Wie viele "Klopp-Spieler" findet der neue Trainer beim FC Liverpool vor?

Beim FC Liverpool findet Jürgen Klopp ähnliche Umstände wie einst in Dortmund vor: Ein stolzer Klub hechelt den Erwartungen hinterher. Der Kader ist talentiert, aber unausgewogen, es tummeln sich zu viele ähnliche Typen. Allerdings kann sich der Coach, der nun Manager ist, auf Erfahrungen stützen. Und so manchen "Klopp-Spieler" gibt auch das Liverpooler Aufgebot her.

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Nur Klopp im Kop! Für die Vorstellung des Deutschen hat der FC Liverpool eigens einen Hashtag kreiert, #KloppLFC prangte in dicken Lettern von den Werbebanden des Stadions. Die Beatles-Stadt rockt auf den Klopp-Soundtrack, der 48-Jährige soll das sein, was er einst in Dortmund war: Magnet, Menschenfänger, Kompass. Und noch ein bisschen mehr.
"Man kann es ja nicht abstreiten, es gibt mit Sicherheit einige Parallelen", hat Klopp bei seiner Antritts-Pressekonferenz gesagt. Ein Arbeitermilieu wie im englischen Nordwesten kennt er vom BVB. Und alle glauben, dass es so richtig passen wird zwischen dem Emotionsbolzen und dem LFC, den Klopp sogleich als "geilen Verein" gerühmt hat.

13 Debütanten unter 20 Jahren

Abseits der Folklore, sportlich nämlich, steht dem Schwaben eine schwere Aufgabe bevor. Wie beim Amtsantritt in Dortmund übernimmt er ein dahindümpelndes Großkaliber. 2006 gewann Liverpool den FA-Cup, 2012 den Ligapokal - das war's. Dass es 2014 fast zur Meisterschaft gereicht hätte, wird längst von den strategisch-strukturellen Fehlern überstrahlt.
"Wie ein Schulkind, das großes Potential besitzt, aber in vielen Fächern Nachhilfe benötigt", hat der "Spiegel" geschrieben. Klopp soll ein Lehrer sein, der jungen Kräften wie Joe Gomez (18), Jordan Ibe (19) oder Divock Origi (20) zum Durchbruch verhilft. Sein Händchen für die Jugend ist bekannt und nachgewiesen: 13 Spieler, die beim Debüt unter 20 waren, schafften es in die Bundesliga, drei von ihnen wurden Weltmeister (Mario Götze, Kevin Großkreutz, Erik Durm).
In Liverpool haben zuletzt die Mechanismen nicht gegriffen, sowohl auf als auch neben dem Platz. Klopp lebt Energie vor und fordert sie ein, und er verlangt, permanent am Limit zu operieren. Den Coach, der fortan als Manager firmiert, auf einen reinen Begeisterungs-Entfacher zu reduzieren, wäre jedoch zu kurz gedacht.

Gerrard hat den Absprung noch geschafft…

"Es ist wichtig eine Philosophie zu haben, die die eigene Mentalität wiedergibt und eine klare Richtung vorgibt. Taktisch ja, aber mit viel Herz", sagt Klopp. Laut den britischen Eurosport-Kollegen könnte sich der "Liverpöhler" als "unliebsamer Kulturschock" erweisen. Auf der Insel frotzeln manche, dass Mario Balotelli und Steven Gerrard wohl froh sind, noch den Abflug gemacht zu haben, bevor eine Pressing-Maschine entsteht…
Neben dem Flop und der Ikone verabschiedete sich Youngster Raheem Sterling gen Manchester City - für über 60 Millionen Euro. Wie 2014, als der Verkauf von Luis Suárez knapp 90 Millionen einbrachte, wurde versucht, die Last der Erwartung zu verteilen. Danny Ings und James Milner wechselten ablösefrei an die Anfield Road, Nathaniel Clyne kostete 17,7 Millionen, der Hoffenheimer Roberto Firmino deren 41. Getoppt wurde er von Christian Benteke, der mit 46,5 Millionen zum zweitteuersten Einkauf der Klubgeschichte avancierte.

Drei Spieler für die Nummer 10

Klopp findet eine Mischung aus talentierten und erfahrenen Akteuren vor: Simon Mignolet (27) im Tor, Mamadou Sakho (25) und Martin Skrtel (30) in der Abwehr, Joe Flanagan (22), Alberto Moreno (23), Joe Allen (25) und Lucas Leiva (28) im Mittelfeld, Philippe Coutinho (23) und Daniel Sturridge (26) im Angriff.
Trotz der guten Altersstruktur wirkt Liverpools Team unausgewogen, viele Spielertypen sind sich (zu) ähnlich. Mit Kapitän Jordan Henderson, Milner und dem Deutschen Emre Can verfügt der LFC über drei ähnlich veranlagte Box-to-Box-Spieler. Coutinho, Firmino und Adam Lallana bevorzugen jeweils die Nummer 10, während Benteke (den Klopp schon nach Dortmund holen wollte) und Superstar Sturridge als Stoßstürmer in Frage kommen. Da muss in Klopps favorisiertem 4-2-3-1-System vermutlich umdisponiert werden.
Zudem steht mit Ibe nur ein Flügelstürmer im Kader, die linke Flanke ist gänzlich verwaist. Und nach einem Innenverteidiger mit Qualitäten im Aufbau à la Mats Hummels wird vergeblich gefahndet - Skrtel ist ein Raubein alter Prägung.
"Klar sind wir aktuell nicht das beste Team der Welt", erkennt Klopp.

Can wie Bender, Milner wie Großkreutz?

Tatsächlich gibt es Spieler, die sich dem Klopp-Ideal nähern, der schnelle Sturridge etwa. Firmino wurde in Deutschland mit dem Pressing sozialisiert, Can wird eine Entwicklung zugetraut, wie sie Sven Bender beim BVB nahm. Henderson (sobald vom Mittelfußbruch genesen) hat ausdauernde und strategische Vorzüge, der flexibel einsetzbare Milner riss bisher mehr Kilometer als jeder andere Premier-League-Profi ab - das erinnert an Dauerläufer Großkreutz.
So könnte Liverpool unter Klopp spielen - wenn alle fit sind:
Am 17. Oktober tritt der FC Liverpool bei den Tottenham Hotspur an. Wunder sind dann nicht zu erwarten, Jürgen Klopp weiß, dass es ein Prozess wird. Immerhin: Bis Rang eins sind es für den Tabellenzehnten lediglich sechs Punkte.
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