Juventus Turin ist dem FC Bayern München wieder einen Schritt voraus. Mit dem Ausbau der Meister-Serie auf neun Titel in Serie hat die Alte Dame den deutschen Rekordmeister, der bislang acht Mal in Folge das nationale Championat gewann, übertrumpft. "Dieser Titel ist allen Juve-Tifosi gewidmet, vor allem jenen, die wegen dieser Pandemie gelitten haben und immer noch leiden", verkündete Superstar Cristiano Ronaldo via Instagram.

Soweit die gute Nachricht für die Bianconeri. Die schlechte: Selbst wer für Juventus schwärmt, muss zugeben, dass die Mannschaft mehr ins Ziel gehumpelt als gestürmt ist - und weit von der Homogenität der Bayern entfernt ist.

Serie A
Wilde Kabinenparty bei Juve - Ronaldo widmet Titel Corona-Kranken
27/07/2020 AM 07:11

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Es sei ein "ermüdendes Jahr, eine lange Saison" gewesen, konstatierte Trainer Maurizio Sarri und spielte damit in erster Linie auf den Juli an, in dem die Turiner mit bislang nur drei Siegen aus sieben Ligaspielen verhältnismäßig schwach daherkommen.

Vor allem die beiden Niederlagen gegen Milan (2:4) und Udinese Calcio (1:2) oder auch das 3:3 gegen Sassuolo Calcio offenbarten eine Schwäche, die so gar nicht zu Juventus passen mag: die Abwehr. Mit 38 Gegentoren bei noch zwei ausstehenden Begegnungen liegt der Rekordmeister schon jetzt weit über den Marken der vier vergangenen Spielzeiten, als man 30, 24, 27 beziehungsweise 20 Treffer zuließ.

Nur Lewandowski und Gnabry besser als "Dybaldo"

Dass der neunte Scudetto in Serie trotz dieses Schönheitsfehlers nicht gefährdet war, liegt an zwei Faktoren. Zum einen bringen die ersten Verfolger Inter Mailand, Atalanta Bergamo und Lazio Rom nicht die Konstanz mit, um die Vorherrschaft der Vecchia Signora ernsthaft infrage zu stellen, zum anderen hat Juventus mit Cristiano Ronaldo und Paulo Dybala ein überragendes Sturm-Duo. Längst hat sich der Kunstbegriff "Dybaldo" etabliert.

Das war so nicht unbedingt zu erwarten, selbst Sarri gab zu, dass es "nicht immer einfach" sei, die beiden Ausnahme-Fußballer zusammen aufs Feld zu schicken. Der 61-Jährige entscheidet sich meist trotzdem dafür. "Wenn zwei Spieler mit dieser Qualität zur Verfügung stehen, muss sich der Rest der Mannschaft anpassen", so der Coach. Der Erfolg gibt ihm recht.

Ronaldo steht nach 32 Ligaeinsätzen bei 31 Toren und sechs Assists, Dybala bringt es bei 33 Partien auf elf Treffer und elf Torvorlagen. "Die Harmonie zwischen Dybala und Ronaldo wächst und die Zahl der Tore nimmt stetig zu", lobte die "Gazzetta dello Sport" das Duo vor einigen Tagen und zog einen Vergleich zur Bundesliga: "In den übrigen Top-Ligen bringen es nur Lewandowski und Gnabry auf mehr Tore."

Die beiden Bayern-Stars trafen zusammen 46 Mal, zumindest in dieser Hinsicht ist der deutsche dem italienischen Rekordmeister einen Schritt voraus.

Ronaldo giert nach dem Königsklassen-Titel

Bei Juventus geht indes die Sorge um, angeschlagen in den Champions-League-Showdown gegen Olympique Lyon gehen zu müssen. Beim 2:0 gegen Sampdoria Genua mussten Dybala und Rechtsverteidiger Danilo verletzt ausgewechselt werden.

Cristiano Ronaldo im Champions-League-Achtelfinale gegen Olympique Lyon

Fotocredit: Getty Images

Eine Diagnose steht zwar noch aus, im Hinblick auf das Achtelfinal-Rückspiel gegen Lyon sind das aber definitiv schlechte Nachrichten. Der Serie-A-Meister muss zunächst eine 0:1-Hinspiel-Niederlage wettmachen, um überhaupt das Finalturnier in Lissabon zu erreichen. Ob der "Dybaldo"-Faktor dabei zum Tragen kommt, wird entscheidend sein.

Denn so schön die Meisterschaft auch ist, die Ambitionen in Turin sind größer. "Bei Juventus zu spielen, gibt mir die Chance, die Champions League noch einmal zu gewinnen", erklärte Ronaldo im Interview mit "Canal 11". Eine Chance, die der Portugiese unter allen Umständen nutzen will. Gelingt das Unternehmen, wäre Ronaldo nach Clarence Seedorf der erste Spieler, der die Königsklasse mit drei verschiedenen Klubs geholt hat. Für den noch immer extrem ehrgeizigen 35-Jährigen wirkt die Aussicht wie ein Raketenantrieb.

Bringt Sarri die Kritiker zum Schweigen?

Sarri kann das nur recht sein, ist er doch bei Juventus trotz der Meisterschaft nicht unumstritten. "Er wurde geholt, um gegenüber dem Spiel unter Allegri einen Fortschritt zu erzielen. Der ist aber nicht erkennbar", monierte etwa Giuseppe Bergomi, Weltmeister 1982 mit Italien, im Interview mit "Sport1".

Juventus-Coach Maurizio Sarri

Fotocredit: Getty Images

Die "Gazzetta dello Sport" will überdies erfahren haben, dass die Klubführung um Präsident Andrea Agnelli und Sportdirektor Fabio Paratici durchaus mit dem Gedanken spielen, einen neuen Coach zu engagieren. Bringt Sarri aber die Champions-League-Trophäe aus Lissabon mit, wäre er quasi unangreifbar und hätte gleich im ersten Jahr das Double eingefahren.

Das wiederum würden ihn mit Bayern-Coach Hansi Flick verbinden, der ebenfalls im ersten Jahr ein Double geschafft hat und nun sogar nach dem Triple greift.

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