Chevalier statt Superstar Donnarumma: Warum PSG im Tor vemeintlich ohne Not ins Risiko geht
Gianluigi Donnarumma steht vor einem unerwarteten Abgang bei Paris Saint-Germain. Der Torhüter, eine der Schlüsselfiguren beim ersten Champions-League-Triumph von PSG in der vergangenen Saison, wird nicht mehr gebraucht. Der Grund: Der Klub hat in Lucas Chevalier einen potenten Nachfolger verpflichtet. Kein großer Name auf internationalem Parkett, aber ein Mann mit exzellenten Argumenten.
Enrique zu Donnarummas Degradierung: "War nicht einfach"
Quelle: Perform
Europameister, Champions-League-Sieger, Welttorhüter, Leistungsträger - und das mit 26 Jahren. Ist Paris Saint-Germain, bei allem Respekt, noch bei ganz bei Trost, auf Gianluigi Donnarumma zu verzichten?
Hört man sich in Frankreich um, lautet die überraschende Antwort: ja! Der Glaube in die Fähigkeiten von Lucas Chevalier, der vor drei Tagen für bis zu 55 Millionen Euro Ablöse vom OSC Lille nach Paris wechselte, ist immens.
Der 23-Jährige, in der vergangenen Spielzeit zum besten Schlussmann der Ligue 1 gekürt, sei schon jetzt ein kompletter Keeper, lobt Ex-Nationalkeeper Benoît Costil im Exklusiv-Interview mit Eurosport.fr. "Lucas hat alles: die Hände, die technischen Qualitäten, den Fuß", so der 38-Jährige, der 2023 zusammen mit Chevalier in Lille unter Vertrag stand. Er habe die Klasse des Kollegen "sofort" erkannt.
"Manchmal erinnert er mich an Hugo Lloris", sagt Costil. Der Ex-Nationalkeeper, mittlerweile beim LAFC in der MLS gelandet, habe vor allem eine beeindruckende Geschwindigkeit in den Beinen. "Bei Lucas ist es genauso", meint Costil: "Während ich einen Schritt mache und mich dann abstoße, sind die beiden so schnell, dass sie zwei Schritte vor dem Abdruck machen können. Dadurch kommen sie an deutlich entferntere Bälle ran."
Chevalier contra Donnarumma: Das ist der große Unterschied
Aus Sicht von Chevalier, 2021 Meister mit Lille, ist der Schritt zu PSG ein logischer - und keineswegs zu groß, wie Fußball-Experte Julien Pereira von Eurosport.fr in Paris erklärt: "Er hat in der Champions League großartige Leistungen gezeigt, gegen Real Madrid, Atlético und auch Juventus."
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Lucas Chevalier wechselt von Lille nach Paris
Fotocredit: Getty Images
Wie Costil sieht Pereira in Chevalier einen nahezu kompletten Torwart, der auch auf der Linie mit grandiosen Reflexen zu überzeugen wisse. Der "große Unterschied" zu Donnarumma bestehe indes darin, dass der PSG-Neuzugang "sehr sicher und präzise" mit dem Fuß am Ball sei. Kurzum: "Lucas Chevalier ist die Zukunft."
Das sieht man in der Führungsetage des Vereins genauso. Die Vertragsgespräche mit Donnarumma versandeten, offenbar war das Gehalt der Knackpunkt. Der 26-Jährige verdiente rund zwölf Millionen Euro Jahresgehalt und hätte das gerne gesteigert; bei PSG war man offenkundig anderer Ansicht.
Nun ist die Sache durch - Donnarumma wird gehen, er verabschiedete sich bereits via Sozialen Medien von den PSG-Fans. Paris sieht das offenbar pragmatisch: Da der Vertrag des Italieners im Sommer 2026 ausläuft, besteht nur jetzt die Chance, noch eine brauchbare Ablöse einzustreichen. Medienberichten zufolge soll sich die Summe auf etwa 40 Millionen Euro belaufen.
Premier League heißeste Adresse für Donnarumma - und Bayern?
