Deutschland ohne Kimmich: Das sind Löws Optionen gegen die Ukraine
VonLuca Baier
Publiziert 12/11/2020 um 18:03 GMT+1 Uhr
Mit Joshua Kimmich wird der deutschen Nationalmannschaft in den anstehenden Partien gegen die Ukraine und Spanien ein absoluter Schlüsselspieler fehlen. Löw experimentierte im Test gegen Tschechien mit Ilkay Gündogan und Florian Neuhaus, nun stehen aber auch wieder gestandene Alternativen bereit. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check die Möglichkeiten, den Kimmich-Ausfall zu kompensieren.
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Der aktuell beste deutsche Fußballer ist verletzt. Nicht nur der FC Bayern, sondern auch die Nationalmannschaft muss in der nächsten Zeit ohne Joshua Kimmich auskommen.
Auch wenn Kimmich nicht eins-zu-eins zu ersetzen ist, hat Bundestrainer Joachim Löw gegen die Ukraine (Samstag, 20:45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) und Spanien (Dienstag, 17.11., 20:45 Uhr) mehrere interessante Möglichkeiten, das Mittelfeld neu zu besetzen.
Spielt Kimmich zusammen mit Toni Kroos auf der Doppelsechs im 3-4-3, sieht man keine klassische Rollenverteilung. Diese sieht normalerweise vor, dass ein Spieler den Aufbau aus der Tiefe dirigiert und der andere sich durch geschickte Positionierungen in den Halbräumen zur Spielfortsetzung anbietet.
Weil Kroos und Kimmich jedoch beide Rollen nahe an der Perfektion beherrschen, füllen sie beide Rollen im Wechsel aus – für den Gegner ist das sehr schwer ausrechenbar und erfordert viel Kommunikation, um im Zentrum nicht völlig die Ordnung zu verlieren.
Variante 1: Dirigent Kroos, Verbindungsspieler Goretzka
Der Kader der Nationalelf wird im Vergleich zum Testspiel gegen Tschechien aufgefüllt, etablierte Spieler wie Kroos, Leon Goretzka, Timo Werner, Serge Gnabry und Co. kehren ins Aufgebot für die Partien in der Nations Leauge zurück. Gut möglich, dass Löw in den Pflichtspielen dann auf eine eher klassische Doppelsechs zurückgreift.
Diese dürfte von Kroos und Goretzka gebildet werden. In diesem Fall hätte Kroos ganz klar die Aufgabe, erste Anspielstation für die Innenverteidiger zu sein und das Spiel in Manier eines Quarterbacks aus der Position heraus zu lenken. Goretzka wäre in deutlich höheren Zonen des Spielfeldes gefragt: Hier kann er seine Stärken beim Timing von tiefen Laufwegen und im Gegenpressing ausspielen.
Abgesichert durch drei Innenverteidiger ist Kroos die Rolle als Anker vor der Abwehr auch defensiv zuzutrauen. Wenn der Ball vorne verloren wird, muss er nämlich "nur" den zentralen Raum abdecken und den Gegner abdrängen - die äußeren Innenverteidiger können dann zur Hilfe kommen und aggressiv auf den Ballgewinn gehen.
Variante 2: Neuhaus als neues Element
Nach dem starken Auftritt gegen Tschechien hat auch Florian Neuhaus gute Karten. Der Gladbacher überzeugt durch eine sehr gute Dynamik und Aggressivität – aber auch durch schlaue Lösungen in engen Situationen.
Neuhaus ist im Spielaufbau nicht so routiniert und strategisch wie der erfahrene Kroos und in puncto Torgefahr noch nicht so weit wie Goretzka. Dafür kann er - ähnlich wie Kimmich - beide Elemente verbinden.
Auch bei Borussia Mönchengladbach glänzte Neuhaus schon in unterschiedlichsten Rollen: Mal war er klar der absichernde Part im Mittelfeldzentrum, mal der offensiv auffällige Box-to-Box-Spieler. Oftmals verbindet er aber beide Aufgabenfelder, da seine Teamkollegen bei der Borussia ebenfalls sehr variabel sind.
Eine Doppelsechs mit Kroos und Neuhaus käme der etablierten Konstellation Kimmich-Kroos wohl am nächsten.
Variante 3: Zurück zur Viererkette
Eine etwas unwahrscheinlichere, aber durchaus denkbare Variante ist die Umstellung auf ein 4-3-3. Hier könnte Löw vor Organisator Kroos auf der Sechs mit zwei Achtern spielen.
Goretzka und Neuhaus wären ein sehr offensivstarkes Achterduo. Mit ihren typischen Laufwegen in den Strafraum können sie für viel Präsenz im letzten Drittel sorgen - der zuletzt im 3-4-3 dafür zuständige Julian Brandt konnte in dieser Hinsicht nämlich nicht überzeugen.
Weil Löw aktuell keinen formstarken zentralen offensiven Mittelfeldspieler zur Verfügung hat, wäre das 4-3-3 im Vergleich zum 4-2-3-1 also interessanter.
Eurosport-Check: Bleibt Löw beim aktuellen Spielsystem, sind Kroos und Goretzka wohl erste Wahl - mit einer klassischeren Rollenverteilung als das Duo Kroos-Kimmich. Möglicherweise hat Löw aber auch so viel Gefallen an Neuhaus' Auftritt gefunden, dass er eine andere Rolle für Goretzka findet und die Doppelsechs gegen die Ukraine von Kroos und Neuhaus gebildet wird. Diese Variante verspricht zumindest bezüglich der gewohnten Rollenverteilung eine möglichst deckungsgleiche Kompensation des Kimmich-Ausfalls. Der aktuell beste deutsche Spieler ist nicht leicht zu ersetzen. Löw hat jedoch gute personelle Alternativen – und könnte sogar mit einer taktischen Alternative wie einem 4-3-3 oder 3-5-2 überraschen.
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