Julian Brandt zeigt Schwächen: Endstation Edeljoker

Julian Brandt war vor wenigen Jahren eines der größten Talente im deutschen Fußball, doch mit nunmehr 24 Jahren muss der einstige U19-Europameister um seinen Platz in der Nationalmannschaft und bei Borussia Dortmund fürchten. Vor allem in der Nationalelf tickt die Uhr, denn in rund sieben Monaten beginnt die EM. Brandt könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen - wenn er jetzt richtig reagiert.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Julian Brandt steht vor einer wegweisenden Herausforderung, in der Nationalelf genauso wie bei Borussia Dortmund.
Der 24-Jährige müsse "die nächste Hürde überspringen", forderte Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:0-Erfolg im Testländerspiel gegen Tschechien.
Brandts biedere Leistung im Nationalteam passt zur Situation der vergangenen Wochen, denn auch bei Borussia Dortmund stand der zentrale Mittelfeldspieler in den vergangenen Wochen vor einer Hürde, über die er nicht drüber kam: die starke Konkurrenz im Kader.
"Die Spieler, die angefangen haben, hatten die bessere Form", erklärte BVB-Coach Lucien Favre die Tatsache, dass die beiden 17-jährigen Toptalente Jude Bellingham und Giovanni Reyna meist den Vorzug vor Brandt bekommen. Die Folge: Der Nationalspieler durfte bei zwölf Pflichtspielen, die Dortmund in der laufenden Saison gespielt hat, nur einmal über 90 Minuten ran.
Viel zu wenig für die Klasse und die Ambitionen, die Brandt auszeichnen.

Brandt offenbart merkwürdige Schwächen

Überraschend waren die Schwächen, die der BVB-Star gegen Tschechien offenbart. Viele Bälle versprangen, Pässe kamen häufig nicht präzise, Läufe in die Tiefe ließ er vermissen. Obendrein vergab Brandt in der 32. Minute eine Riesenchance kläglich.
Der Blondschopf sei "nicht immer glücklich in seinen Aktionen" gewesen, befand Löw und wurde für seine Verhältnisse recht deutlich. "Julian hat so viel Können. An der Konstanz muss er arbeiten. Er ist ein bisschen schwankend in den Leistungen."
Das sind naturgemäß schlechte Voraussetzungen für einen Stammplatz, auch wenn ihm der Bundestrainer eine "enorme Qualität" bescheinigte.

Daran muss Brand jetzt arbeiten

Was also kann Brandt tun?
Ansätze gibt es genug. "Ich glaube, er müsste noch einen Schritt in Richtung defensiver Zuverlässigkeit machen, um mehr nach hinten zu kommen", sagte Löws Co-Trainer Marcus Sorg schon vor einiger Zeit. Der 54-Jährige hat Brandts Karriere aus nächster Nähe miterlebt - als Coach der deutschen U19, als Co-Trainer beim Gewinn der olympischen Silbermedaille 2014 in Rio de Janeiro und jetzt im A-Kader.
Es hat also Gewicht, wenn Sorg mehr Konstanz "auf Strecke, auf Topniveau" einfordert.
Darüber hinaus braucht Brandt wieder mehr Zutrauen in seine eigentlichen Qualitäten. "Wenn er aktiv ist, marschiert und seine Schnelligkeit und Technik ausspielt, dann ist er meistens sehr gefährlich", sagte Löw nach der Tschechien-Partie im Interview mit "RTL". Die Aussage darf Brandt gleichermaßen als Lob und Tadel auffassen, denn dieses Können bringt er derzeit einfach nicht auf den Platz.

Favre und Löw machen Brandt Mut

Der BVB-Profi hat mit 24 Jahren zwar noch ausreichend Zeit, sich zu stabilisieren, aber er ist kein Youngster mehr und muss aufpassen, dass ihn eben diese nicht überholen. Bei der Borussia ist ihm zuletzt genau das passiert. Stichwort Bellingham, Stichwort Reyna.
Brandt muss jetzt reagieren, will er nicht zum Edeljoker avancieren.
Seine Chancen wird er bekommen. Für Favre gibt es "keine Diskussion, dass Julian wieder spielen wird". Und auch Löw wird dem Mittelfeldspieler in den beiden anstehenden Nations-League-Partien gegen die Ukraine und Spanien aller Voraussicht nach die Möglichkeit geben, sich zu zeigen - freilich immer verbunden mit einer klaren Aufgabe. "Ich erwarte den nächsten Schritt von ihm", so der Bundestrainer.
Auf Julian Brandt kommt ein wegweisender Hürdenlauf zu.
Das könnte Dich auch interessieren: Drei Dinge, die auffielen: Kimmich-Backup glänzt
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung