FC Chelsea: Graham Potter verzaubert die Blues - so schnell wird Thomas Tuchel vergessen gemacht
Der FC Chelsea befindet sich derzeit auf der Überholspur. Nach einem mäßigen Saisonstart und dem unrühmlichen Ende von Thomas Tuchel geht es sowohl in der Liga als auch in der Champions League bergauf - was nicht zuletzt an Neu-Trainer Graham Potter liegt. Der 47-Jährige sorgt auf seine ganz eigene Art und Weise für Aufbruchstimmung. Doch wie hat Potter die Blues wieder auf Kurs gebracht?
Chelsea-Coach Graham Potter jubelt im Schatten von Keeper Kepa (l.) und César Azpilicueta
Fotocredit: Getty Images
Der Ritterschlag für Graham Potter kam von Jürgen Klopp höchstpersönlich.
"Er ist definitiv einer der Besten. Ich respektiere, was er in Brighton geleistet und wie er das Team aufgebaut hat. In der Fußball-Szene genießt er hohes Ansehen", schwärmte Liverpools Teammanager unlängst von seinem Trainerkollegen. Die jüngsten Erfolge von Potter beim FC Chelsea dürften Klopp in seiner Einschätzung bestärkt haben.
Seitdem der 47-Jährige im September diesen Jahren die Nachfolge von Thomas Tuchel, der nach einem mäßigen Saisonstart (drei Siege in sieben Partien) seinen Hut nehmen musste, angetreten hat, gab es nach einem 1:1-Remis zum Auftakt in der Champions League gegen den FC Salzburg zuletzt vier Pflichtspielsiege in Serie - Tendenz steigend.
Dank des jüngsten Erfolgs in der Königsklasse beim AC Milan (2:0) hat Chelsea nun beste Chancen, in der europäischen Eliteliga zu überwintern. Und auch in der Liga kletterte der sechsmalige englische Meister kurzerhand auf Platz vier.
Kein Wunder, dass sich leichte Aufbruchstimmung an der Stamford Bridge breitmacht. Doch wie hat Potter die Blues wieder in die Spur gebracht?
"Tuchel hat ein solides Fundament aufgebaut"
"Der Klub befand sich vor der Übernahme durch Todd Boehly in einem chaotischen Zustand. Potter kam also zum perfekten Zeitpunkt, als sich die Dinge wieder zu beruhigen begannen", erklärt Fußball-Experte Ben Snowball von Eurosport in London und führt weiter aus:
"Ein Grund für den Aufschwung ist die Tatsache, dass er mehr Spieler miteinbezieht. Potter scheint anders als Tuchel offen dafür zu sein, seinem ganzen Team eine Chance zu geben. Das zahlt sich aus, wie man an Christian Pulisic, Kepa Arrizabalaga und Mason Mount sieht. Allerdings hat Tuchel auch ein solides Fundament aufgebaut."
Auch die Ankunft von Pierre Emerick-Aubameyang trage einen Teil zum gegenwärtigen Erfolg bei. "Unter Tuchel sah Chelseas Offensive in den vergangenen Monaten etwas uninspiriert aus. Zum Zeitpunkt von Potters Wechsel kam mit Aubameyang ein Torjäger von seiner Verletzungspause zurück, den Tuchel nie hatte", so der Experte.
Dennoch müsse man "ein Stück weit auf die Bremse treten. Es war ein guter Start, aber noch kein Grund zur Aufregung", stellt Snowball klar.
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Pierre-Emerick Aubameyang (l.) und Graham Potter (beide FC Chelsea)
Fotocredit: Imago
Potter sorgt mit Brighton für Furore
Bevor Potter Chelsea in Aufbruchstimmung versetzte, leitete er etwas mehr als drei Jahre lang die Geschicke bei Brighton and Hove Albion. Obwohl die "Seagulls" regelmäßig ihre Leistungsträger an finanzstärkere Klubs abgeben mussten, gelang Potter dreimal souverän der Klassenverbleib. Die Vorsaison schloss Brighton sogar auf einem sensationellen neunten Platz ab.
Auch im vergangenen Sommer verlor Brighton mit Marc Cucurella (FC Chelsea/65,3 Millionen Euro), Yves Bissouma (Tottenham Hotspur/29,2) und Neal Maupay (FC Everton/11,8) gleich drei Stammkräfte an Ligakonkurrenten. Einen sportlichen Absturz hatte dies allerdings nicht zur Folge - im Gegenteil: Die Potter-Truppe sorgte auch zu Beginn der neuen Spielzeit für Furore und rangierte nach sechs Spieltagen auf Rang vier.
Jene Erfolgsgeschichte ist auch Boehly, dem neuen Besitzer des FC Chelsea, nicht verborgen geblieben. Der US-Milliardär holte Potter nach dem unrühmlichen Ende von Tuchel an die Stamford Bridge und stattete ihn mit einem Fünfjahresvertrag aus. Medienberichten zufolge sollen die Blues für "einen der aufregendsten Trainer des Spiels", wie der Klub ihren neuen Mann an der Seitenlinie in einer Pressemitteilung vorstellte, rund 20 Millionen Euro nach Brighton überwiesen haben.
Der Erfolg gibt Boehly bis dato recht. Wobei eine derartige Entwicklung zunächst alles andere als abzusehen war.
Chelsea-Fans trauern Tuchel nach
Potters recht unspektakuläres Debüt in der Champions League gegen den FC Salzburg (1:1) wurde von vereinzelten Pfiffen von den eigenen Fans begleitet.
Diese waren jedoch weniger an den Coach per se, sondern viel mehr an die Klubführung gerichtet. Schließlich stieß die Entlassung Tuchels, der 2021 die Champions-League-Trophäe in den Westen Londons gebracht hatte, auf Unverständnis. Ein Großteil der Anhänger feierte Tuchel in besagtem Spiel gar lautstark mit Fangesängen.
Potter, der allgemein als Taktiknerd gilt, ließ sich von etwaigen Störgeräuschen jedoch nicht beirren und ging seinen Weg. "Er ist ein wirklich guter Kerl. Ich mag die Art und Weise, wie seine Teams spielen und wie er in den Medien rüberkommt. Ich freue mich, dass er bei einem großen Verein wie Chelsea eine Chance bekommt. Er hat sich richtig gut eingelebt. Jedes Mal, wenn er in Interviews spricht, finde ich, dass er sehr gut rüberkommt", lobte ManUnited-Ikone Roy Keane den Übungsleiter kürzlich bei "Sky Sports". Auch einige Fans sprachen in den Sozialen Medien sogar schon von einer "neuen Ära".
Am Sonntag (15:00 Uhr) treffen die Blues auf Überraschungsteam Aston Villa (Tabellenvierter). Fest steht, mit jedem weiteren Sieg kann Potter Vorgänger Tuchel ein Stück mehr vergessen machen und gleichzeitig Klopps These untermauern, dass er "definitiv zu den Besten" seines Fachs zählt.
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Quelle: Perform
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