baldige Bundestrainer zitiert: "Meine Spieler, alle Leute um mich herum - jeder konnte sich einbringen." Ihm sei besonders "ein gutes Miteinander, eine gute Atmosphäre" wichtig gewesen, betonte Flick.
Genau diese Eigenschaft verbindet den Sextuple-Trainer auch mit seinem Vorgänger und ehemaligen Chef Löw. Beide Coaches gelten als sehr gute Kommunikatoren. Sie suchen mit ihren Spielern viele persönliche Gespräche und schaffen es dadurch, eine enge Verbindung und Vertrauen aufzubauen. Beim FC Bayern konnte man in den 19 Monaten unter Flick beobachten, wie strauchelnde Profis wieder konstant Topleistungen abriefen. Ein perfektes Beispiel dafür ist Jérôme Boateng.
Der Verteidiger war schon 2019 vom damaligen Präsidenten Uli Hoeneß zum Abschied aufgefordert worden. Er wirke "wie ein Fremdkörper", sagte dieser damals noch während der Meisterfeier dem "BR". In der unter Cheftrainer Niko Kovac abgelaufenen Saison 2018/19 bestritt Boateng gerade einmal 28 Saisonspiele. Nach der Übernahme von Flick im Herbst 2019 beendete der Weltmeister von 2014 jedoch die kommenden beiden Spielzeiten mit 38 (2019/20) beziehungsweise 39 (2020/21) Spielen. Der 56-Jährige bezeichnete ihn erst kürzlich als "einen der besten Innenverteidiger Deutschlands".

Flick lobt Boateng: "Einer der besten Innenverteidiger Deutschlands"

Hansi Flick erwarten schwere Aufgaben

Auch Müller blühte unter dem 56-Jährigen auf. Ein kleiner Vergleich: In den letzten zehn Liga-Spielen unter Kovac legte der Ur-Bayer zwar vier Tore auf, nach den ersten zehn Bundesliga-Begegnungen mit Cheftrainer Flick hatte Müller jedoch fünf Tore und acht Assists auf seinem Konto.
Einige Bayern-Stars äußerten sich bereits positiv über Flick als Bundestrainer-Kandidat. Für Sané it der ehemalige Löw-Assistent "ein sehr guter Fang", wie er im Gespräch mit "Sport1" klarstellte. Auch Neuer lobte Flick in der "ARD" überschwänglich. Dieser sei in seiner Zeit beim FC Bayern zum "besten Trainer der Welt" geworden.
Auf Flick kommen bei der Nationalmannschaft allerdings schwere Aufgaben zu. Der von Löw angefangene und für die EM unterbrochene Umbruch des Teams muss im Hinblick auf die kommenden Turniere fortgeführt werden. Spieler wie Müller oder auch der zurückgeholte Mats Hummels dürfen unter Flick auf EM-Einsätze im DFB-Trikot hoffen. Ob sie allerdings auch noch für die in drei Jahren anstehende Heim-EM eine Rolle in der Nationalmannschaft spielen werden, darf stark angezweifelt werden. Müller wäre dann 33, Hummels 34 Jahre alt.
Junge Talente wie Musiala oder auch Florian Wirtz müssen also in der nahen Zukunft herangeführt und etabliert werden. Zumal bereits im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft in Katar ansteht. Flick betonte am Dienstag in einem Statement des DFB, er freue sich schon sehr auf "die Klasse der Spieler, gerade auch der jungen Spieler in Deutschland".

Meinungsstarker Trainer übernimmt beim DFB

Trotz aller Vorfreude und Lobeshymnen von Seiten des DFB (Hier geht es zu den Reaktionen) können sich die Verantwortlichen durchaus auf einen meinungsstarken Trainer vorbereiten. Die letzten Monate beim FC Bayern machten deutlich, dass Flick seine Überzeugungen standhaft vertritt.
Der Streit mit dem Münchener Sportvorstand Hasan Salihamidzic über Transfer- und Kaderfragen hatte daher wohl durchaus seinen Anteil am Abschied des Coaches. Auch die öffentliche Verteidigung seiner Spieler gegen Kritik - beispielsweise als Ex-Bayern-Präsident Hoeneß zuletzt erneut Boateng attackierte - nimmt sich Flick zu Herzen.
Vielleicht entschied sich der 56-Jährige deshalb für die Aufgabe beim DFB. Denn im Nationalteam kann er selbst entscheiden, mit welchen deutschen Spielern er zusammenarbeiten will. Transfers, ob Ein- oder Verkäufe, stellen kein Problem dar. Ein erneuter Job bei einem Verein war daher womöglich weniger reizvoll. Denn auch bei Tottenham Hotspur, Real Madrid und dem FC Barcelona wurde Flick laut "Bild" bis zuletzt gehandelt.
Zudem kennt er beim DFB viele Verantwortliche, unter anderem DFB-Direktor Oliver Bierhoff sowie zahlreiche Fachleute "im Team hinter dem Team", wie Flick es nannte. Dadurch könne "die Mannschaft, wir Trainer und der Staff ohne lange Anlaufzeit durchstarten". Am 2. September wird Flick die Nationalmannschaft erstmals als Bundestrainer anführen. In der WM-Qualifikation geht es dann gegen Liechtenstein.
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