Europas größte Fußball-Show soll ab sofort in Paris über die Bühne gehen.
So in etwa stellen sich das die Verantwortlichen bei PSG vor. Denn: Obwohl der Star-Zulauf im Sommer gewaltig war, gaben die Pariser keinen Leistungsträger ab. So fällt Trainer Mauricio Pochettino in dieser Saison die gleichermaßen beneidenswerte wie knifflige Aufgabe zu, aus prominenten Neuzugängen und Ausnahmekönnern wie Kylian Mbappé, Neymar oder Ángel Di María eine Einheit zu formen.
Noch ist nicht einfach zu bewerten, inwiefern dies dem Argentinier gelungen ist. "So ganz passt es noch nicht. Das wurde beim 0:2 in der Liga gegen Stade Rennes offensichtlich", erklärt Fußball-Experte Cyril Morin von Eurosport in Paris, der das Geschehen bei PSG aus der Nähe verfolgt. "Pochettino hat Di María, Messi, Neymar und Mbappé gemeinsam aufgeboten. Ging schief. Es wäre wohl besser gewesen, Marco Verratti die Rolle des Spielmachers zu geben, dann hätten Idrissa Gueye und Ander Herrera höher pressen und das Mittelfeld stärken können", so Morin.
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Dies würde allerdings dazu führen, dass einer aus dem Star-Quartett auf der Bank Platz nehmen müsste. "Es sieht so aus, als ob Di María ein Problem bekäme", vermutet Morin.

Klarer Aufwärtstrend bei Messi

Es ist schwer bis unmöglich vorstellbar, dass an Messi gerüttelt wird. Der sechsmalige Weltfußballer legte einen - für seine Verhältnisse - holprigen Start hin. Der 34-Jährige absolvierte nur fünf von elf Pflichtspielen in Meisterschaft und Champions League. "Weil ihm noch einiges zur physischen Topverfassung fehlt", wie Morin unterstreicht. Allerdings: "Messi läuft langsam warm. Beim 2:0-Sieg in der Königsklasse gegen Manchester City traf er und bewies, dass er kompatibel ist mit Mbappé."

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Daran hatte es in den ersten Wochen noch arge Zweifel gegeben. Nach seinem Treffer gegen City aber deutete Messi demonstrativ auf Mbappé, der ihm das Zuspiel geliefert hatte. Der Franzose wiederum rollte dem Neuzugang kurze Zeit später bei verbal den roten Teppich aus. "Ich bin einverstanden, für Messi mitzulaufen, wenn er trabt. Es ist schließlich Messi", bekräftigte Mbappé. Die Barça-Legende kommuniziere "mit allen" und versuche "sich einzubringen".
Kleiner Problemchen, wie Messis Reaktion nach seiner Auswechslung gegen Olympique Lyon, tauchen zwar auf, dürften aber kaum größere Verwerfungen zur Folge haben. Alles in allem sieht es danach aus, als ob Messi auch Paris seinen Stempel aufdrücken wird.

Hakimi sofort Leistungsträger bei PSG

Noch erfreulicher ist die Lage bei Hakimi, der für 60 Millionen Euro von Inter Mailand an die Seine kam. "Einer der besten Sommertransfers in ganz Europa", schwärmt Fußball-Experte Morin. "Hakimi bringt so vieles mit, das PSG in der Abwehrzone gefehlt hat. Er ist sogar im Spiel nach vorne entscheidend, steht schon jetzt bei drei Toren und zwei Assists."

Läuft gut für Achraf Hakimi bei Paris Saint-Germain

Fotocredit: Getty Images

Tatsächlich setzte Pochettino den Rechtsverteidiger in allen Partien ein, wenngleich er ihn bei der Pleite in Rennes Medienberichten zufolge in der Halbzeit schwer kritisiert hatte. Dennoch: Hakimi hat sich vom Stand weg etabliert in Paris, die rechte Abwehrseite gehört dem marokkanischen Nationalspieler.

Donnarumma meist auf der Bank, Ramos fällt aus

Eigentlich sah der Plan vor, dass Hakimi in der Defensive mit Innenverteidiger Ramos und Schlussmann Donnarumma zusammenspielt. Dazu kam es allerdings aus verschiedenen Gründen noch nicht. Bei Ramos, der ablösefrei von Real Madrid verpflichtet wurde, ist der Fall klar: Der 35-Jährige muss aufgrund einer hartnäckigen Wadenverletzung zuschauen und stand noch nicht eine Minute für seinen neuen Arbeitgeber auf dem Platz.
Frustrierend dürfte sich auch die Situation für Donnarumma anfühlen.
Der Europameister, der bei der EM im Mai und Juni überdies zum besten Spieler des Turniers gekürt wurde, rangiert in der Gunst des Trainers meist an zweiter Stelle - wie die Zahlen belegen. Donnarumma bekam bislang vier Pflichtspiele, Konkurrent Keylor Navas deren acht.
Immerhin spielt die Zeit für den Italiener, der 22 und damit zwölf Jahre jünger als Navas ist. "Donnarumma ist die Nummer eins der Zukunft, daran gibt es keinen Zweifel", sagt auch Morin. "Er hat bisher einen guten Eindruck gemacht, wann immer er gespielt hat."

Wijnaldum "bisher wohl die größte Enttäuschung"

Über Wijnaldum lässt sich das indes nicht sagen. Der Niederländer kam aus Liverpool nach Paris - mit dem klaren Auftrag, das PSG-Spiel im zentralen und offensiven Mittelfeld zu beleben. Gelang bislang nicht. Obwohl Pochettino den 30-Jährigen mit Ausnahme des Ligaspiels gegen Clermont Foot immer einsetzte, lassen die Leistungen weiter zu wünschen übrig.
"Er ist bisher wohl die größte Enttäuschung. Wijnaldum bringt nicht die nötige Intensität auf den Platz und lässt technische Schwächen erkennen", moniert Morin. Dabei hatte der Oranje-Star betont, "Willen und Entschlossenheit in dieses ehrgeizige Projekt" einbringen zu wollen.

Georginio Wijnaldum im PSG-Trikot

Fotocredit: Imago

Womit Wijnaldum streift, worum es in Paris geht: den Gewinn der Champions League - und das gerne mit spektakulärem Offensivfußball. Dafür wurden die fünf Neuzugänge geholt, darin liegen die hohen Ausgaben und exorbitanten Gehälter begründet.
Die Erwartungshaltung ist riesig.

PSG-Sieg über City verschafft Pochettino Zeit

Ungeduld aber habe sich bei den Fans noch nicht breitgemacht, wie Morin berichtet. "Der Erfolg gegen Manchester City hat die Stimmung rund um das Team stabilisiert und Pochettino die nötige Zeit verschafft, um alles in Balance zu bringen. In der Ligue 1 dominiert PSG, ohne großen Glanz zu verbreiten. Der Zeitraum bis Weihnachten wird zeigen, wohin die Reise gehen kann."
Ob sich der Transfer-Wahnsinn auszahlt, wird nach Pariser Verständnis am 22. Mai kommenden Jahres beantwortet. Dann findet im Krestovsky-Stadion von St. Petersburg das Finale der Champions League statt.
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