Es ist ja nicht so, als hätte es Lionel Messi nicht geahnt. "Es ist verrückt, was sie mit Luis Suarez gemacht haben", sagte der argentinische Superstar des FC Barcelona im Dezember über den Transfer seines Freundes zu Atlético Madrid: "Sie haben ihn ablösefrei an ein Team abgegeben, das mit uns um den Titel kämpft."
Der Stachel des Transfers - den noch Messis Intimfeind, der inzwischen zurückgetretene Präsident Josep Maria Bartomeu, befürwortet hatte - sitzt tief. Denn der Wechsel von Suárez ist ganz offensichtlich einer der Hauptgründe dafür, dass eben nicht Barça oder Rekordmeister Real Madrid in Spaniens La Liga nach dem Titel greift, sondern der "ewige Underdog" Atlético.
Zehn Punkte Vorsprung auf den FC Barcelona, der nach dem 2:1-Erfolg über Athletic Bilbao an Erzrivale Real vorbeigezogen und nun Tabellenzweiter ist, haben die Rojiblancos inzwischen angehäuft - und das Team von Trainer Diego Simeone hat sogar noch ein Spiel weniger absolviert als die Katalanen.
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So ganz recht hatte Messi also doch nicht: Denn von einem echten “Kampf” um den Titel lässt sich derzeit nicht wirklich sprechen.

Suárez: Der torgefährlichste Neuzugang der Liga-Geschichte

Real und Barça spielen bisher weit unter ihren Möglichkeiten, doch das alleine ist nicht der Grund für den klaren Vorsprung von Atlético. Vielmehr hat Suárez dem in der vergangenen Saison lethargisch wirkenden Team genau das gegeben, was fehlte: Tore und Siegermentalität.
Als "aufregendstes Atlético-Team der letzten Jahre" beschrieb die Sporttageszeitung "Marca" die Mannschaft: "Suárez macht den Unterschied, er kann Spiele entscheiden." Dies zeigt er eindrucksvoll. 14 Tore und zwei Assists in den ersten 16 Ligaspielen für Atlético - besser war für einen neuen Klub in Spanien niemand, nur Cristiano Ronaldo legte 2010 nach seinem Wechsel zu Real ähnliche Werte in seinen ersten 16 La-Liga-Partien auf: 14 Tore, ein Assist.

Suarez steht nach dem Sieg in Cadiz bei 14 Saisontoren

Fotocredit: SID

Die Bilanz des Teams spricht ohnehin Bände. 16 Siege, zwei Remis und eine Niederlage aus 19 Spielen - das sind insgesamt 15 Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2019/20. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass bei Atlético nach dem Aus in der Champions League gegen RB Leipzig und der nicht mehr zu leugnenden Stagnation sogar die Vereinsikone Simeone infrage gestellt wurde.

Suárez komplettiert "Rabaukentruppe" Atlético

Atlético hielt an ihm fest - und wurde dafür belohnt. Simeone entwickelte den Stil seines Teams weiter, das Offensivspiel ist deutlich attraktiver. Und aufopferungsvoll verteidigen, dem Gegner die Lust am Fußball nehmen, das konnte Simeones Team ohnehin schon immer. Thomas Müller bezeichnete Atlético kürzlich nicht von ungefähr als "größte Rabaukentruppe im Weltfußball".
Nun kommt noch Suárez hinzu, laut "Marca" ein "Geschenk Barças". Dies sei auch beim 3:1 gegen Valencia am vorletzten Sonntag zu sehen gewesen, als Suárez mit seinem Treffer zum 2:1 den Sieg einleitete: "Letztes Jahr hätten sie noch remis gespielt. Und daran hätte sich auch niemand gestört, weil sich jeder an den dritten Platz für Simeones Team gewöhnt hat."

Luis Suárez (Atlético)

Fotocredit: Getty Images

Auch gegen den so unangenehmen Aufsteiger FC Cádiz, der sowohl bei Real Madrid (1:0) als auch zuhause gegen den FC Barcelona (2:1) gewinnen konnte, traf der Uruguayer beim 4:2-Auswärtssieg doppelt.

Barca lässt Suárez gehen: Jetzt schon ein mittelschwerer Fehler

Suárez treffe nun Spieltag für Spieltag - "für sich, sein Team und gegen alle, die ihn verachten", so "Marca" weiter: "In seiner Rache erinnert er sehr an den Grafen von Monte Cristo."
Edmond Dantes, die Hauptfigur in dem weltberühmten Abenteuerroman von Alexandre Dumas, plant seine Vergeltung allerdings nach langer Kerkerhaft über viele Jahre hinweg. Suárez könnte seine Rache dagegen in wenigen Monaten vollenden: mit dem Gewinn der Meisterschaft.
Für den FC Barcelona, der sich dieser Tage einer existenzbedrohenden Finanzkrise, den geleakten Vertragsdetails rund um Superstar Messi und der bevorstehenden Präsidentschaftswahl auseinandersetzen muss, ist der freiwillige Verlust von Suárez jetzt schon als mittelschwerer Fehler einzuschätzen.
Schießt der 34-Jährige die Rojiblancos nun auch noch zur ersten Meisterschaft seit 2013, wäre das ein weiterer Schlag in die katalanische Magengrube. Schließlich war es ja nicht so, dass der 34-Jährige Barcelona unbedingt verlassen wollte.
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