Erling Haaland wechselt zu Manchester City: So könnte der Norweger unter Pep Guardiola funktionieren

Der Wechsel von Erling Haaland von Borussia Dortmund zu Manchester City ist perfekt. Der Norweger kommt für die festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 75 Millionen Euro und soll bei den Skyblues einen Fünfjahresvertrag unterschreiben. Doch passt Haaland überhaupt zur Philosophie von City-Trainer Pep Guardiola? Chancen und Risiken des ersten feststehenden Blockbuster-Transfer der Saison 2022/23.

Erling Haaland wechselt von Borussia Dortmund zu Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Pep Guardiola wird nachgesagt, dass er mit klassischen Stürmern nicht viel anfangen könne. Beim FC Barcelona hatte er Stress mit Samuel Eto’o und Zlatan Ibrahimovic und in München legte er zunächst Mario Gomez nah, den Verein zu verlassen, bevor er Mario Mandzukic nach einem gemeinsamen Jahr vom Hof jagte.
Seit seinem Amtsantritt in Manchester 2016 gab der Klub über eine Milliarde Euro für Transfers aus. Der letzte neue Mittelstürmer war Gabriel Jesus, der 2016 für 32 Millionen Euro von Palmeiras auf die Insel kam. Im aktuellen Kader stehen mit Jesus und Nachwuchshoffnung Liam Delap nur zwei gelernte Angreifer.
Doch den Plan, einen großen Namen für das Sturmzentrum verpflichten zu wollen, verfolgte Guardiola schon vergangenen Sommer, als City vergeblich versuchte, Harry Kane von Tottenham Hotspur loszueisen. Anfang März erneuerte Guardiola im Gespräch mit dem "Telegraph" die Notwendigkeit, einen Angreifer zu holen.
"Der Klub braucht definitiv einen Stürmer. Ich stimme nicht zu, wenn man sagt, dass wir ohne Stürmer fantastisch spielen, weil wir gewinnen", sagte er.

Haaland und Manchester City? Didi Hamann hat seine Zweifel

Nun bekommt Guardiola mit Erling Haaland seinen Wunschspieler. Der wuchtige Haaland und der elegante Spielstil von Guardiola - passt das überhaupt zusammen?
"Sky"-Experte Didi Hamann hat da so seine Zweifel. Haaland sei der "Anti-Pep-Spieler" schlechthin, erklärte Hamann und ergänzte. "Ich glaube, der will gar nicht mit so einem Stürmer spielen!"
Fußball-Experte Ibrahim Mustapha von Eurosport UKin London sieht das komplett anders. "Nachdem Guardiola Kane nicht bekommen hat, hat er entschieden, keinen anderen Stürmer zu verpflichten. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass Guardiola auf Haaland gewartet hat“, sagt Mustapha.
Haaland hat sich in den letzten drei Jahren beim BVB einen Namen als physisch starker Stoßstürmer gemacht, der mit Urgewalt und hoher Geschwindigkeit die tiefen Wege in den gegnerischen Strafraum sucht, dort aber auch auf engem Raum jederzeit für Torgefahr sorgen kann. In 88 Pflichtspielen für Dortmund schoss er 85 Tore.
"Die Tatsache, dass er zu City wechselt, dem besten Verein der Premier League, zeigt, wie sehr er auch in England geschätzt wird", sagt Mustapha.

