Paris Saint-Germain: Warum die Weltauswahl um Lionel Messi, Sergio Ramos und Co. Gefahren birgt

PSG war in der jüngsten Transferperiode ganz besonders aktiv, stellte eine nahezu utopische Mannschaft zusammen. Messi, Donnarumma, Ramos und Hakimi kamen, Superstar Mbappé wurde gehalten – komplettiert wird das Ensemble durch Neymar, Di Maria sowie Verratti. Namen, die jedem Trainer Freudentränen in die Augen treiben dürften - und große Egos, die eben auch für interne Querelen sorgen können.

Neymar, Kylian Mbappé und Lionel Messi (v.l.n.r.)

Fotocredit: Getty Images

Alle Augen waren am so genannten Deadline Day, dem letzten Tag der Transferperiode auf Paris gerichtet. Diesmal ging es zunächst nicht darum, welches Fußball-Schwergewicht an diesem Tag seinen Weg in die französische Hauptstadt finden würde, vielmehr stand die Frage im Raum, ob das Starensemble um einen großen Stern erleichtert wird.
Kylian Mbappé wurde monatelang mit einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht, Unsummen sollen seitens der Spanier für den Youngster geboten worden sein, bis zuletzt bestand die königliche Hoffnung, einen Kronprinzen an Land zu ziehen. Doch das Pariser Interesse, einen der verheißungsvollsten Spieler des Planeten gehen zu lassen, hielt sich ganz offensichtlich in Grenzen.
Auf einen letzten verzweifelten Vorstoß, der laut "Goal" 220 Millionen Euro aufs PSG-Konto gespült hätte, reagierten die Verantwortlichen um Nasser Al-Khelaifi angeblich gar nicht erst.
Mbappé selbst teilte in der Nacht, als klar war, dass er nicht nach Madrid wechseln wird, ein mittlerweile gelöschtes Video, das mit dem Aerosmith Song "Drem On" untermalt wurde.

Mbappé will im kommenden Sommer zu Real wechseln

Einfach weiterträumen, dann eben erst im kommenden Sommer, wenn sein Vertrag an der Seine ausläuft und Saint-Germain keinen Einfluss mehr auf seine Entscheidung nehmen kann. Bis dahin "muss" der 22-Jährige eben mit seinen aktuellen Teamkollegen Vorlieb nehmen.
Diese heißen seit kurzem beispielsweise Lionel Messi, Sergio Ramos, Gianluigi Donnarumma, Achraf Hakimi oder Georginio Wijnaldum, auch die ihm bestens vertrauten Neymar, Marco Verratti und Ángel Di Maria gehören weiterhin zur Mannschaft. Es gibt womöglich schlimmere Zukunftsszenarien für einen Fußballer, als mit derartigen Namen noch für eine Spielzeit die Kabine zu teilen.
"Bleib noch ein Jahr und wir gewinnen zusammen die Champions League. Dann kannst Du nach Madrid gehen", soll Messi dem Weltmeister 2018 laut Überlieferungen des argentinischen Journalisten Fernando Czyz gesagt haben. Ob die Ansage des sechsmaligen Weltfußballers konkrete Auswirkungen auf Mbappé hatte, ist nicht überliefert.
Wie es mit dem häufig bemühten Financial Fair Play der UEFA vereinbar ist, Neuzugänge wie Hakimi (60 Millionen Euro) zu bezahlen und gleichzeitig die Gehälter von Messi, Ramos und Donnarumma zu stemmen, während man auf der anderen Seite lediglich das Salär von Mitchel Bakker (wechselte für 7 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen) einspart, dürfte indes Al-Khelaifis Geheimnis bleiben.

PSG: Eine utopische Mannschaft

Fußballromantiker stellen sich mit Blick auf das Transfergebaren des neureichen Klubs aus Frankreichs Hauptstadt wohl die Nackenhaare auf. Im Sommer entstand ebenda eine Equipe, die mühelos in Thomas Morus‘ Roman "Utopia" hätte Fußball spielen können, sich aber nun vornehmlich mit Vereinen wie Stade Reims, Clermont Foot Auvergne oder Espérance Sportive Troeyes Aube Champagne auseinandersetzen muss.
So sehr das Kollektiv auf den ersten Blick beeindrucken mag – ob Trainer Mauricio Pochettino tatsächlich zu beneiden ist, wird sich noch herausstellen. Auch der Argentinier darf nur elf Spieler auf den Platz schicken, der mit Größen gespickte Kader bietet dementsprechend reichlich Zündstoff.
Alleine in der Offensive stehen für drei vakante Stellen mit Messi, Mbappé, Neymar, Di Maria und Mauro Icardi gleich fünf Akteure zur Verfügung, die in wohl jedem anderen Klub unangefochten gesetzt wären. Im Tor gilt es zwischen dem erfahrenen Keylor Navas und dem jungen EM-Helden Donnarumma zu entscheiden und im Mittelfeld streiten sich mit Wijnaldum, Verratti, Ander Herrera, Idrissa Gueye, Danilo Perreira und Leandro Paredes sechs Spieler um drei Plätze.
Natürlich könnte man argumentieren, PSG verfüge über eine enorme Breite, die während einer langen Saison eher Trumpf denn Bürde ist. Andererseits dürften die genannten Stars neben dem mitunter eher langweiligen Ligue-1-Alltag eher auf die Filetstücke, die Partien der Champions League, konzentrieren. Seit Jahren geht es nicht darum, die nationale Liga zu gewinnen, dieser Erfolg ist ohnehin fest eingeplant – und wurde in der Vergangenheit auch ohne Messi, Ramos und Co. teils locker eingefahren (2021 aber setzte sich Lille durch und gewann gegen PSG auch den Supercup).

Nur der Champions-League-Titel zählt

Der Henkelpott soll es sein, er ist Al-Khelaifis Heiliger Gral. Weil die begehrte Trophäe sich aber traditionell ziert, sich unter den Eiffelturm zu bequemen, nahm der katarische Geschäftsmann regelmäßig Abermillionen in die Hand, in diesem Sommer sprengte er letztlich jegliche Vorstellungskraft. Pochettino hat nun nicht nur die komplizierte Aufgabe, die Königsklasse zu gewinnen, sondern das Konstrukt zu moderieren, all die großen Egos bei Laune zu halten, niemanden vor den Kopf zu stoßen.
Sollte dies nicht gelingen, wäre das interne Klima durchaus in Gefahr, missmutige Stars können für Komplikationen sorgen, das gesamte Konstrukt herunterziehen – und somit das ganz große Ziel in Gefahr bringen. Carlo Ancelotti, Laurent Blanc, Unai Emery, Thomas Tuchel – sie alle vermochten das Pariser Großprojekt nicht nach Al-Khelaifis Wünschen zu gestalten, sie alle scheiterten an divenhaften Zügen der Spieler und am Erfolgsdruck der Bosse.
Pochettino wurde nun selbst für PSG-Verhältnisse ein beispielloser Kader an die Seite gestellt, der nur Fluch oder Segen sein kann. Dazwischen gibt es nichts.
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Quelle: SID

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