Der FC Barcelona steht für das 4-3-3. Das zu Saisonbeginn oft praktizierte 4-2-3-1 stellte schon fast so etwas wie einen Kulturschock dar. Nun hat Ronald Koeman sogar die Viererkette ad acta gelegt und lässt sein Team im 3-4-2-1 spielen - mit Erfolg.
Endlich Tiefe - und auch Breite!
Damit ist Barça bestens gerüstet für den Clásico bei Real Madrid (Samstag ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), der maßgeblichen Einfluss auf das Titelrennen haben wird. Aktuell führt Atlético die Tabelle mit nur einem Punkt Vorsprung auf Barcelona an, Real folgt dahinter mit wiederum zwei Zählern Rückstand auf die Katalanen.
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Koeman konnte mit der Umstellung auf Dreierkette gleich mehrere Probleme bei ist Barça beheben. Dank Frenkie De Jongs Versetzung in die Innenverteidigung ist der Spielaufbau nun deutlich zielstrebiger. Der Niederländer dribbelt als zentrales Glied der Dreierkette oft Richtung Mittelfeld an und sucht nach Lösungen.
Weil er erst so früh wie nötig und so spät wie möglich abspielt, zieht er immer wieder Druck auf sich – den er aber durch einen klugen Pass schnell löst. Meistens sind es dann seine Nebenmänner, die viel Platz bekommen und weiteren Raum gewinnen können. Die Folge: Die Flügelspieler können sich schon höher positionieren, sodass das Fehlen von Außenstürmern im 3-4-2-1 gar nicht auffällt.

Messi bringt Alba und Dest ins Spiel

Diese leichte Anpassung erzeugt mehr Druck über beide Seiten, wo der ohnehin seit Jahren sehr offensive Jordi Alba (links) und Neuzugang Sergiño Dest (rechts) gerne Laufwege bis zur Grundlinie anbieten - und so für die oft vermisste Tiefe und Breite im Spiel sorgen (mehr dazu im Taktik-Check zum Umbruch beim FC Barcelona).

Barcelona-Profis Lionel Messi und Jordi Alba

Fotocredit: Getty Images

Hat Lionel Messi sich im Zentrum mal wieder durch ein Dribbling Raum verschafft, setzt er regelmäßig zu seinen gefürchteten Pässen durch die Schnittstelle oder über die gegnerische Abwehrkette an und bringt Alba oder Dest ins Spiel.
Auch defensiv macht sich die Umstellung bezahlt, da nun mit drei statt zwei Innenverteidigern abgesichert werden kann. Wenn in Ballbesitz zusätzlich einer der beiden Sechser ein Auge auf die Restverteidigung hat, wirkt Barça tatsächlich seit langer Zeit wieder wie ein stabiles, dominantes Team.

Trotz Entlastung durch Pedri: Alles hängt an Messi

Diese Dominanz wird im Zentrum hergestellt. Hier hat man mit gleich vier Spielern oftmals eine nominelle Überzahl. Vor der Abwehr agiert mit Sergio Busquets der verlässliche, ballsichere Ankerspieler. Neben ihm läuft in der Regel ein offensiverer Akteur auf, besonders Toptalent Pedri hat sich hier bewiesen.
Der dribbelstarke Mittelfeldspieler sprüht nur so vor Kreativität, fordert viele Bälle, kann diese dank seiner guten Orientierung auch unter Druck in die richtige Richtung mitnehmen und das Spiel nach vorne fortsetzen.
Diese Aktionen verschaffen Messi, der im 3-4-2-1 zusammen mit Antoine Griezmann als Doppelzehn aufläuft, ein wenig Entlastung. Trotzdem gibt es noch immer viele Szenen, in der der Argentinier sich den Ball in Manier eines Point Guards beim Basketball ganz hinten abholen muss und sich dem gesamten gegnerischen Defensivblock gegenübersieht. Messi übernimmt regelmäßig die Verantwortung und findet Lösungen.
Als einer der besten Passspieler der Fußballgeschichte kann er auch mit wenig Zeit und Raum jeden einzelnen Fleck Rasen im Stadion punktgenau anspielen. Das Zusammenspiel mit Alba kann man mittlerweile als blindes Verständnis bezeichnen. Nahezu in jedem Spiel gibt es mindestens eine Situation, in der Messi gegen einen eigentlich perfekt organisierten Gegner aus dem Bereich des Mittelkreises einen Pass auf den einlaufenden Alba spielt und so für eine große Torchance sorgt.

Multi-Talent Messi: Zahlen vom anderen Stern

Öffnender Pass? Dribbling? Letzter Pass? Abschluss? Es gibt quasi keinen Angriff, bei dem Messi nicht mindestens zwei dieser Aktionen beisteuert. Sein Einfluss ist größer als je zuvor: Gerade in schwierigen Spielphasen sieht man, wie die vielen jungen Spieler die Verantwortung an den Ausnahmekönner weitergeben. Ein kleiner Blick in die Statistik unterstreicht, wie omnipräsent Messi wirklich ist.

Koeman fordert: "Messi soll noch viele Jahre bleiben"

Er spielt die siebtmeisten Pässe in der Meisterschaft - vor ihm stehen ausschließlich Abwehrspieler und Sechser, die naturgemäß deutlich öfter den Ball haben. 63 vorbereite Torchancen stellen ebenso den absoluten Topwert der Liga dar wie seine 115 erfolgreichen Dribblings. Seine acht Torvorlagen werden nur von Iago Aspas (zehn) getoppt. Das Wort Spielmacher passte selten so gut wie hier.
Und trotzdem kommt Messi unglaublich oft zum Abschluss. 151 Mal hat er den gegnerischen Torwart bislang geprüft. Zum Vergleich: Reals Karim Benzema kommt auf dem zweiten Platz auf lediglich 98 Abschlüsse. Und natürlich führt Messi mit 23 Treffern auch die Torjägerliste an. Dies schafft er, weil er nach seinen Aktionen sofort wieder in Bewegung ist. Nach einem erfolgreichen Dribbling ist der Gegner kurz ungeordnet und Messi kann einen öffnenden Pass spielen. Danach geht es sofort im Tempo nach vorne, entweder in den Rückraum oder komplett durch in die Mittelstürmerposition.
Eurosport-Check: Die Systemumstellung Koemans hat gefruchtet, da nun mehr Breite und Tiefe im Spiel ist und zudem durch die verbesserte Konterabsicherung mehr Dominanz aufgebaut werden kann. Entscheidend ist aber ein anderer Faktor - und der trägt den Namen Lionel Messi. Er leitet ein, er öffnet das Spiel, er schafft Unordnung, bereitet vor und schließt ab. Die Leistungsdichte im Profifußball wird immer höher und trotzdem hat es in diesem Jahrhundert keinen Spieler gegeben, der ein Team so getragen hat, wie es Messi aktuell tut.
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