Am Tag nach einer der schlimmsten Pleiten in der Geschichte von Manchester United war nicht viel los am Trainingsgelände der Red Devils. Spieler und Trainerteam hatten frei, das war bereits vor dem 0:5 gegen den FC Liverpool von Trainer Ole-Gunnar Solskjaer so entschieden worden.
Solskjaer selbst ließ sich dennoch blicken, knapp drei Stunden um die Mittagszeit hielt sich der Norweger dort auf. In englischen Boulevardmedien wurde gleich wild spekuliert, ob er denn zum Rapport bei den Klubchefs habe antreten und seinen Spind habe räumen müssen.
Fakt ist: Solskjaer ist nach wie vor Trainer von Manchester United. Eine Krisensitzung hat es Montag sehr wohl gegeben, jedoch ohne Konsequenzen für den Coach - zumindest vorerst nicht.
Premier League
Solskjaer vor dem Aus: ManUtd kontaktiert offenbar Conte
25/10/2021 AM 19:55
Und Solskjaer war auch nicht dabei. Die Klubbesitzer Joel und Avram Glazer diskutierten die prekäre Lage mit Vorstandschef Ed Woodward und Geschäftsführer Richard Arnold. Das Ergebnis des Treffens ist offen, jedoch rücken die Bosse offenbar von Solskjaer ab.

Vorstand von Manchester United rückt von Solskjaer ab

Die Zeitungen "Daily Mail" und "The Sun" berichten, dass der 48-Jährige nur noch so lange weitermachen darf, bis ein geeignete Nachfolger gefunden ist. Das könne noch im Laufe dieser Woche passieren.
Lange Zeit standen Glazer und Co. hinter Solskjaer, erst im Juli wurde sein Vertrag um drei Jahre verlängert. Kritische Bemerkungen über den Coach seitens des Vorstands gab es öffentlich nie.
Vielmehr wurde Solskjaers Arbeit in den letzten Jahren sehr geschätzt. Rein tabellarisch ist unter Solskjaer auch ein sportlicher Fortschritt erkennbar. Sechster, Dritter, Zweiter - das sind die Abschlussplatzierungen der Red Devils in der Premier League seit 2019.
Doch bei den Verantwortlichen wächst die Erkenntnis, dass Manchester United trotz Spieler-Investitionen in Höhe von 450 Millionen Euro in den vergangenen drei Jahren den Topteams der Premier League vergeblich hinterherhechelt.

Taktische Defizite im Vergleich zu Klopp, Guardiola und Tuchel

Bislang hielten auch die Fans zu Solskjaer, der seit seinem Siegtor im Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern München Heldenstatus genießt. Sie vertreten die Auffassung, dass der Klub deutlich größere Probleme hätte, nämlich die diffuse Führungsstruktur mit den ungeliebten US-Besitzers an der Spitze.
Doch auch die Anhängerschaft verliert allmählich die Geduld, erst recht nach dem peinlichen 0:5 gegen den Erzrivalen Liverpool. In der Halbzeitpause wurde Solskjaer beim Gang in die Kabine wüst beschimpft.
Und auch bei den Spielern mehren sich die Zweifel, dass der Coach noch der Richtige ist. Hinter vorgehaltener Hand werden Solskjaer taktische Fehler und mangende Führungsqualitäten vor.
TV-Experte und Ex-United-Spieler Gary Neville kritisierte in letzer Zeit desöfteren, dass Solskjaer taktisch nie und nimmer mit Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Thomas Tuchel mithalten könne.

Antonio Conte und Zinedine Zidane: Große Namen sofort verfügbar

Solskjaer ist schwer angezählt und muss in diesen Tag zum ersten Mal wirklich um seinen Job bangen. Zumal der Trainermarkt durchaus Kandidaten hergibt, die große Erfolge vorzuweisen und sich auch bei europäischen Topklubs durchgesetzt haben.
Laut Medienberichten stehen vier Namen auf der Shortlist der United-Bosse: Antonio Conte, Zinédine Zidane, Brendan Rodgers (Leicester City) und Eric ten Hag (Ajax Amsterdam).
Conte und Zidane sind seit Sommer arbeitslos. Conte beendete sein Engagement bei Inter Mailand, Zidane quittierte seinen Dienst bei Real Madrid. Beide wären somit sofort verfügbar.
Alfredo Pedulla, Journalist bei der "Gazzetta dello Sport“, twtterte am Montag, dass Conte bereits in Kontakt mit United stehe und am liebsten gleich loslegen würde. Conte hat Premier-League-Erfahrung, 2017 führte er den FC Chelsea zum Meistertitel.

Eric ten Hag: Ideallösung aus Amsterdam?

Zidane ist aufgrund seiner beeindruckenden Titelsammlung mit Real Madrid per se für jeden Topklub in Europa interessant. Zudem ließ Zidane in früheren Interviews durchblicken, dass er sich sehr wohl vorstelle könne, einmal in der Premier League zu arbeiten.
Ein weiterer Kandidat soll Rodgers sein. Der Nordire ist seit 2019 Trainer von Leicester City und führte die Foxes in der letzten Saison zum FA-Cup-Titel. Zudem gewann Leicester im August den englischen Supercup gegen Meister Manchester City.
Allerdings hat Rodgers eine Liverpool-Vergangenheit. Zwischen 2012 und 2015 war er Chefcoach der Reds, ehe im Oktober 2015 Jürgen Klopp übernahm. Ein Ex-Coach des verhassten Rivalen wäre den United-Fans schwer zu vermitteln.
In dieser Hinsicht hat Eric ten Hag deutlich bessere Karten. Der Niederländer steht seit Dezember 2017 als Verantwortlicher von Ajax Amsterdam an der Seitenlinie, wurde zweimal niederländischer Meister und führte seine Mannschaft 2019 ins Halbfinale der Champions League, wo Ajax‘ Traum vom Finale im Rückspiel gegen Tottenham Hotspur in der dritten Minute der Nachspielzeit platzte.
Ten Hag steht für aufregenden Offensivfußball mit jungen, hoch talentierten Spielern. Erst vergangene Woche wurde Borussia Dortmund im CL-Gruppenspiel in Amsterdam beim 4:0 in seine Einzelteile zerlegt.

Gary Neville glaubt nicht an Trennung von Solskjaer

Bislang gibt es aber außer Name-Dropping kaum Konkretes und solange dem nicht so ist, darf Solskjaer weitermachen. Das wird nach Ansicht von Gary Neville auch so bleiben.
"United benötigt neue Impulse, aber ich bin mir sicher, dass Ole bis Saionende bleiben wird. United hat bei Jose Mourinho und Louis van Gaal schlechte Erfahrungen gemacht, als man beide während der Saison gefeuert hat. Jetzt man Angst, die gleichen Fehler wieder zu machen, Und ich könnte mir sogar vorstellen, dass Ole auch nächste Saison noch Trainer ist - vorausgesetzt er holt einen Titel."
Nach den zuletzt gezeigten Leistungen mit der Blamage gegen Liverpool als vorläufigem Tiefpunkt mag daran derzeit aber niemand glauben.
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