Durch die Verpflichtung von Chevalier kann es sich Paris nun auch leisten, einen der Besten der Welt gehen zu lassen - was hervorragend zur neuen Ausrichtung passt. PSG wolle "keine launischen oder zu gierige Stars" weiterbeschäftigen, betont Pereira.
Schon den ersten Königsklassen-Triumph der Klubgeschichte vor wenigen Monaten fuhren die Hauptstädter ohne ihre einstigen Weltstars Kylian Mbappé, Lionel Messi und Neymar ein.
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Gianluigi Donnarumma: Abgang bei Paris Saint-Germain?
Fotocredit: Getty Images
An potenziellen neuen Arbeitgebern für Donnarumma besteht indes kein Mangel. Der 26-Jährige ist sportlich über jeden Zweifel erhaben. Aufgrund seiner Gehaltswünsche gelten vor allem die Premier-League-Schwergewichte Chelsea und Manchester United als heiße Adressen für den Deal.
Daneben ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch dem FC Bayern ein Mann von Donnarummas Format als Nachfolger für den 39-jährigen Manuel Neuer gut zu Gesicht stehen würde.
Italien schäumt: PSG-Entscheidung ist "Wahnsinn"
PSG-Coach Luis Enrique schaffte zuvor bereits Tatsachen. Der Spanier strich Donnarumma aus dem Kader für das UEFA-Supercup-Duell mit Tottenham Hotspur (21:00 Uhr im Liveticker), was die Spirale in Gang brachte.
"Diese Entscheidungen sind immer schwierig zu treffen. Ich kann nur positiv über Donnarumma sprechen. Gigio ist zweifellos einer der besten Spieler auf dieser Position. Er ist sogar ein noch besserer Mensch, aber wir suchten nach einem anderen Typen von Torhüter", begründete Enrique den eingeschlagenen neuen PSG-Weg.
Ein Vorgang, die erwartungsgemäß in Italien hohe Wellen schlug. Eine "unglaubliche Entscheidung", poltert Ex-Nationaltorhüter Gianluca Pagliuca in der Zeitung "La Stampa". Donnarumma sei "der beste Torwart der Welt und ich denke, das ist ein paar Millionen mehr Gehalt wert".
Donnarumma-Berater mit Vorwürfen gegen PSG
Am Mittwoch erhob dann auch Donnarummas Berater Enzo Raiola Vorwürfe gegenüber den Klub. "Wir sind schockiert über PSG. Nach vier gemeinsamen Jahren zeigt der Verein null Respekt", sagte er zu "Sky Italia" und kündigte an: "Wir werden die Situation auch mit unserem Rechtsteam besprechen."
Laut Raiola, Cousin des verstorbenen schillernden Spielerberaters Mino Raiola, war sein Klient zuvor "sogar bereit, sein Gehalt zu reduzieren, aber PSG hat die Bedingungen erneut geändert".
Die "Gazzetta dello Sport" bezeichnet das Vorgehen des Vereins als "Ohrfeige für Gigio" und lässt in ihrer Berichterstattung den ehemaligen Milan-Keeper Christian Abbiati zu Wort kommen. Der geißelt die Degradierung schlichtweg als "Wahnsinn". Der Nationalspieler habe in der Champions League schließlich "Paraden gezeigt, die nur wenige Torhüter" fertiggebracht hätten.
"Chevalier hat einen starken Charakter"
So schön das Vertrauen ist, das PSG Chevalier nun entgegenbringt - es werden diese Paraden sein, an denen der Neue gemessen wird. Dazu braucht es auch eine robuste Mentalität, um damit umzugehen.
Darüber verfüge Chevalier, unterstreicht Pereira: "Lucas hat einen starken Charakter und sagt offen seine Meinung. Das hat er mit Mike Maignan gemeinsam, mit dem er bei Lille zusammengespielt hat. Die Chancen stehen sehr gut, dass er auch dessen Nachfolger in der französischen Nationalmannschaft wird."
Vorerst aber steht die Aufgabe bei Paris Saint-Germain im Fokus. Schließlich wollen Verein und Spieler den Beweis antreten, dass sie noch ganz bei Trost sind.
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Quelle: Perform
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