Pep Guardiola verlangt von seinen Offensivspielern das Komplett-Paket

Auf den ersten Blick passt die Philosophie von Guardiola mit Haalands Qualitäten nicht so richtig zusammen. Die Achse Kevin De Bruyne, Bernardo Silva, Phil Foden und Riyad Mahrez erdrückt seine Gegner mit Offensivpower, enorm aggressivem Gegenpressing, ständigen Positionswechseln und dem für Guardiola typischen Kurzpass-Spiel. Das Hauptaugenmerk im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor liegt auf vielen Pässen in die Schnittstellen.
Haaland hat seine Stärken nicht unbedingt im Passspiel und lässt sich nur selten auf die Flügel fallen - untypisch für City-Angreifer. Auch Gabriel Jesus geht weite Wege, um als zusätzliche Anspielstation zu fungieren und Platz zu schaffen für Silva oder De Bruyne, die gerne in die Box nachrücken.
Guardiola erwartet von seinen Offensivspielern, dass sie gleich gut Tore vorbereiten und selbst erzielen können. An diesem Komplettpaket muss Haaland arbeiten, seine Entwicklung ist mit 21 Jahren aber auch längst noch nicht abgeschlossen.
Haaland hat noch Verbesserungsbedarf bei One-Touch-Kombinationen im Spielaufbau und beim Festmachen von Bällen mit dem Rücken zum Tor, um dann auf Mitspieler in guter Abschlussposition abzulegen. Kleinigkeiten für einen Kaliber wie ihn, der bei City auch nicht die schlechtesten Lehrmeister hat.

Erling Haaland könnte der neue Sergio Agüero werden

Bei genauerer Betrachtung passt Haaland auch sonst bereits zu Manchester City. Eine seiner größten Qualitäten ist es, Gegenspieler mit Tempo auf die ballferne Seite zu ziehen und so Lücken zu reißen, in die dann De Bruyne, Silva oder auch Ilkay Gündogan stoßen.
Zudem überfordert City seine Gegner häufig mit schnellen Kombinationen bis zur Grundlinie und dem folgenden Flachpass in den Rücken der Innenverteidiger. Ein Traum für starke Finisher wie Haaland, der in der Lage ist, seine Bewegungen so zu timen, dass er im richtigen Moment die entscheidenden Meter zwischen sich und den Gegenspieler bringt.
Mit diesem Stil hatte Sergio Agüero großen Erfolg bei City, auch unter Guardiola. Der Argentinier ist mit 260 Treffern Rekordtorschütze bei den Skyblues, alle 107 Minuten erzielte er ein Tor.
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Erling Haaland (BVB)

Fotocredit: Getty Images

Guardiola hatte genügend Zeit, sich auf Haaland vorzubereiten

Mustapha geht zudem davon aus, dass Guardiola schon lange an einer Adaption seines Stils zugunsten einer echten Nummer neun arbeitet. "Als er Kane nicht bekam, hatte er ein ganzes Jahr Zeit, sich Gedanken zu machen, wie das funktionieren könnte", so der Premier-League-Experte.
Haaland ist zudem genau der Spielertyp, der City beim dramatischen Champions-League-Aus gegen Real Madrid in der Verlängerung gefehlt hat. Ein wuchtiger Stürmer, der sich durchsetzen kann, wenn die Bälle als letzte Option in den Strafraum segeln. So rettete sich Real mit zwei Toren in der Schlussphase überhaupt erst in die Verlängerung.
Ob Haaland das entscheidende Mosaikteil für das perfekte Bild von Manchester City ist, muss sich zeigen. Aber ein echter Torgarant kann einer Mannschaft, die ohnehin bereits Tore am Fließband produziert, sicherlich nicht schaden. Haaland ist für Guardiola eine weitere vielversprechende Option im gnadenlos gut besetzten Kader.
"Es sieht so aus, als sei City mit Haaland praktisch nicht aufzuhalten. Zur bereits vorhandenen Offensivpower kommt noch einmal frische Offensivpower dazu", sagt Fußball-Experte Ibrahim Mustapha von Eurosport UK in London.
Ob das endlich für den lang ersehnten Gewinn der Champions League reicht? "Nur taktische Fehler oder ein unverzeihlicher Patzer in der Defensive kann City auf diesem Weg aufhalten", so Mustapha.
Ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht: Mit Erling Haaland wird Manchester City ab der Saison 2022/23 noch ein bisschen stärker werden.
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Quelle: Perform

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