Ballon d'Or 2021 - Lionel Messi gewinnt vor Robert Lewandowski: Darum hat der PSG-Star den Titel verdient
Die Wahl von Lionel Messi zum Weltfußballer und die Vergabe des Ballon d'Or an den Argentinier rief ein gewaltiges Echo hervor - in der Szene, bei den Fans, in den Medien. Die Leistungen des 34-Jährigen stellt niemand infrage, wohl aber die Meinung der Jury, die Messi vor Robert Lewandowski sah. Der Bayern-Star war für viele der beste Spieler 2021. Dennoch: Die Wahl von Messi geht in Ordnung.
Lionel Messi bei der Copa América 2021 in Brasilien
Fotocredit: Getty Images
Beim FC Bayern war man sich einig. "Kein Spieler hat es mehr verdient als Robert. Das steht außer Frage mit dieser Konstanz und Art und Weise. Neben seiner Gier auf Tore hat er eine unfassbare Haltung zum Sport", betonte Coach Julian Nagelsmann im Vorfeld der Ballon-d'Or-Verleihung. "Da muss man nicht diskutieren, der Lewy muss das Ding holen", stieß auch Thomas Müller bei "Sky" ins selbe Horn.
Inzwischen weiß man: Die zur Abstimmung berechtigten Journalisten aus aller Welt folgten der Argumentation von Nagelsmann und Müller nicht.
Messi setzte sich mit 613 Punkten vor Lewandowski (580) durch und staubte den begehrten Goldenen Ball zum siebten Mal ab. Fußball-Legende Lothar Matthäus monierte umgehend bei "Sky", er verstehe "nach dieser Wahl die Welt nicht mehr". Toni Kroos zeigte im Podcast "Einfach mal luppen" ebenfalls klare Kante. "Das, was an der Wahl nicht stimmt, ist vor allem der erste Platz", so der Mittelfeld-Stratege von Real Madrid.
Die "Bild" wiederum schäumte und sprach von einer "Skandal-Wahl".
Messi in fast allen Statistiken vorne
Zu Unrecht.
Denn ein Blick auf den Bewertungszeitraum von 1. Januar bis 24. Oktober zeigt: Es gibt sehr gute Argumente, die für Messi sprechen. Man muss sich aber die Mühe machen, genauer hinzuschauen.
Die Tatsache, dass Lewandowski mit 54 Toren deutlich häufiger netzte als der Argentinier (40), mag zwar ins Auge stechen, allein wahlentscheidend ist sie nicht. Der Ballon d'Or ist schließlich keine reine Stürmer-Auszeichnung. Dafür gibt es den Striker of the Year Award, der folgerichtig auch an den Bayern-Angreifer ging.
Ein Weltfußballer aber wird aus vielen Zutaten gebacken, und da zeigt sich, dass Messi im Vergleich mit Lewandowski fast in allen Bereichen die Nase vorne hat. Ob bei Assists (16:8), Zuspielen (2525:715), Dribblings (224:48), Tacklings (31:12) oder beim Kreieren von Torchancen (118:55) - der PSG-Star weist deutlich bessere Werte auf als der 33-jährige Pole. Ja, es gibt sogar Tor-Statistiken, die für Messi sprechen, wie etwa die der spielentscheidenden Treffer (9:8).
Messi-Show bei Copa América endet mit Titel
Was die Erfolge mit dem Team angeht, liegen die beiden Ausnahmeprofis gleichauf. Lewandowski räumte mit Bayern die Meisterschaft und den Titel bei der FIFA Klub-WM ab, Messi holte mit dem FC Barcelona die Copa del Rey und mit Argentinien die Copa América. Letzteres ein Wettbewerb, der in der europäischen Wahrnehmung gerne untergeht.
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"Balsam für die Seele": Argentinien steht nach dem Copa-Coup Kopf
Quelle: Perform
Dem Fachpublikum blieb freilich nicht verborgen: Es war der stärkste Messi im Nationaltrikot, der da in diesem Jahr bei der Copa in Brasilien auf dem Platz stand. Mit vier Toren und fünf Assists war der Superstar der beste Scorer des Turniers. "Was für ein schöner Wahnsinn! Das ist unglaublich, danke Gott", schrieb Messi nach dem Endspiel auf Instagram. Es war sein erster großer Titel mit der Nationalelf. Man muss eigentlich gar nicht erst erwähnen, dass er zusammen mit Neymar zum besten Spieler der Copa gewählt wurde.
Bis zum Finale, das Argentinien mit 1:0 gegen Gastgeber Brasilien gewann, war er an 80 Prozent (!) aller Tore seiner Mannschaft direkt beteiligt. Der 34-Jährige sei die "figura estelar", der Stern im Team, schrieb "El Clarín", Argentiniens meistgelesene Tageszeitung. "Messi war mehr Anführer denn je, und das auf höchstem Niveau."
Nun sind die Chancen, einen wichtigen Titel einzufahren, mit Argentinien natürlich größer als mit Polen - aber die genialen Messi-Wochen im Juni dürften bei vielen Jury-Mitgliedern eine wesentliche Rolle gespielt haben.
Lewandowski wieder im Torrausch, Messi mit Problemen bei PSG
Es muss beim Ballon d'Or eben der gesamte Zeitraum der zehn Wertungsmonate bedacht werden, auch wenn der letzte Eindruck ein anderer ist.
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Robert Lewandowski ist Weltfußballer des Jahres 2021
Fotocredit: Getty Images
Während Messi nach seinem Wechsel-Theater im Sommer aus unterschiedlichen Gründen Mühe hat, bei Paris Saint-Germain Fuß zu fassen, läuft es bei Lewandowski wie geschmiert. 25 Treffer und zwei Torvorlagen in 20 Pflichtspielen hat der Bayern-Star in dieser Saison auf dem Konto. Messi wiederum lief nach Trainingsrückstand, Knochenprellung und Knieproblemen erst elf Mal für PSG auf und kam dabei auf vier Treffer und drei Assists.
Sieht man dagegen das ganze Bild, geht das Ergebnis der Wahl vollkommen in Ordnung.
Messi adelt Lewandowski: "Du warst der gerechte Sieger"
Messi kann überdies nichts dafür, dass Lewandowski im Vorjahr wohl gewonnen hätte, der Ballon d'Or aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht vergeben wurde.
Es spricht für den Südamerikaner, dass er bei der Gala im Théâtre du Châtelet in Paris daran erinnerte. "Ich finde, dass France Football dir den Ballon d'Or des vergangenen Jahres geben sollte. Wir alle wissen, dass du ihn verdient hattest. Du warst der gerechte Sieger", wandte sich Messi an Lewandowski.
Der gerechte Sieger in diesem Jahr heißt Lionel Messi - auch wenn das für viele nur schwer zu akzeptieren ist.
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Messi tröstet Lewandowski: "Ein erstklassiger Stürmer"
Quelle: Perform
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