PSG: Viel Lärm um Rauswurf von Gianluigi Donnarumma - Luis Enrique steht nach Erfolgen der Vorsaison unter Druck
Update 16/08/2025 um 15:40 GMT+2 Uhr
Paris Saint-Germain erlebte die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Trainer Luis Enrique holte mit PSG erstmals die Champions League, hinzu kamen Titel in Ligue 1, im französischen Pokal sowie vor wenigen Tagen der Sieg im europäischen Supercup gegen Tottenham. Vor dem Start der neuen Saison bestimmte jedoch vor allem der geräuschvolle Rauswurf von Gianluigi Donnarumma die Schlagzeilen.
Enrique erklärt Donnarumma-Aus: "Anderen Torwart-Typ gesucht"
Quelle: SID
Enzo Raiola nahm kein Blatt vor den Mund. Der Berater von Gianluigi Donnarumma attackierte PSG scharf und warf den Franzosen "Mobbing" vor. Paris hatte zuvor die Nummer eins nach vier Jahren im Verein aussortiert und stattdessen den 23-jährigen Lucas Chevalier von Lille verpflichtet.
Die Posse um Donnarumma überschattete damit einen Sommer, in dem PSG nach dem Champions-League-Titel auch bei der Klub-WM mit überzeugenden Auftritten von sich reden machte. Dass man im Finale Chelsea deutlich unterlag (0:3), sorgte nur kurz für Unmut.
Coach Enrique kann in der neuen Spielzeit weiter auf seine Mannschaft aus der Triple-Saison zurückgreifen, nennenswerte Abgänge sind nicht zu verzeichnen. Mit Willian Pacho, João Neves und Désiré Doué schlugen zudem gleich drei Transfers aus dem Sommer 2024 voll ein.
Die Mannschaft ist weiterhin sehr jung (Durchschnittsalter: 24,9 Jahre) und soll nun die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte bestätigen.
Das ist neu: Nummer eins und Defensive
PSG hielt sich auf dem Transfermarkt zurück. Ganz nach dem Motto "Never change a winning team". Neben Chevalier nahm der Scheichklub lediglich für Ilya Zabarnyi Geld in die Hand. 63 Millionen Euro überwies Paris an Bournemouth.
Der Transfer des Innenverteidigers untermauert zugleich die neue PSG-Philosophie: Weg von teuren Superstars à la Neymar, hin zu jungen Spielern, die ihr Potenzial noch entfalten können. Zabarnyi gilt als großes Talent, dessen technische und athletische Eigenschaften perfekt zum Spiel von Enrique passen.
Der spanische Coach kann damit in der Saison 2025/26 auf einen komplett neuen Defensivverbund bauen. Durch den Wechsel im Tor auf Chevalier und den ukrainischen Neuzugang ergeben sich weitere taktische Möglichkeiten. Eine Umstellung auf eine Dreierkette, um noch offensiver zu agieren, wäre eine Option.
Die neue Hoffnung: viel Druck auf Chevalier
Der Transfer von Chevalier sorgte für eine unerwartete Veränderung im Kasten des Champions-League-Siegers. Für den 23-Jährigen startete das Abenteuer PSG allerdings im Supercup gegen die Spurs unglücklich. Ein Patzer führte zum zwischenzeitlichen 2:0 für die Engländer.
Im Elfmeterschießen konnte Chevalier sich allerdings mit einer Parade rehabilitieren. Der Druck beim größten französischen Verein ist enorm, die Augen der Medien und vieler Fans liegen auf dem Hauptstadtklub. Der 23-Jährige wird sich daher weiter beweisen müssen.
Chevalier verkörpert jedoch alles, was Enrique in einem Torwart sucht: Er ist mit den Händen und vor allem mit dem Ball am Fuß technisch stark und zeigt auch auf der Linie grandiose Reflexe. Für den Trainer offenbar genug Argumente, um dem jungen Keeper das Vertrauen zu schenken.
Das Fragezeichen: Ousmane Dembélé
Ohne große Erwartungen gingen die Franzosen im vergangenen Sommer nach dem Abschied von Kylian Mbappé in die Saison. In Frankreich wurde diskutiert, ob PSG mit dieser jungen Mannschaft überhaupt die K.o.-Phase der Königsklasse erreichen könne.
Enrique und sein Team belehrten die Kritiker eines Besseren und holten sich in einem eindrucksvollen Finale gegen Inter Mailand (5:0) den Titel. Ein Eckpfeiler dieses Erfolges war Ousmane Dembélé, der in seinem zweiten Jahr in Paris den Turbo zündete.
Der Ex-Dortmunder war mit wettbewerbsübergreifend 35 Toren (dazu 16 Assists) der Topscorer bei PSG. Bradley Barcola (21) und Gonçalo Ramos (19) reihten sich deutlich dahinter ein. Für die Verleihung des Ballon d'Or gilt Dembélé daher als Mitfavorit.
In der neuen Spielzeit muss der mittlerweile 28-Jährige, der in der Vergangenheit beim BVB und bei Barça durch fehlende Disziplin und schwankende Leistungen auffiel, aber beweisen, dass er dieses Level aufrechterhalten kann.
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Désiré Doué (l.) feiert den Supercup-Titel mit Ousmane Dembélé
Fotocredit: Getty Images
PSG: Hier ist noch Bedarf
In Paris wird Zurückhaltung auf dem Transfermarkt mittlerweile großgeschrieben. Anders als noch vor einigen Jahren, als PSG einer der Vereine mit den höchsten Ausgaben war. Vor der Saison 2023/24 investierten die Franzosen beispielsweise über 450 Mio. Euro in den Kader. Aktuell liegen die Ausgaben "nur" bei 103 Mio. Euro.
Viel wird nicht mehr dazukommen. Einzig in der Spitze könnte noch nach einer Verstärkung gesucht werden. Randal Kolo Muani gehört zu den Streichkandidaten, Juve ist offenbar an einem Kauf interessiert. Dann hätte PSG nur noch Ramos als echten Neuner im Kader - obwohl Dembélé de facto den Mittelstürmer gibt.
PSG: Das kommt auf Luis Enrique zu
Nach der großen Unruhe um Donnarumma vor dem Saisonstart am Sonntag (17:45 Uhr) werden die Augen gegen den FC Nantes klar auf Chevalier und Trainer Enrique gerichtet sein. Dieser entschied sich dazu, mit Donnarumma einen der weltbesten Keeper auszusortieren.
Man habe "nach einem anderen Torwartprofil gesucht", so die Begründung. Doch erst vor wenigen Monaten ebnete der Italiener durch seine Paraden in der Champions League den Weg zum großen Triumph. Bestes Beispiel: Im Achtelfinal-Rückspiel beim FC Liverpool parierte Donnarumma zwei Mal im Elfmeterschießen und wurde zum Spieler des Spiels gewählt.
Nach Chevaliers Patzer stellt sich nun die Frage: Kann der junge Franzose auch in den kommenden Wochen einen kühlen Kopf bewahren und dem Druck standhalten?
Dann hat Enrique nichts zu befürchten. Sollte er aber häufiger Fehler machen, werden die kritischen Stimmen nach dem Rauswurf von Donnarumma sicher wieder laut ...
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